Saturday, 4. September 2010

Frankfurt, Commerzbank-Arena, 09.09.2008

Eine von drei Deutschlandkonzerten der "Queen of Pop" war in der Commerzbank-Arena und in Scharen pilgerten die Fans dorthin. Das Stadion war gut gefüllt, aber ausverkauft war die Veranstaltung nicht. In den Presseberichten schwankt die Zuschauerzahl zwischen 40.000 und 50.000 und die Wahrheit wird vermutlich irgendwo dazwischen gelegen haben. Zumindest lichteten sich im Innenraum die Reihen erst hinten bei den Ständern für die Beschallung der Gegenkurve.

Über zwei Dinge sollte man sich vor Abend im Klaren gewesen sein: 1.) Solch eine Veranstaltung ist mehr ein Event und eine Show als ein Konzert und 2.) ist ein Stadion kein Konzertsaal wie z.B. die Alte Oper.

Vorgruppe des Abends war die schwedische Sängerin Robyn, die in den 90ern schon mit Hits wie "Show Me Love" und "Do You Know (What It Takes)" erste Achtungserfolge feiern konnte und im letzen Jahr ihr Comeback startete. Ihr Set war vor allem von Dancebeats geprägt, aber "Show me love" sollte in einer ruhigen unpluggedartigen Version daherkommen. Leider ging ihr Gesang wegen des viel zu basslastigen Sounds fast völlig unter, so dass die Texte nur mit Mühe zu verstehen waren – selbst Ortswechsel innerhalb des Innenraums brachten kaum Besserung.

Die (Umbau-)Pause zwischen Robyn und Madonna dauerte fast eine Stunde und entsprechend verspätet begann die Diva ihre von A bis Z komplett durchgestylte und durchchoreographierte Show. Das perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Musik, Licht, Video und Tanz ließ kein Platz für irgendwelche Abweichungen. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk lief das Konzert ab und die persönlichen Worte beschränkten sich auf kurze Fragmenten wie "Hallo Frankfurt".

Unterteilt war die Show in vier Akte:

  • Pimp: Eine Mischung aus aktuellem Gangsta-Style und dem Gangsterkult der 20er Jahre
  • Old School: Erinnerungen an Madonnas frühe Tage in New York und eine Hommage an Keith Haring
  • Gypsy: Eine Mischung aus Zigeunerstil und Folk Music
  • Rave: Moderne Dancemusic mit östlichen Einflüssen

Als Einleitung rollte auf den riesigen Videowänden auf der Bühne eine Kugel durch ein Labyrinth, um sich am Ende, passend zum aktuellen Album "Hard Candy" und dem Eröffnungslied "Candy Shop", in einen Lutscher zu verwandeln. In der Bühnenmitte erscheint Madonna in – wie die FAZ so schön schreibt – "einem Dominanz signalisierenden Outfit" und ließ ganz lasziv ein Bein über die Stuhllehne hängen. Ob man es nun wollte oder nicht, an dieser Stelle musste man der 50-Jährigen zwischen die Beine schauen – Madonna steht nun mal neben Musik auch für Sex.

Während des ersten Aktes tauchte zwischendrin ein Cadillac-Straßenkreuzer auf der Bühne auf, auf dem Madonna und die Tänzergarde auf den Bühnenausleger fuhren. Außerdem entledigte sich Madonna noch weiterer Kleidungsstücke bis sie nur noch in Unterwäsche mit einem Chiffon-Leibchen darüber und Stiefeln auf der Bühne stand, aber als Ersatz zu einer schwarzen Les Paul griff. Schon beim ersten Lied "Hard Candy" wurde deutlich, dass der Gesang an dem Abend teilweise auch von Band kommen würde, denn beim Refrain sang sie nur die zweite Stimme.

Ein Remix von "Die another day" bildete die Überleitung zum nächsten Akt während dessen nur Tänzer auf der Bühne waren. In "Old School" fanden sich alte Hits wie "Into the groove" oder "Borderline" wieder und Madonnas Outfit erinnerte an die "Fame – Der Weg zum Ruhm". Außerdem tanzten auf den sechs Videowänden sowie auf der Videowand an einem fahrbaren Podest mit Tabledance-Stange Keith Harings Figuren. Gerade wenn sie wie bei "Borderline" zur Gitarre griff und der Gesang live war, wurde deutlich, dass sportliche Höchstleistungen und Gesang auf der Bühne nicht unbedingt zusammenpassen. Wäre sie damit vor die Jury einer Casting-Show getreten, wäre sie vermutlich mit ihrem eigenen Song durchgefallen.

