Saturday, 31. July 2010

Darmstadt, Centralstation, 19.12.2006
Marta Jandová von Die Happy  @ Darmstadt, Centralstation, 19.12.2006Foto: Thomas Stein

DARMSTADT/FRANKFURT (tms) – „Die Happy“ sind eine der rastlosesten Bands, die Deutschland zu bieten hat. Wenn sie gerade nicht auf Tour sind, dann entstehen neue Songs. Im Februar dieses Jahres gastierten sie noch mit „Bitter to better“ in der Centralstation und nur zehn Monate später und diversen Festival-Auftritten im Sommer kamen sie gestern mit dem neuen Album „No nuts no glory“ zurück nach Darmstadt.

Die sich selbst als "Scheisscombo" bezeichnende Eislinger Punkband "Itchy Poopzkid" heizte ein. Ungefähr 40 Minuten lang machten sie mit solidem Punkrock der Centralstation Feuer unterm Hintern. Sie versprühten viel Spaß auf der Bühne, machten Witze über sich selbst und der Tausch der Gitarren gehörte ebenfalls zum Programm. Über die Jahre hört und sieht man viele schlechte Vorgruppen, die beim Konzert mit Desinteresse gestraft werden. Nicht so bei den "Poopzkids": Hinter der dritten Reihe tanzte ein gutes Dutzend Pogo und beim Finale sprang die halbe Centralstation mit. Verabschiedet wurden sie mit lauten Zugabe-Rufen, doch diese wurden durch die eingeschaltete Hallenbeleuchtung unterbrochen.

Um 22:20 Uhr wurde es Zeit für „Die Happy“. Bei Music-is-Live ist dies der vierte Konzertbericht über die Band in diesem Jahr und somit darf erlaubt sein, dass heute mit einer Äußerlichkeit begonnen wird. Sängerin Marta Jandova, die normalerweise nur in Hosen zu sehen ist, stand überraschend im kurzen Rock auf der Bühne. In ihrer gewohnt sympathischen Art erklärte sie, dass der Rock mit extra zwei Gürteln fixiert wurde, aber trotzdem rutscht – nicht nach unten, sondern nach oben und es ihr egal sei. Dem Publikum auch. Außerdem sei das jetzt ihre persönliche Klimaanlage auf der Bühne sei.

Spannend ist bei jeder neuen Tournee die Frage, wie das neue Material live ankommt. Bei „Die Happy“ muss die Zusatzfrage gestellt werden: Bei welchen Songs wird mit dem Publikum gearbeitet? Bei den meisten Liedern wird das Mikrofon in Richtung Zuschauer gehalten, aber nicht jedes Mal mit konkreten Aufforderungen. Unerwartet war dies bei „Hello“ der Fall und dies ist ein schöner Moment, damit sich Band und Publikum musikalisch gegenseitig begrüßen können.

Die Setlist bestand aus fast allen Songs des neuen Albums „No nuts no glory“ und aus dem Archiv wurden hauptsächlich die altbewährten Live-Klassiker wie „Not hat kind of girl“ oder „Go for it“ gespielt. Im Tour-Tagebuch schreibt Gitarrist Thorsten Mewes „Darmstadt empfing uns herzlich und wir spielten eine sehr coole Show. Das Publikum war zwar etwas verhalten, aber sie sangen laut mit und waren mit uns – wir hatten Spaß.“ Wie viel man von der Bühne aus sieht, kann ich nicht beurteilen, aber aus Publikumssicht waren die Fans von der ersten Minute an voll bei der Sache.

Die Happy-Konzerte in der Centralstation sind immer etwas Besonderes. Auch Marta musste anmerken, dass hier die Konzerte immer irgendwie aus dem Ruder laufen würden. Zu dieser Aussage ließ sie sich verleiten, nachdem das Publikum lachte, als sie gar nichts sagte. Kurz darauf intonierten die männlichen Fans in Anlehnung an den bekannten Fußball-Song „So seh’n Sieger aus“ mit dem Text „Ich will ein Kind von Dir“, was zum Running Gag wurde.

Als weitere Gags kamen Vanilla Ices „Ice Ice Baby“ gerappt von Schlagzeuger Jürgen Stiehle, sowie Skater Thorsten, der mit dem neuen "Die Happy"-Skateboard über die Bühne rollte. Die Szene hatte etwas von der Muppet-Show, wenn ungefragt jemand durchs Bild läuft.

Zum Ende reihte sich ein Hit an den anderen. Eröffnet würde das Finale durch die aktuelle Single „The Ordinary Song“, die schon vorab bei den Konzerten im Sommer gut ankam. Neu war allerdings, dass das Lied beim Mitsingen in epischer Breite ausgeschöpft wurde. Ralphs Publikumsseite sang gegen Thorstens Seite um die Wette und Marta filmte das ganze Spektakel. Hoffentlich werden diese Aufnahmen irgendwann veröffentlicht.

Zum Ende der ersten Zugabe wurde der Klassiker schlechthin gespielt: „Speed, Speed, Speed, Speed, Speed, Speed“ – „Supersonic Speed“ ist die "Die Happy"-Ansage schlechthin. Die zweite Zugabe waren „Slow Day“ und „Goodbye“ und nach fast zwei Stunden Konzert war (das hängt wochentags von der Betrachtungsweise ab) schon oder endlich Feierabend. Einige Zuschauer verließen noch während der Zugaben die Centralstation, das lag aber weniger den Live-Qualitäten der Band, sondern an den ab 24 Uhr schlechter werdenenden Heimreisemöglichkeiten mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Von daher wäre es keine schlechte Idee, den Ablauf um eine Stunde nach vorne zu verlegen.

Abschließend möchte ich noch einmal Thorsten aus dem Tourtagebuch zitieren: „Darmstadt war auch dieses Mal wieder super und wir kommen sicher bald wieder.“ Das plus Martas Statement, dass Darmstadt unbedingt eine Station der für 2007 geplanten neuen Unplugged-Tour werden müsse, lässt die Vorfreude auf das nächste Jahr steigern. Außerdem sind es nur noch drei Monate bis zum nächsten Konzert der Band in der Region. Bis zum nächsten Mal… wir freuen uns darauf.

Setlist:
1. Addictive
2. You cry
3. Not that kind of girl
4. Cherry girl
5. None of your business
6. Whatever
7. Stay as you are
8. Leaving you
9. Go for it
10. Like a flower
11. Extraordinary me
12. Hello
13. Breathing
14. Ice, Ice, Baby
15. Attitude
16. Blood cell traffic jam
17. Gimme, gimme
18. Big boy
19. The ordinary song (Zugabe #1)
20. Supersonic Speed (Zugabe #1)
21. Slow day (Zugabe #2)
22. Goodbye (Zugabe #2)

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