Saturday, 31. July 2010

Offenbach, Stadthalle, 02.11.2007
Kaiser Chiefs @ Offenbach, Stadthalle, 02.11.2007Foto: Thomas Stein

FRANKFURT (tms) – Die Kaiser Chiefs gehören zu den Bands, mit denen ich Mitleid habe. Neben Rihanna’s „Umbrella“ gehört „Ruby“ ganz klar zu den Hitsingles 2007 und üblicherweise verschwinden Bands mit so einem ubiquitären Hit später aus der breiten öffentlichen Wahrnehmung. So stellt sich vor dem Konzert die Standortfrage: Sind sie hierzulande noch der Newcomer mit einem Super-Hit oder wie in England schon eine mit diversen Preisen ausgezeichnete etablierte Rockband?

Die Zuschauerzahl in Offenbach beantwortete die Frage nicht, denn daran gemessen müsste man sie irgendwo dazwischen einordnen. In der Überschrift der Offenbach Post heißt es „Gastspiel vor halb gefüllten Rängen“, aber ganz so schlimm war es nicht. Bei diesem Bild denkt man bei der stadionkompatiblen Musik der Kaiser Chiefs zunächst an leer wirkende Fußballarenen, doch es waren lediglich weite Teile des Rangs abgehängt und die Flanken waren nicht bis in den letzten Winkel gefüllt. Von daher war die Halle angenehm gefüllt, aber nicht überfüllt. Es war also alles dafür bereitet, eine ausgelassene Party zu feiern.

Die Kaiser Chiefs begannen kurz vor 22 Uhr mit „Everything is average nowadays“. Wenn das „Durchschnitt“ ist, dann soll es mir Recht sein. Als vor Jahren die Ober-Britpopper von Oasis in gleicher Halle gastierten, wurde die Distanz zum Publikum gepflegt und passend zu seinem Bad-Boy-Image sang Liam Gallagher das Konzert noch nicht einmal zu Ende. Solch eine Arroganz ist bei den Kaiser Chiefs unvorstellbar und schon beim ersten Lied hielt es Sänger Ricky Wilson nicht mehr auf der Bühne. Dieser machte kurzerhand einen Ausflug und stand als „Star zum Anfassen“ vorne auf den Absperrgittern. Ebenso wirkt er mit seinen typischen Röhrenjeans, einem Oberhemd und für lange Zeit mit einer Weste darüber eher wie der singende Buchhalter als der rüpelhafte Rockstar. So wurde auch das am freien Tag zuvor in Offenbach erstandene neue Fahrrad auf der Bühne gebracht, um zu zeigen, dass sie den lokalen Einzelhandel unterstützt hatten.

„Ruby“ spielten sie schon als fünftes Lied und das war selbst für die „wir warten bis zum dem großen Hit und gehen dann“ – Besucher zu früh. Gleichzeit demonstrierte die Band damit, dass sie noch mehr zu bieten hat und nur einer von vielen guten Songs ist. Am den Türen zur Halle waren Warnhinweise vor Stroboskop-Effekten angebracht und tatsächlich hatten sie für diese Hallegröße überdurchschnittlich viele Lichteffekte im Gepäck.

Damit war auch der optische Rahmen für eine 75minütige Dauerparty geschaffen. Bei allen schnelleren Liedern wurde mitgeklatscht und mitgesprungen. Bei „The Angry Mob“, dem letzten Lied vor der Zugabe, bildete sich sogar ein kleines Pogo-Grüppchen. Zum Abschluss folgten als Zugabe noch „Love's not a competition“ und „Oh my god“ und schon war der gegen 23 Uhr der sehr kurzweilige Konzertabend vorüber. Spaß hatten die „Kirmesrocker“ definitiv verbreitet und nach dem Konzert im Foyer waren auch nicht die üblichen Beschwerden bezüglich der Konzertdauer zu hören.

Setlist:
1. Everything is average nowadays
2. Everyday I love you less and less
3. Heat dies down
4. Born to be a dancer
5. Ruby
6. I can do it without you
7. Modern way
8. Highroyds
9. Retirement
10. Thank you very much
11. Na na na na naa
12. I predict a riot
13. Take my temperature
14. The angry mob
Zugabe:
15. Love's not a competition
16. Oh my god

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