FRANKFURT (tms) – Genesis ruft – und die Fans strömen zu tausenden zu den Konzerten. Gestern Abend machten sich 50.000 Besucher auf den Weg in die ausverkaufte LTU-Arena in Düsseldorf. Es war beruhigend, bereits im Vorfeld zu wissen, dass das Arenadach geschlossen sein würde und das Wetter keinen Einfluss auf die Veranstaltung haben könnte – der Rahmen für einen angenehmen Konzertabend war gegeben.
Für das Alter des Publikums galten die Angaben, die immer auf Gesellschaftsspielen stehen: 6-99 Jahre – der überwiegende Teil war in gesetztem Alter. Außerdem war es vor Konzertbeginn in der Halle ziemlich ruhig. Wo waren die stadiontypischen La Ola-Wellen, um in Stimmung zu kommen? Nirgends – man schien abwartend und ein wenig reserviert zu sein. Pünktlich wie angekündigt begann das Konzert zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr mit „Behind the lines“. Nur wenig später folgten mit „No son of mine“ und „Land of Confusion“ zwei Superhits, die fast jeder in der Halle kennen müsste. Das hat aber nicht ausgereicht, um die Besucher auf den Tribünen aus den Sitzen zu heben. Schade eigentlich, denn die verhalten Reaktionen, die sich hauptsächlich auf das Applaudieren nach den Songs reduzierten, werden dem Konzert als Manko anhaften bleiben.
Die Akteure auf der Bühne spielten die Show routiniert und professionell durch, aber es fehlte wie so oft bei Veranstaltungen in dieser Größenordnung die Spontanität, und die Ansagen von Phil Collins wirkten zu einstudiert. Es soll einige Verspieler von Mike Rutherford gegeben haben, aber diese trübten den Gesamteindruck nicht. Es sind Spitzenmusiker, die nicht umsonst eine der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten sind.
Bei einem Stadionkonzert kommt es aber nicht auf die letzte Feinheit bei der musikalischen Darbietung an, sondern der Gesamteindruck zählt. Durch das geschlossene Dach der Arena kamen die Bühne und die Lightshow ab der ersten Sekunde vollends zur Geltung. In der unteren Hälfte war die Bühnenrückseite eine riesige Videowand, die oben von einem halbrunden Träger begrenzt wurde, an dem unzählige Scheinwerfer hingen. Davor standen mehrere Stützen mit weiteren Scheinwerfern, die die Musiker ins rechte Licht rückten. In der oberen Hälfte waren weitere Lichteffekte und links und rechts der Bühne gab es noch zwei ovale Videowände, die wie übergroße Spiegel aussahen. Auf den Videowänden liefen immer passend zu den Liedern Videosequenzen ab, es wurden Bilder gezeigt oder einfach nur das Kamerabild aus der Arena selbst.
Die Setlist war eine ausgewogene Mischung aus dem Repertoire der Band, so dass Fans aus allen Zeiten auf ihre Kosten gekommen sind. Highlights stellten jedoch die großen Hits wie „Mama“, „Invisible Touch“ oder „I can’t dance“ dar. Bei einigen Lieder tauschte Phil Collins auch sein Mikrofon gegen Drumsticks ein, um zu belegen, dass er immer noch ein sehr guter Schlagzeuger ist.
Drei Minuten pro Song reichen bei Genesis bei weitem nicht aus. Durch Medleys oder lange Soli ging die Tendenz eher in Richtung 10 Minuten und so verteilten sich die zwanzig gespielten Songs auf über zweieinhalb Stunden Konzertdauer.
Nach dem Konzert ist die Meinung im Genesis-Forum sehr gespalten und vielschichtig. Würde man behaupten, dass Konzert sei sehr gut gewesen – es gäbe Zustimmung. Würde man behaupten, dass Konzert sei schlecht gewesen – es gäbe ebenso Zustimmung. Egal, was man nun über das Konzert schreibt, für den einen stimmt es und für den anderen nicht.
Auch wenn hier der eine andere Kritikpunkt herausgestellt wurde – es war ein großartiges Konzert mit wunderbarer Musik und während des Konzertes entwickelte sich in mir langsam der Wunsch, das Konzert in Frankfurt auch noch sehen zu wollen.
Setlist:
1. Behind The Lines / Duke’s End
2. Turn It On Again
3. No Son Of Mine
4. Land Of Confusion
5. In The Cage / The Cinema Show / Duke’s Travels
6. Afterglow
7. Hold On My Heart
8. Home By The Sea
9. Follow You Follow Me
10. Firth Of Fifth / I Know What I Like
11. Mama
12. Ripples
13. Throwing It All Away
14. Domino
15. Drum Duet
16. Los Endos
17. Tonight Tonight Tonight (intro)
18. Invisible Touch
Zugabe:
19. I Can’t Dance
20. Carpet Crawlers

