Foto: Thomas SteinASCHAFFENBURG/FRANKFURT (tms) – Im Vorprogramm zu Mesh beim Elektrisch!-Festival im Colos-Saal in Aschaffenburg traten Mechanical Cabaret und Purwien auf. Bei beiden hielt das Publikum noch ein wenig Respektabstand zur Bühne und diese nutze der Mechanical Cabaret Sänger Roi Robertson aus, in dem er mehrfach von der Bühne kam und vor der Bühne weiter sang. Die Band selbst merkte an, dass sie wahrscheinlich kaum niemand im Saal kennen würde, aber für eine Vorgruppe haben sie einen passablen Job gemacht.
Die Umbaupausen waren kurz und nach ungefähr einer Viertelstunde ging es schon mit Christian Stephan Purwien weiter, der ein Teil von Second Decay ist. Gleich das erste Lied ließ mir ein wenig den Schrecken ins Gebein fahren. Der Beat erinnert mich ein wenig unfreiwillig an das Gestampfe von Alpen-Rock. Sollte das Hubert von Goisern auf elektronisch werden? Zum Glück nicht, denn die Lieder wurden immer besser und mein Favorit war „Alle Fehler“. Der Song als Duett mit Joachim Witt wird auch die erste Singleauskopplung aus dem ersten Purwien Album „Eins“ sein.
Auch nach Purwien dauerte die Umbaupause nicht sehr lange und so konnte um 22:20 Uhr Mesh loslegen. Unerwartet wenige Zuschauer hatten den Weg ins Colos-Saal gefunden. Nachdem beim Konzert in der Batschkapp, diese so gut besucht war, dass es genau an der Grenze zur „Überfüllung“ war, hätte ich gestern mit deutlich mehr Besuchern gerechnet. Somit lichteten sich aber der Hallenmitte die Reihen, aber der Stimmung und der Party beim Konzert tat dies keinen Abbruch. Stattdessen konnte das Konzert ohne Drängeln und Schubsen tanzend genossen werden. Der bei den meisten Liedern treibende Beat ihres Synthipops macht es fast unmöglich, die Füße oder den Rest des Körpers ruhig zu halten.
Ihre Erfolge feiern Mesh vor allem in der Elektropop-Szene und somit war es auch gestern so, dass die Personen ohne schwarze Oberbekleidung auffielen. Dennoch hat die Band gerade durch die Mischung von Synthesizern und Gitarren und sehr schönen Melodien das Potential dazu, wesentlich massentauglicher zu sein und daher werden sie auch oft mit Depeche Mode verglichen.
Beim Konzert wurden alle Lieder ihres aktuellen Albums „We collide“ gespielt und das ganze wurde mit ein paar älteren Songs zu einer eindreiviertel Stunden währenden Konzertparty garniert. Bei einem Drittel der Lieder griff Sänger Mark Hockings, der wie immer seine Wollmütze trug, zu einer semiakustischen Gitarre und auch Keyboarder Richard Silverthorn nahm griff auch öfters zur Gitarre. Live lies sich kein Unterschied zum letzten Jahr feststellen als noch Neil Taylor in der Band war, denn auf der Bühne wurden sie von einem zweiten Keyboarder und einem Schlagzeuger unterstützt. Das nächste Album wird zeigen, inwieweit sein Ausstieg die Band beeinflussen wird. Gerade der Einsatz der (elektro-)akustischen Elemente wie Schlagzeug und Gitarre lässt einen Auftritt von Mesh eher wie Rockkonzert als ein „DJ-Set mit Gesang“ wirken.
Im Bereich der Lichttechnik kann sich eine manche Band, die in wesentlich größeren Hallen als Mesh unterwegs ist, eine Scheibe abscheiden. Fast während des gesamten Konzertes werden Motive oder Filme auf die Bühnenrückwand projiziert und untermalen die Songs. Das Bild bei „Room with a view“ erinnerte z.B. ein wenig an das Cover der Twin Peaks-DVD. Das einzige Manko an dem Konzert ist, dass diese Videoprojektionen teilweise nicht optimal sichtbar waren, was aber an der baulich bedingten Raumhöhe zwischen Bühnenboden und Decke lag.
Ein Highlight war auch der Abgang der Band nach der zweiten Zugabe. Als allerletztes Lied wurde „From this height“ von der „Friends like these“ Maxi gespielt. Nach dem ersten Teil des Songs verabschiedete sich Sänger Mark von der Bühne und die Übrigen Bandmitglieder legten sich noch einmal voll ins Zeug. Dieser Instrumentalteil erinnerte stark an den Remix des New Order Songs „Confusion“, der in der kultverdächtigen Blood Disco-Szene in „Blade“ gespielt wird. Bis auf das Blut wurde dieser Abgang ebenso frenetisch gefeiert wie im Film.
Apropos Film: Beim Konzert in Krefeld im Rahmen der Elektrisch!-Festival Tour werden Mesh den Auftritt aufnehmen, um ihn auf DVD zu veröffentlichen.
Setlist:
Intro/ Rest in pieces
Petrified
Self healing lie
This is what you wanted
People like me
Leave you nothing
Open up the ground
To be alive
Little missile
What are you scared of…?
Fragile
Room with a view
Step by step
Friends like these
I can't imagine how it hurts
Not prepared
My hands are tied
Crash
Can you mend hearts?
Zugabe #1:
Firefly (too fast and too short)
Confined
Zugabe #2:
It scares me
From this height


