Foto: Thomas SteinFRANKFURT (tms) – 17 Jahre und 22 Tage sind vergangen seit die Rolling Stones das letzte Mal in Frankfurt gastierten. Damals hieß das Stadion noch Waldstadion und nicht Commerzbank-Arena. Alle waren damals noch ein wenig jünger und an einen bestuhlten Innenraum wagte niemand überhaupt nur zu denken. In der Zwischenzeit sind gerade einmal drei Studioalben entstanden und die Tour zu ihrem letzten Werk „A bigger bang“ befindet sich im dritten und letzten Jahr.
Bei einem Stadionkonzert gehört zu dem Erlebnis neben der Musik an sich auch das gesamte Drumherum. Im Vorfeld des Konzertes konnte man sich frei nach Thomas Gottschalk die Frage stellen: „What happened to Rock’n’Roll?“ Zunächst gab es im Vorverkauf nur Sitzplätze, aber nachdem dieser vermutlich wegen der hohen Eintrittspreise sehr schleppend lief. Vielleicht lag das auch an der zeitgleich in Frankfurtstattfindenden JP Morgan Chase Corporate Challenge, bei der sicherlich einige potentielle Besucher waren. Ein Woche vor dem Konzert wurde bekannt geben, dass die Bühne innerhalb des Stadions gedreht und dadurch auch die Kapazität verringert wurde. Durch diese Maßnahme waren die Fans nun näher an den „Rock-Dinos“, aber mussten dafür auch Schlangestehen beim an den Tickettausch-Ständen in Kauf nehmen. Außerdem entstand durch die neue Bühnenposition auch die Möglichkeit einen der Stehblöcke zu nutzen, um die vielfach geforderten Stehplätze anbieten zu können.
Foto: Thomas SteinIm „versitzplatzten“ Innenraum wimmelte es nur so an Security-Kräften und Platzanweiserinnen in türkisen Kostümen wie man sie sonst von Klassikkonzerten aus der Alten Oper kennt. Daneben war gestern auch einer der wenigen Tage, an denen in der Commerzbank-Arena das Dach geschlossen war und somit wäre es auch bei Regen eine trockene Angelegenheit geblieben. Die Ordner achteten ziemlich genau darauf, dass vor und während des Konzertes die Gänge zwischen den Stuhlreihen frei blieben. Ist das noch Rock'n'Roll?
Der Vorteil der Bestuhlung war, dass es kein Gedrängel gab und man immer wieder problemlos zu seinem Platz zurückkam. Als Sitzgelegenheit wurden die Stühle nur vor dem Konzert genutzt. Nachdem die Böllerschüsse und traditionell „Start me up“ das Konzert mit 15 Min Verspätung eröffneten, gab es kein Halten mehr und der gesamte Innenraum stand. Auf der Tribüne hingegen wurde in der ersten Hälfte des Konzertes noch das Sitzen favorisiert. Neben „Rough Justice“ vom aktuellen Album „A bigger bang“ präsentierten sie Material aus ihrer Rhythmn’n’Blues Phase in den frühen Siebzigern von ihren legendären Alben „Sticky Fingers“ oder „Exile on Main Street“.
Einen besonderen Coup landeten die Stones mit dem Beginn von „It’s only Rock'n'Roll“ mit einer fahrbaren Bühne. In Windeseile wurde die Podeste für Schlagzeug und Keyboard vorderen Bühnenrand geschoben und plötzlich setzte sich wie ein Schiff ein Teil der Bühne in Bewegung und fuhr orthogonal zur Hauptbühne auf Schienen den Steg in der Mitte des Publikums entlang, um kurz vor der Hauptribüne zum Stehen zu kommen. Während der drei Songs auf diesem beweglichen Bühneteil leisteten die Stühle gute Dienste, um sich darauf zu stellen.
Foto: Thomas SteinNachdem in der ersten Hälfte der Show teilweise stark im Songarchiv gegraben wurde und nicht jeder Besucher mit den gespielten Liedern vertraut war, begann mit diesem Ausflug ins Publikum der zweite Teil, in dem die tausendfach gehörten Welthits zum Besten gegeben wurden. „It’s only Rock'n'Roll“, „Satisfaction“ oder „Honky Tonk Woman“. Das ist Rock'n'Roll und nun wurde auch die gesamte Tribüne zu Stehplätzen.
Da es mittlerweile dunkel geworden war, kam auch die gigantische Bühne mit ihren unzähligen Lichteffekten voll zur Geltung. Das ganze Ausmaß und die Größe dieses Spektakels waren aus der Ferne wesentlich besser zu sehen als aus der Nähe. Auch wenn die einzelnen Akteure nicht mehr genau zu erkennen waren, der Gesamteindruck war bombastisch.
Foto: Thomas SteinWeniger bombastisch hingegen war der Sound an diesem Abend in der Commerzbank-Arena. Zumindest im Innenraum war es teilweise ein Klangbrei, bei dem die verschiedenen Gitarren kaum zu differenzieren waren. Vergeblich war der Versuch den typischen, schrammeligen Stil von Keith Richards Gitarre herauszuhören bzw. die auf den Gitarren sichtbaren Aktionen waren schwerlich im Stadionsound wiederzufinden. Entgegen seinen Aussagen in Interviews vor dem Konzert, wirkte Keith Richards allerdings nicht sehr fit.
Genau das Gegenteil von ihm war Mick Jagger. Er wirkte fitter denn je, versprühte Witz und Energie und er müsste für seine Sprints auf den altbekannten Bühnenauslegern Kilometergeld anstatt des Eintrittspreises verlangen. Tendenziell orientierte er sich jedoch auf die vom Publikum aus rechte Seite, da dort der Stehblock war.
Trotz der nicht gerade schmeichelnden Schlagzeilen im Vorfeld des Konzertes und dem notwendigen Ticketumtausch feierten 25.000 beigeisterte Fans zwei Stunden lang die „Greatest Rock'n'Roll-Band in the world“. Nach dem Konzert war aller Ärger verflogen und man hörte nur „super“ oder „geil wie immer“ von den heimströmenden Fans.
Foto: Thomas SteinDa viele Stones-Fans „Wiederholungstäter“ sind sieht man sich beim nächsten Mal bestimmt wieder…
Foto: Thomas SteinSetlist:
1. Start Me Up
2. You Got Me Rocking
3. Rough Justice
4. Bitch
5. Monkey Man
6. Sweet Virginia
7. Midnight Rambler
8. I'll Go Crazy
9. Tumbling Dice
10. Wanna Hold You
11. Before They Make Me Run
12. It's Only Rock 'n' Roll (to b-stage)
13. Respectable (b-stage)
14. Satisfaction (b-stage)
15. Honky Tonk Women (back to main stage)
16. Sympathy For The Devil
17. Paint It Black
18. Brown Sugar
Zugabe:
19. Jumpin' Jack Flash

