Foto: Thomas SteinFür den Samstagabend gab es gestern zwei musikalische Alternativen. Im Fernsehen lief der Eurovision Song Contest und in der Hugenottenhalle spielte Christina Stürmer. Im Klartext heißt das: Skurrile Musikdarbietungen aus ganz Europa, der tausendste Aufguss von „osteuropäische Folklore meets Sex-Appeal und Dancefloor“ und sehr häufig „Germany: Zero Points“ gegen solid Rockmusik.
Im Vergleich zu 2007, als Christina noch in der (deutlich größeren) Phoenixhalle in Mainz auftrat, wurden gestern in der Hugenottenhalle kleine Brötchen gebacken. Zum einen ist die Halle kleiner und zum anderen war der hintere Teil unter der Galerie abgetrennt. Trotzdem müssten geschätzt 1500 Personen dort gewesen sein und das Altersspektrum ging von Kindern bis zum Altrocker, der attestieren musste, dass „die richtig geil abgehen“ und es richtig gute Musik ist. Dieses Treffen der Generationen zeigte mal wieder wie gut jung und alt gemeinsam feiern können.
Ein weiterer Vergleich zur Tour 2007 muss erlaubt sein. Bei beiden Touren traten als Support österreichische Newcomer auf, die nicht nur gut zu Christina Stürmer passten sondern auch noch gute Musik machen. Damals waren es Luttenberger*Klug und gestern nun HerbstRock. Gute Vorgruppen lässt man dann auch gerne mal ein wenig länger als die üblichen 30 Minuten spielen.
Um 20:50 Uhr war es dann soweit, dass Christina Stürmer auf die Bühne kam und sie begann gleich mit dem Titelsong des neuen Albums „In dieser Stadt“. Mit 150 BPM gleich zu Beginn brachte sie umgehend die Halle und das Parkett der altehrwürdigen Hugenottenhalle zumindest in den ersten Reihen zum Beben. In diesem Tempo konnte natürlich nicht weitergefeiert werden, denn in der Hugenottenhalle war es wesentlich heißer und schwüler als noch vor zwei Monaten bei Katy Perry. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, den Saal nicht abzutrennen auch auf die Gefahr hin, dass es nach hinten hin ziemlich leer ausgesehen hätte.
Von Christina Stürmer waren alle vier in Deutschland veröffentlichten Alben in den Top 10 und von den zwölf ausgekoppelten Singles schaffte es die Hälfte in die Top 20 der Singlecharts. Von daher waren viele Lieder ohnehin aus Funk und Fernsehen bekannt. Ein Großteil des Publikums kannte sich aber deutlich besser aus. So gingen sehr viele Hände in die Luft als Christina fragte, wer letztes Jahr beim Unplugged-Konzert in der Alten Oper in Frankfurt gewesen sei. Auch als sie vor „Bus durch London“ erklärte, dass dieses Lied nur auf dem zweiten Album in Österreich gewesen sei und sie es vor der Tour nie in Deutschland gespielt hatten, entbrannte ein freudiger Jubel im Publikum.
Um zwischendrin einmal durchschnaufen zu können, waren in der Setlist geschickt zwei Blöcke mit ruhigeren bzw. langsameren Liedern eingebaut. Zum Ende des normalen Sets wurde aber noch einmal richtig Gas gegeben. „Lebe lauter“ war Programm und zu „Jedes Wort“ holte sie Anna Müller von der Vorgruppe HerbstRock auf die Bühne. Dieses Land sangen sie im Duett und Jump-Style-artig hüpften die beiden Mädels im Takt und sorgten für ansteckend gute Laune. Das letzte Lied vor der Zugabe war dann „Ich lebe“. Bei diesem Hit sang das komplette Publikum mit und es wurde bis in die hintersten Reihen gesprungen und geklatscht.
Die Zugabe begann mit „Um bei Dir zu sein“ und „Ohne Dich“. Bei „Niemals hoffnungslos“ gab es einen Instrumentalzwischenteil bei dem die Band ihrer Virtuosität freien Lauf lassen konnte. Da merkte man wieder einmal was für erstklassige Musiker in der Band spielen.
Wie schon bei den letzten beiden Tourneen wurde das Konzert traditionell mit „Engel“ beendet. Wieder einmal umfasste die Setlist 25 Lieder und Christina Stürmer spielte an die Zwei-Stunden-Marke heran. Somit war der Spaß um 22:40 Uhr zu einer zivilen Uhrzeit vorbei und da sie ankündigte irgendwann wieder hier in der Gegend spielen zu wollen, steht jetzt schon fest, dass der Spaß weitergehen wird. Bis zum nächsten Mal…
Line-Up:
- Christina Stürmer: Gesang
- Oliver Varga: Gitarre
- Hartmut Kamm: Gitarre
- Gwenael Damman: Bass
- Klaus Pérez-Salado: Schlagzeug
Setlist:
1. In dieser Stadt
2. Dieser Tag
3. Unsere besten Tage
4. Nie genug
5. Nicht mehr weit
6. Mehr als perfekt
7. Scherbenmeer
8. Ist mir egal
9. Bis durch London
10. Im Kreis
11. Bleib hier
12. Mama
13. Glücklich
14. Wir sein
15. Schwarz weiß
16. Jetzt danke ich dir
17. Lebe lauter
18. Jedes Wort
19. Radio
20. Sommertag
21. Ich lebe
Zugabe:
22. Um bei Dir zu sein
23. Ohne Dich
24. Niemals hoffnungslos
25. Engel


