Saturday, 31. July 2010

Mannheim, Rosengarten, 12.11.2007

FRANKFURT (tms) – Ketzerisch müsste man sagen, dass sich die – zumindest körperlich kleine – Joss Stone feiern ließ wie eine Große. Selbst die Ordner gingen davon aus, dass Frau Stone zwischen 21:00 und 21:30 Uhr auf die Bühne kommen würde. Fast eine Stunde dauerte die Pause nach der zweiten Vorgruppe „Something Sally“ bis schließlich um 21:40 Uhr das Konzert richtig losging. Während der Wartezeit war die Stimmung im Mozartsaal des Rosengartens fast am kippen. Aus zunächst erwartungsvollem Klatschen und Rufen wurde mit der Zeit immer mehr ein Pfeifen und Buhen.

Dieser aufkommende Unmut war aber schnell vergessen, als das Konzert losging. Während des ersten Liedes „Girl they won’t believe it“ trug sie einen bläulichen – salopp formuliert – „Deppenzylinder“ wie man ihn von Volksfesten oder aus Fußballstadien kennt. Dieser geschmacklichen Verirrung setzte sie aber nach nur einem Lied ein Ende und enthüllte ihre Haarpracht. Augenscheinlich wurden aus lila Locken nun glatte, schwarze Haare. Neben einer grauen Hose mit Hosenträgern trug sie als Oberteil nur einen hinten geschnürten, blauen durchsichtigen Hauch von Nichts.

Optisch passte das Outfit schon einmal zum Sex-Appeal der Songs und mit ihren lasziven Bewegungen bediente sie weiter dieses Image, aber ohne dabei „billig“ wie manch anderer Star in diesem Alter zu wirken. Sie bedient mit ihrer Soul- und Funkmusik auch ein anderes Publikum als die meisten ihrer Altersgenossen. Deshalb war der Großteil des Publikums auch älter und nicht jünger als die Akteurin selbst.

Der Rosengarten war wie schon das Palladium in Köln nicht ausverkauft und somit gab es für alle genügend Platz. Es war aber so voll, dass weiter hinten trotz überdurchschnittlich viel Bewegungsfreiheit keine größeren Lücken entstanden. Dafür standen aber viele Pärchen eng umschlungen im Saal und genossen die Romantik der Musik.

Die Arrangements der Songs waren satt, denn dafür hatte sie eine stattliche Band auf der Bühne. Neben der Basisausstattung Schlagzeug, Gitarre und Bass gab es noch zwei Tasteninstrumentspieler, zwei Bläser und einen dreiköpfigen Backgroundchor. Fast wäre man dazu verleitet zu sagen, dass zu viele Köche den Brei verderben, aber überladen war die Musik zu keiner Zeit. Trotzdem bewegte sich der musikalische Spannungsbogen in dem von den Tonträgern bekannten Bereich – der größte Ausbruch daraus waren die Reggae-Einflüsse beim letzten Lied „No woman no cry“. Somit hat sie genau das präsentiert, was das Publikum hören wollte und natürlich standen auch all ihre älteren Hits wie „Super duper Love“, „Fell in love with a boy“ oder „You had me“ auf dem Programm. Langsamere Lieder wurden optisch durch einen die ganze Bühnenrückwand bedeckenden Sternenhimmel-Effekt unterstützt.

Einige Besucher hatten nach „Baby Baby Baby“ und noch einmal einer Stunde Konzertdauer schon genug gehört und verließen den Saal. Diesen Experten entging noch die Hitsingle „You had me“ und das der Abschlusssong „Tell me ´bout it“, bei dem jeder der Musiker ein Solo hinlegen durfte.

Etwas verwirrend war die Pause zur Zugabe hin. Während dieser Unterbrechung wurde sogar das Saallicht eingeschaltet, so dass es zu geringfügigen Irritationen kam. Energisches Klatschen und Rufen ließ den Verdacht aufkommen, dass die geplante Zugabe eine ungeplante Zugabe hätte sein können. Dieses Prozedere passte aber wiederum zu zuvor gewonnen Eindrücken.

Vor „No Woman No Cry“ holte sie aus dem Backstagebereich einen Strauß Rosen. Diese verteile sie nach und nach an das Publikum und versuchte dabei sogar Rosenwünsche aus dem Rang zu erfüllen.

Ob man sich über die kurze Konzertdauer beschweren möchte oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Für meinen Geschmack war sie bei dem musikalischen Korsett von Joss Stone ausreichend und es ist nach wie vor faszinierend welch fantastisches Organ diese zierliche Person hat. Ebenso ist es live noch einmal ein ganz anderes Erlebnis als von einem Tonträger. Trotzdem bleibt der etwas fade Beigeschmack, dass sie sich ein wenig zu viel hat feiern lassen. Hoffentlich wird das nicht ihr Rezept der Zukunft sein.

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