Saturday, 4. February 2012

Frankfurt, Batschkapp, 04.07.2007
Modest Mouse @ Frankfurt, Batschkapp, 04.07.2007Foto: Thomas Stein

FRANKFURT (tms) – Die Vorzeichen waren gar nicht so schlecht. Draußen war die Tageshöchsttemperatur kleiner als 20°C und somit keimte ein wenig Hoffnung auf, dass es in der Batschkapp nicht allzu heiß werden würde. Soweit die Theorie – in der Praxis hat sich die altehrwürdige und ausverkaufte Batschkapp erneut als Sauna präsentiert.

Modest Mouse zählen nicht zu den hippesten Bands und im Rahmen der Seatlle-/Grunge-Welle hatten sie nie den Sprung ganz nach oben geschafft. Dazu ist Bandleader und Sänger Issac Brook nicht der charismatische Typ wie z.B. Villa Valo, der sich z.B. auch bei TV-Sendungen wie „Viva La Bam“ in Szene zu setzen weiß.

Für viele Besucher war womöglich ein Grund, das Konzert zu besuchen, dass sie den kongenialen Musikpartner von Morrissey aus den The Smiths-Zeiten, Johnny Marr, live erleben wollten. Eben jener ist während der Aufnahmen zum aktuellen Album „We were dead before the ship even sank“ als neues Mitglied der Band beigetreten und verschaffte Modest Mouse somit auf einen Schlag ein neues Publikum und viele Kritiker schlugen bei dem Album Purzelbäume.

Nun war es an der Zeit, das aktuelle Album live zu präsentieren – doch die Herren ließen sich bitten. Anstatt der üblichen 20-30 Minuten dauerte die Umbaupause fast eine Stunde und so konnte das eigentliche Konzert erst gegen 22:30 Uhr beginnen. Es war ein Abend der Gegensätze: Nicht viele Bands gönnen sich zwei Schlagzeuger, aber die beiden Herren bei Modest Mouse spielten absolut synchron, so dass man den Eindruck hätte gewinnen können, dass dort nur ein Drummer am Werk sei. Diese Dopplung hatte den Effekt, dass der Schlagzeugsound sehr druckvoll war und permanent ein Feuerwerk an Schlaginstrumenten gezündet wurde.

Im Gegensatz dazu verlief der Abend recht chaotisch. Die Setlist wurde alle Nase lang über den Haufen geworfen und vermittelte somit den Eindruck eines individuellen Abendprogramms. „Dashboard“ als einen der eingänglichsten Songs des neuen Albums war bereits das dritte Lied, das ebenso gut erst zur Zugabe hätte kommen können. Nach „Fire it up“ folgte auch die Begrüßung des Publikums und zu „Bukowski“ wurde die Instrumentierung gewechselt. Nun waren statt Gitarre, Bass und Keyboard Banjo, Ziehharmonika und Cello im Einsatz.

Im weiteren Verlauf des Abends kam keine Langeweile auf, denn immer, wenn man Gefahr lief, sich an die Band zu gewöhnen, wechselte die Instrumentierung erneut und brachte eine neue Klangfacette zu Tage.

Wie schon vor ihrem Konzertbeginn ließen sich Modest Mouse auch zur Zugabe hin sehr bitten. Das erste Lied der Zugabe war ähnlich lange wie die Pause bis dahin. Es folgte mit „That’s what I’m waiting for“ wieder ein recht eingängliches Lied und als viertes und letztes Lied der Zugabe endete der Abend mit „Even enough“.

Gewiss sind Modest Mouse keine Alltagskost im Musikbusiness, aber sie bringen ihren manchmal sehr eigenwilligen Stil gekonnt auf die Bühne. Da das Konzert u.a. von You FM, der Jugendwelle des Hessischen Rundfunks, präsentiert wurde, war das Publikum auch äußerst gemischt. Von Jugendlichen in den vorderen Reihen bis hin zu älteren Herrschaften weiter hinten, die auch The Smiths hätten noch live erlebt haben können. Aber gerade solch eine interessante Mischung des Publikums machen gute Live-Konzerte wie dieses aus.

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