Der Sound war bei Madonna nicht mehr ganz so basslastig wie zuvor bei Robyn. Im Innenraum konnten durch entsprechenden Ortswechsel Plätze gefunden werden, an denen der Bass nicht zu laut wummerte und den Rest übertönte. Diese Flexibilität bieten die Sitzplätze auf dem Rang nicht, so dass sich einige nach dem Konzert über den Sound beschwerten. Auf den Rängen bevorzugte auch der Großteil des Publikums, die Show weiterhin im Sitzen zu genießen – sei es der Show oder dem Sound geschuldet. Anscheinend bleibt sich Frankfurt treu, denn auch in der Festhalle sind Soundprobleme an der Tagesordnung.

"Rain" war das nächste Video-Zwischenspiel bei dem Madonna das komplette Lied über von der Bühne verschwand. Es folgte der "Gypsy"-Teil, und die "La Is La Bonita"-Version daraus war bereits vom "Live Earth"-Konzert bekannt. Der Rhythmus animierte aber dazu, dass mehr mitgeklatscht wurde als zuvor. Da in diesem Akt auch noch mit "Doli Doli" eine Tanzeinlage war und nach nur einem Lied ("You must love me") schon die nächste Madonna-Pause mit dem Video-Zwischenspiel bei "Get stupid" folgte, beschwerten sich nach dem Konzerte einige Fans, dass sie ja mehr neben statt auf der Bühne gewesen sei.

"Rave" war der vierte und letzte Akt und somit befand sich das Konzert auf der Schlussgeraden. Erwartungsgemäß wurde zu diesem Zeitpunkt tief in die Hitkiste gegriffen und bei "Like a prayer" oder "Ray of light" wurde auch das Publikum aktiver. Nachdem während des Konzerts schon ausreichend Pausen waren, gab es keine Pause zur Zugabe hin. Stattdessen fragte Madonna das Publikum nach einem Wunschlied und so sang sie die erste Strophe und den Refrain von "Like a virgin". Die Zugabe waren dann die Hits "Hung up" aus "Confessions on a dance floor" und die aktuelle Single "Give it 2 me".

Nach ca. eindreiviertel Stunden wurden die Fans um kurz nach 23 Uhr in die Nacht entlassen. Wie es sich für Madonna gehört, sorgte auch dieses Konzert im Nachgang für viel Gesprächsstoff. Beim präsentierenden Radiosender wurde das Konzert nur gelobt und bei der Konkurrenz wurden eher die negativen Eindrücke gesendet. Außerdem sorgte der ramponierte Rasen noch dafür, dass am Freitag das Bundesliga Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem Karlsruher SC abgesagt wurde. Sie hat mal wieder bleibenden Eindruck hinterlassen.

Setlist:
Akt 1: "Pimp"
1. Candy Shop
2. Beat Goes On
3. Human Nature
4. Vogue
Akt 2: "Old School"
5. Die Another Day (Remix) (Video)
6. Into the Groove
7. Heartbeat
8. Borderline
9. She's Not Me
10. Music
Akt 3: "Gypsy"
11. Rain (Video)
12. Devil Wouldn't Recognize You
13. Spanish Lesson
14. Miles Away
15. La Isla Bonita
16. Doli Doli (Tanz)
17. You Must Love Me
Akt 4: "Rave"
18. Get Stupid" (Video)
19. 4 Minutes"
20. Like a Prayer
21. Ray of Light
22. Hung Up
23. Give It 2 Me

1 Kommentar zu Madonna
Andrea am 01.10.2008 um 16:12 Uhr

Madonna in Frankfurst war der Hammer, super Show und Choreographie, leider war der Sound im Südrang sehr sher schlecht! Wir haben uns dann später nach vorne "durchgemogelt". Aber für das Geld, das die Konzertkarten gekostet haben, erwartet man eigentlich eine bessere Soundqualität.

5 Trackbacks zu Madonna
am 14.09.2008 um 19:01 Uhr
[...] Rasens abgesagt. Dieser litt am Dienstag unter der Belastung der Bühne und der Abdeckplatten des Madonna-Konzertes so sehr, dass die Reparaturarbeiten nicht rechtzeitig fertig [...]
am 14.09.2008 um 20:05 Uhr
[...] hätte ich Dienstag das Madonna Konzert im Waldstadion in der Commerzbank-Arena verpasst. Letzte Woche hatte ich noch daran, aber im [...]
am 20.09.2008 um 14:28 Uhr
[...] Madonna [...]
am 03.03.2009 um 21:11 Uhr
[...] letzten Herbst Robyn als Support für Madonna in Frankfurt war, wurde ihr nicht viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht, denn als sie auftrat, [...]
am 31.01.2009 um 08:14 Uhr
[...] dem erfolgreichen "Stick & Sweety-Tour" 2008 wird die Tour in 2009 fortgesetzt und es finden zwei Konzerte in Deutschland [...]
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