Foto: Thomas SteinFRANKFURT (tms) – Dreizehn Jahre ist es her, dass ich die Lemonheads das letzte Mal gesehen habe und das Tour-Shirt von damals existiert noch heute – wie auch das Shirt verblasste mit der Zeit auch der Glanz und Glamour der Band. Manche Sachen blieben über die Jahre auch konstant und so gibt es zwar die Lemonheads wieder, aber das bedeutet lediglich, dass sich Sänger Evan Dando wie früher auch schon einfach neue Begleitmusiker gesucht hat.
Da das Konzert an einem Samstag stattfand und an diesem Wochentag in der Batschkapp später noch die übliche Diskoveranstaltung sein sollte, wurde im Vorfeld darauf hingewiesen, dass Konzertbeginn mit der Vorgruppe um 19:45 Uhr sein sollte. Nach der üblichen Zeitrechnung hätten dann die Lemonheads gegen halb neun auf der Bühne stehen sollte. In der Praxis sah dies aber gänzlich anders aus und die Vorgruppe „The Icarus Line“ begann erst um 20:35 Uhr.
Da laut Forenberichten Evan Dando erst sehr spät aus Holland angereist kam, durfte die Vorgruppe statt der üblichen 30 Min. fast 45 Min. spielen. Um 21:35 Uhr – also ungefähr im Zeitplan eines „normalen“ und nicht früh beginnenden Konzertes – kamen die Lemonheads auf die Bühne. Zunächst wurde sich aber erst einmal orientiert und Evan Dando überprüfte seine Gitarre. Alles sehr unspektakulär und ebenso plötzlich setzte die Musik ein.
Ausverkauft war die Batschkapp nicht und wie die Akteure sind auch die Fans älter geworden. Während Evan Dando weiterhin die Haare lang trägt und sich somit gegenüber früher kaum etwas verändert hat, war das Publikum deutlich ruhiger geworden. Bei früheren Konzerten in selber Location gab es ein Moshpit vor der Bühne und selbst Stage-Diving von Fans wurde praktiziert. Heutzutage stand man eher verhalten ohne Drängeln und Schubsen vor der Bühne. Alles sehr entspannt.
Damit die Fotografen am Anfang der Show etwas von Evan Dando hatten, begann er das Konzert mit einer Wollmütze, damit man sein Gesicht auch sehen konnte. Nach ca. 20 Minuten riss er sich die Mütze vom Kopf und von nun an sah man das Gesicht vor lauter Haaren für den Rest der Show fast gar nicht mehr. Alles sehr haarig.
Die Setlist bot das, was Fans nach so einer langen Pause hören wollen: Die alten Hits. Es wurden zwar auch Songs vom aktuellen Album „The Lemonheads“ gespielt, aber ein Schwerpunkt lag auf den Songs des „It’s a shame about Ray“-Albums. „Alison started to happen“, „Stove“, etc. – das will man einfach noch einmal live hören.
Ansonsten lief das Konzert kurz und schmerzlos ab. Ein Lied wurde nach dem anderen abgefeuert und bei einer Dauer von zwei bis drei Minuten pro Song konnten in einer guten Stunde einige gespielt werden. Selbst zum Applaudieren ließ die Band zwischen den Liedern kaum Zeit und so wurde ohne Punkt und Komma durch das Programm gehetzt.
Vor dem letzten Lied besprach sich Evan Dando mit seiner Band und als Abschluss spielte er noch „Outdoor type“ auf der akustischen Gitarre und schon verschwand er etwas orientierungslos von der Bühne. Über diesen schnellen Abgang war das Publikum ziemlich erstaunt und noch ganz perplex wurde kaum noch nach einer Zugabe verlangt. Zu schnell war das Saallicht eingeschaltet und die Geräte auf der Bühne ausgeschaltet. Alles sehr kurz.
Am nächsten Tag kamen mir einige Zweifel an dem Konzert, da ich bei der Recherche im Internet Setlists gefunden hatte, auf denen nach dem elektronischen Set noch ein akustisches Set folgen sollte. War das in Frankfurt nicht das Ende des Konzertes sondern nur eine Pause gewesen? Im Nachhinein sollte sich aber rausstellen, dass die 65 Minuten Spieldauer schon alles waren. Sie haben gereicht, um ein wenig in Nostalgie zu schwelgen, aber es bleibt leider ein fader Beigeschmack.

