Saturday, 31. July 2010

Frankfurt, Commerzbank-Arena, 05.06.2007

FRANKFURT (tms) – Da die Rolling Stones letztes Jahr ihr Konzert in der Commerzbank-Arena abgesagt hatten, wurde die Ehre des ersten Rockkonzertes in diesem Stadion nicht irgendwelchen internationalen Starts sondern einem der wenigen deutschen Superstars zu teil. In das alte Waldstadion hätten ein paar tausend Leute mehr gepasst, aber durch den Umbau wurde große Nachfrage kurzerhand mit zwei Konzerten befriedigt.

40.000 Fans haben am Dienstag den Weg in die Arena gefunden. Obwohl es erst 20:15 Uhr war, wurde eine riesige Uhr auf die Bühnenrückwand projiziert, die passend zum neuen Album „Zwölf“ fünf vor Zwölf anzeigte und den Countdown zum Konzertbeginn einläutete. Die Sonne schien noch durch ins weite Rund und ohne großes Tamtam kam Herbert Grönemeyer auf den Steg, der fast bis in die Mitte der Arena reichte, entlang gelaufen. Dort nahm er einem Flügel Platz und begann mit „Leb in meiner Welt“. Während des Songs merkte er schon öfters an, dass das Klavier kaputt sei. Anstatt im Programm einfach weiter zu machen, ging er auf die Bühne und spielte den Song noch einmal, aber dieses Mal mit einem funktionierenden Klavier.

Aus dem neuen Album „Zwölf“ ist noch kein Riesenhit wie z.B. „Mensch“ hervorgegangen. Von daher werden die Songs des Albums bei Konzerten teilweise auch als „Stimmungskiller“ bezeichnet. So eigenwillig wie sein Gesang und sei Tanz ist, so eigenwillig lässt es sich der Meister auch nicht nehmen, die neuen Songs zu spielen. Manche Songs haben das Potential wirkliche „Grönemeyer-Klassiker“ zu werden, aber im Vergleich zu den etablierten Hits war das Publikum erwartungsgemäß nicht so textsicher.

Bei den ruhigeren Liedern nahmen die Gäste auf Rang auch gerne wieder Platz. Das war aber immer nur die Ruhe vor dem Sturm. Sowie ein sog. alter Hit gespielt wurde, wurde ein Schalter umgelegt und das ganze Stadion stand, sprang, winkte, sang mit und klatschte dazu. In diesen Momenten machte es ebenso viel Spaß den Blick über das weite Rund schweifen zu lassen wie die Show auf der Bühne zu beobachten.

Der erste Paukenschlag war dann „Musik nur, wenn sie laut ist“ und kurze Zeit später folgten schon „Bochum“ und „Alkohol“. Die letzten beiden Lieder eigneten sich wunderbar dazu, ein wenig Bezug zum Auftrittsort herzustellen – „Du keine Weltstadt wie Frankfurt“ in „Bochum“ und ein Spruch über „Äppler“ vor „Alkohol“.

Im Anschluss wurde umgehend von Party auf zu ernsthaft umgeschaltet, denn mit „Marlene“ folgte ein Lied, das er mit einem Hinweis über die Versorgung von Afrika mit Aids-Medikamenten einleitete. Es wurde still und nachdenklich in der Arena – ein Spagat, den sowohl den die Fans als auch die Akteure auf der Bühne vorzüglich meisterten.

Es folgten u.a. noch Kracher wie „Männer“ und „Mensch“, bei denen es wieder kaum ein Halten gab und 80.000 Arme wurden im Takt hin und her geschwungen. Dann war plötzlich nach ca. 90 Minuten das erste Mal Schluss, obwohl es noch gar nicht komplett dunkel war. Zum Glück war noch lange nicht Feierabend für den Abend.

Zu Beginn der Zugabe machte das Frankfurter Publikum Herbert bei „Demo“ fast arbeitslos, da es den Song fast alleine gesungen hatte, was er mit „Ihr solltet hier oben stehen“ kommentierte. Ein weiteres Highlight im sozusagen zweiten Teil der Show war eine Unplugged-Version von „Land unter“, bei der auch wieder lauthals mitgesungen wurde und Herbert begleitet von zwei Gitarren und einem Akkordeon auf dem Steg mitten im Publikum stand. Nach „Flugzeuge im Bauch“ wollte das Publikum gar nicht mehr aufhören zu singen und der sichtlich gut gelaunte Herbert Grönemeyer kommentierte es mit den Worten „ich lass Euch weitersingen bis es Euch aus den Ohren blutet.“

Der absolute Höhepunkt sollte dann aber die WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ werden. Hier dirigierte Herbert das Publikum als Chorleiter – der eine Teil sollte „Zeit, dass sich was dreht“ und die andere Seite im Canon dazu „oheohehohe“. 9 Minuten dauerte diese Feuerwerk der guten Laune, bei dem nur noch Deutschland-Trikots und Fähnchen gefehlt haben, um die Stimmung des „Sommermärchens“ wieder aufblitzen zu lassen.

Mit „Zur Nacht“ klang der Abend aus und der Tross von 40.000 Fans machte sich nach Zweidreiviertelstunden auf den Weg in die Nacht. Das war eine gelungene Konzertpremiere im neuen Stadion. Die Rolling Stones werden nächste Woche es an selbiger Stelle schwer haben, diesen Abend zu toppen.

Setlist:
01. Leb in meiner Welt
02. Kopf hoch, tanzen
03. Stück vom Himmel
04. Musik nur, wenn sie laut ist
05. Halt mich
06. Bochum
07. Alkohol
08. Marlene
09. Ich versteh
10. Ohne Dich
11. Spur
12. Männer
13. Der Weg
14. Mensch
15. Bleibt alles anders
16. Liebe liegt nicht
16a. Oh, wie ist das schön
17. Demo / Letzter Tag
18. Was soll das
19. Zum Meer
20. Land unter
21. Du bist die
22. Selbstmitleid
23. Flugzeuge im Bauch
24. Zeit, dass sich was dreht
25. Bloss geliebt
26. Zur Nacht

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