Nach Berlin kamen Evanescence nach Köln, um dort ein kurzes – zu kurzes – Hitfeuerwerk zu zünden. Ohne Einlaufmusik tauchte die Band um kurz nach 21 Uhr aus dem Nebel auf und sofort schob sich eine Wand aus harten Gitarrenklängen durch das ausverkaufte Palladium. Wie auf Kommando wurden im Takt die „Pommesgabeln“ von Anfang an bis in die hinteren Reihen und auf der Galerie der Bühne entgegengestreckt.
Während die Saiteninstrumentenspieler recht statisch auf ihren Positionen verharrten und in typischer Wave-Marnier den Ausfallschritt nach vorne vollführten, schoss Sängerin Amy Lee energiegeladen über die gesamt Bühne – schüttelte ihre Po-langen Haare, krümmte sich bis fast auf den Fußboden und verlieh ihrem epischen Gesang die dazugehörige Intensität.
Mit Lichteffekten wurde nicht gegeizt und so lag die Bühne ständig in einem Meer von Lichtstrahlen, die mit Stroboskopeffekten aus den Audience-Blindern durchsetzt waren. Als drittes Lied spielten sie schon ihre Top20-Single „Going under“ und das textsichere Publikum wurde das erste Mal zum Mitsingen animiert.
Viel wurde zwischen den Songs nicht gesagt, so dass fast die komplette erste Konzerthälfte mit einem rockigen Song nach dem anderen wie im Fluge vorüber ging. Zur kommenden Single „Lithium“ wurde ein Flügel auf die Bühne gebracht und Amy machte alleine weiter. Somit gab es für den Rest der Band und das Publikum eine kurze Verschnaufpause. Diese währte aber nur eineinhalb Lieder und zur aktuellen Single „Call me when you’re sober“ wurde wieder kräftig abgerockt. Nicht genug der Hits, denn kurz darauf folgte schon die bis dato erfolgreichste Evanescence Single „Bring me to life“ und auch hier konnte sich Amy Lee Gesangspausen erlauben, denn das Publikum übernahm diese Aufgabe mühelos für sie.
Die Zugabe begann erneut mit Amy Lee am Flügel und der Ballade „My Immortal“. In der gesamten Halle war es mucksmäuschenstill – man hätte die sprichwörtliche Nadel fallen hören können. Mit „All that I’m living for“ wurde dann nach knapp 70 Minuten Konzert die Menge schon wieder nach Hause entlassen.
Wenn man bedenkt, dass die Band gerade mit ihrem zweiten Album auf Tour ist und sie noch Hits wie „Everybody's Fool“ im Repertoire haben und nur etwas mehr als die Hälfte der Songs von „The Open Door“ gespielt wurden, dann war die Spielzeit sehr enttäuschend. Die Performance an sich und der Sound in Palladium waren gut, auch wenn die baulichen Begebenheiten der Halle für die Zuschauerzahl etwas ungünstig sind.
Setlist:
1. Sweet Sacrifice
2. Weight of the World
3. Going Under
4. The Only One
5. Haunted
6. Whisper
7. Lithium
8. Good Enough
9. Call Me When You're Sober
10. Imaginary
11. Bring Me To Life
12. Lacrymosa
13. My Immortal (Zugabe)
14. All That I'm Living For (Zugabe)

