FRANKFURT (tms) – Mit Änderungen ist das so eine Sache: Die eine begrüßen sie, die anderen bewahren lieber das Alte. Es gibt Fans der ersten beiden Alben, die mit dem aktuellen Longplayer „Loose“ nicht mehr viel anfangen können und sich die „alte Nelly“ zurückwünschen. Im Rahmen der „Folkore-Tour“ erklärte sie, dass sie kurze, aber gute, Konzerte spiele. Wie die Musik hat sich auch die Einstellung geändert – anstatt knapp unter 1 1/2 Stunden dauern Konzerte jetzt fast zwei Stunden. Aber auch diese längere Spieldauer vergeht wie im Flug.
Dies liegt auch daran, dass sie auf zahlreiche Top10-Singles und einen Fundus aus mittlerweile drei Alben zurückgreifen kann. Wer also mit dem neuen Album nicht sonderlich vertraut war, kannte den Großteil des Songs aus Radio und TV, da sich ein Hit an den nächsten reihte.
Als Intro wurde ein Hubschrauber-Video zu den Klängen von „Afraid“ gespielt und zu ihrer aktuellen Single „Say it right“ erschien Nelly Furtado im schwarzen Designer-Outfit auf der Bühne. In dieser Minute wurden unzählige Digitalkameras und Fotohandys gezückt. Dieser neue Trend lässt mittlerweile fast jedes Lied wie früher Balladen mit angezündeten Feuerzeugen erscheinen. Mit „Turn off the light“ und „Powerless“ im Folgenden war der erste Brückenschlag über ihre drei Alben vollzogen und Fans aus alle Epochen waren beglückt. Bei dem letztgenannten Lied wurden Videoaufnahmen des Publikums auf den Leinwänden übertragen und bis in die letzte Reihe waren die Hände in der Höhe.
Die Bühne bestand aus drei Ebenen. Die unterste Ebene mit einem Steg ins Publikum wurde hauptsächlich von Nelly, dem Rapper Saukrates und den Tänzern verwendet. Vier Treppenstufen weiter oben auf der 1. Ebene befanden sich Gitarre, Keyboards und der Background-Gesang und ganz oben auf der 2. Ebene neben Schlagzeug links und Percussions rechts in der Mitte Nellys Mikrofonständer. Diese erhöhte Position hatte seine Vorteile, da die Jahrhunderthalle ausverkauft war und sich das Publikum selbstverständlich nicht die Daltons aufreiht und so das kanadisch-portugiesische Energiebündel immer gut zu sehen war.
Nach „Do it“ und „Wait for you“ folgte eine Tanz-Zwischeneinlade und zu „Showtime“ kam Nelly Furtado im rubinroten Abendkleid die Showtreppe herunter, dessen untere Hälfte ein wenig an Bibo aus der Sesamstrasse erinnerte, das sie bis zu „All good things (come to an end)“ trug, bei dem sie einen Fan aus dem Publikum zum gemeinsamen Pfeiffen der Melodie auf die Bühne holte.
Nach diesem Hit lag der Verdacht nahe, dass es nach den Erfahrungen der letzten Tour mit der Zugabe weitergehen sollte. Weit gefehlt: Nach einer erneuten Tanzeinlage kam sie in einem weißen Casual-Outfit zurück und diesen Abschnitt fielen Hits wie „Give it to me“, „I’m like a bird“, „Forca“ oder „Promiscuous girl“. Zu den letzten beiden Lieder zog sie zur weißen Hose ein Deutschland-Trikot mit der Rückennummer 3 und dem Spielernamen „Furtado“ an und erntete dafür Szenenapplaus – das sind die Nachwirkungen der Fußball WM 2006. „I’m like a bird“ wurde in einer sehr basslastigen Version gespielt, deren Beat sehr an „MFG“ der Fantastischen Vier erinnerte. Als Zugabenblock folgte „Party“, „No hay igual“ und als krönendes Finale „Maneater“.
Live ist ein Nelly Furtado Konzert einfach eine große Party und auch die Verfechter ihrer beiden ersten Alben sollten auf ihre Kosten gekommen sein. Die Energie und der Spaß den sie auf der Bühne ausstrahlt überträgen sich auf das Publikum und von einer routinierten Show, die gelangweilt heruntergespielt wurde, war das Konzert Längen entfernt. Ganz im Gegenteil: Selbst die Tanzeinlagen zwischendrin, die zum Wechseln des Outfits genutzt, wurde ließen keine Langeweile aufkommen, denn so konnte man wenigstens einmal kurz für den nächsten Abschnitt verschnaufen.
Wenn sie ihren Siegeszug durch die Konzerthallen und Charts weiter so erfolgreich vollzieht, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann sie in Frankfurt in der Festhalle gastiert – noch mit „Loose“ oder erst dem nächsten Album?
Setlist ohne Gewähr:
1. Afraid (Video)
2. Say it right
3. Turn off the light
4. Powerless (Say what you want)
5. Do it
6. Wait for you
7. Showtime
8. Crazy
9. Stars
10. In God’s hands
11. Try
12. Hey, Man!
13. All good things (come to an end)
14. Sexy Back
15. Give it to me
16. I’m like a bird
17. Glow
18. Forca
19. Promiscuous girl
Zugabe:
20. Party
21. No hay igual
22. Maneater

