Foto: Thomas SteinDUBLIN/FRANKFURT (tms) – Wozu braucht man überhaupt Coverbands? Von Gruppen, die aktuell noch aktiv sind, ist das natürlich wesentlich uninteressanter als von Bands, die es nicht mehr gibt und nicht mehr geben wird. „These Charming Men“ sind eine sehr populäre irische „The Smiths“ Coverband, die auch nur in Irland auftritt. Im Dezember war es das erste Mal, dass ich in Dublin war, wenn auch die Band dort spielte.
In diesem Jahr konnten wir über zwei Morrissey-Konzerte berichten und bei diesen wurde auch das eine oder andere Lied von „The Smiths“ gespielt. Bei „These Charming Men“ wird der Spieß herumgedreht: Die Lieder der Smiths werden zum Besten gegeben, aber auch die Hits der letzten beiden Morrissey-Alben durften auch nicht fehlen.
Die Illusion eine Konzertes von vor 20 Jahren sollte perfekt sein und mit den Worten „Hello, Charmers. We are The Smiths“ wurde das Publikum begrüßt. Natürlich hat Sänger Lee Brady nicht die unverwechselbare Stimme von Morrissey, aber gewisse Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen. Dazu kommt außerdem, dass versucht wurde, die Illusion perfekt zu machen: Er trug zu Beginn ein merkwürdig gemustertes Hemd, Sakko darüber und einen Blumenstrauß in der Gesäßtasche.
Stilecht wurde auch auf ein Funkmikrofon verzichtet, damit der Sänger mit dem Mikrofonkabel spielen konnte. Zur authentischen Show gehörte auch das Tanzen seit- und rückwärts, das viele Fans nur von Videos kennen. Sehr amüsant waren auch die Ansagen zwischen den Liedern wie z.B.: „This is our new single – ‚Ask’“.
Die Smiths habe ich leider nie „in concert“ gesehen und somit war es ein sehr schönes Erlebnis, diese Musik, die ich sonst nur von Schallplatte kannte, einmal live zu hören. Dazu trug auch Gitarrist Gavin Murphy bei, der es schaffte, den charakteristischen Stil von Johnny Marr 1:1 auf die Bühne zu übertragen. Wie auch schon beim Original waren Bassist und Schlagzeuger an der Show so gut wie gar nicht beteiligt.
Die Playlist entsprach einer Best-of-Compilation und Highlights. Ein Hit folgte auf den anderen und zwischendrin stellte sich die Frage, was noch alles kommen würde. Fast zwei Stunden dauerte die Reise in die Vergangenheit und Klassiker wie „Cemetry Gates“, „The Queen is dead“, „Sweet and tender hooligan“ oder „Bigmouth strikes again“ wurden bis ganz zum Schluss aufgehoben.
Entspannt wurde gefeiert, getanzt und (typisch in der Stadt der Pubs) getrunken. Auch wurden die Getränke nicht in Plastikbecher umgefüllt, sondern die Leute standen mit ihren Pint-Gläsern im Publikum. Statt Gläsern sind aber nur Blumen auf die Bühne geflogen. Der größte Aufreger für die Security an dem Abend war ein Fan, der die Bühne stürmte – was die Band weniger störte als das Sicherheitspersonal. Da hierzulande auch bei vielen kleineren Konzerten mittlerweile ein Presse- bzw. Securitygraben vor der Bühne ist, habe ich solche Szenen lange nicht mehr erlebt.
Wer also einmal in Irland im Urlaub ist und „These Charming Men“ gerade dort spielen, sollte hingehen und sich zwei Stunden lang in die Vergangenheit entführen lassen. Spaß pur.

