Foto: Thomas SteinFRANKFURT (tms) – Steven Patrick Morrissey eröffnete gestern Abend in der Frankfurter Jahrhunderthalle die Deutschlandkonzerte seiner „Tour Mondiale 2006“ und wurde von den 3.000 Fans begeistert gefeiert. Polarisieren konnte der exzentrische Sänger mit seiner unverwechselbaren Stimme schon immer, aber die Anwesenden waren eindeutig Pro-Mozza.
Stilvoll sollte es zugehen: Während der Umbaupause von Kristeen Young zu Morrissey wurden Videos von Grand Prix d’Eurovision Auftritten, James Dean und den New York Dolls auf den Vorhang projiziert. Die Bühnenrückwand zierte eine Foto des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini, der in Anlehnung ans das Lied „You have killed me“ vor einem Hügel mit einem Kreuz posiert, und dazu war die Band mit weißen Hemden samt Fliege ausstaffiert. Es passte alles in den 60er-Jahre Retro-Look.
Im Vergleich zum Konzert im Frühjahr in Amsterdam verzichtet Morrissey auf das Sakko, sondern erschien um kurz nach 21 Uhr in schwarzem Hemd mit blauer Krawatte auf der Bühne. Er mimt und verkörpert den klassischen Entertainer und das Spielen mit dem Mikrofonkabel gehört zu seiner Show wie Fische ins Wasser, ohne dass sein Gehabe aufgesetzt oder als Marketing-Masche wirkte.
Der The Smiths-Klassiker „Panic“ eröffnete das Konzert und darauf folgte mit „First of the gang to die“ eine der Single-Auskopplungen aus seinem 2004er Comeback-Album „You are the quarry“. Zwischen den Liedern beugte er sich zum Publikum und reichte den Fans seine Hand. Ehrfürchtig wie Katholiken den Papst berührten sie ihn und er kostete diese Momente sichtlich aus.
Erst ist zwar nicht Gott oder dessen Vertreter, aber wenn der NME in 2004 ihn zum „Most Influential Artist Ever“ kürte, dann könnte man ihn als Messias der Rock- bzw. Popmusik bezeichnen. Dazu kommt noch, dass er derzeit in England zusammen mit Paul McCartney und Sir David Attenborough zu den drei Finalisten der BBC Show auf der Suche nach „Britain's greatest, living, cultural icon“ gehört. Während des Konzertes verriet er, dass er knapp gegen Sir Attenborough verloren hat. Für die Jünger in der Jahrhunderthalle war Mozza der Sieger des Abends.
Foto: Thomas SteinMit dem Ablegen der Krawatte wurde es legerer, aber mit „The youngest was the most loved“ und „You have killed me“ blieb es ziemlich rockig. Vor „Irish Blood, English Heart“ wechselte er in ein helles Hemd und kurz darauf folgte schon mit „Girlfriend in a coma“ ein Hit des letzten Smiths-Albums „Strangeways, here we come“.
Fast schon pantomimisch begleitete er seinen Solo-Hit „Everyday is like Sunday“, bei dem er meisterhaft und komödiantisch Probleme mit seinem Mikrofon überspielte. Exzentrisch wie er nun mal ist, schwang er eine Rede, dass alles was er macht oder auch nicht macht, sei einfach „not enough“. Zum Trost bekam er aus dem Publikum eine Zigarre geschenkt, die er nach kurzem Beschnuppern als „Cheap“ einstufte.
Nach „Let me kiss you“ sprach er mit dem Publikum ganz offen über den Erfolg bzw. Misserfolg der Deutschlandtournee. Jede zukünftige Station sprach er an und gab den Stand des Vorverkaufs durch. Überall läuft es ganz gut, nur in München scheint es sehr schleppend zu sein. Abschließend fragte er das Publikum, was man dagegen machen könne? Natürlich hatten wir keine Antwort auf diese Frage, aber in Frankfurt wurde ihm ein gelungener Tourstart beschert.
Zum Schluss muss noch ein weiterer Vergleich mit dem Konzert in Amsterdam im Frühjahr folgen: Gegenüber damals hat sich die Spielzeit um eine gute halbe Stunde verlängert und somit kann man sich bei den aktuellen Konzerten ca. 105 Minuten an seiner Musik und Stimme erfreuen.

Weitere Tourdaten:
13.12.2006 München (Zenith)
15.12.2006 Düsseldorf (Philipshalle)
17.12.2006 Berlin (Arena Treptow)
18.12.2006 Hamburg (Color Line Arena)
Line-Up:
Morrissey (Gesang)
Alain Whyte (Gitarre)
Boz Boorer (Gitarre)
Jesse Tobias (Gitarre)
Gary Day (Bass)
Mikey V. Farrell (Keyboards)
Matt Walker (Schlagzeug)

Setlist:
01. Panic
02. The first of the gang to die
03. The youngest was the most loved
04. You have killed me
05. Disappointed
06. Ganglord
07. I'll never be anybody's hero
08. To me you are a work of art
09. Irish blood, English heart
10. I will see you in far off places
11. Girlfriend in a coma
12. Everyday is like sunday
13. In the future when all's well
14. I've changed my plea to guilty
15. Let me kiss you
16. The national front disco
17. Dear God, please help me
18. How soon is now?
19. I just want to see the boy happy
20. Life's a pigsty
21. Please, please, please, let me get what I want (Zugabe)
22. Don't make fun of daddy's voice (Zugabe)

