Foto: Thomas HageleitMAINZ (th) - Wie kann man als Nicht-Silbermond-Fan einen Konzertbericht über ein Silbermond-Konzert anfangen? Vielleicht so: Silbermond haben gerockt. Definitiv. Da gibt es nichts dran zu rütteln.
Silbermond sind die Meister der großen und kleinen Gesten, die man sofort versteht. Der Mitt-Vierziger in der Mitte der Halle mit seiner Frau, die Teenies vorne, die zwischen "Thoommmaaaass" und "Nooowwiiiii"-Rufen hin und wieder auch der Musik zuhören und den Gesten Aufmerksamkeit widmen, aber auch den Leuten dazwischen, die sich fest vorgenommen haben, einen wunderschönen Abend zu erleben. Jeder von Ihnen wird am Ende mindestens eine Stelle im Konzert nennen können, die für ihn selbst die allerschönste Stelle war. Für mich war das "Meer sein" – ich mag dieses Lied.
Die Show fing schon mit einer Geste an. "Laut gedacht in…" wurde auf den weißen Vorhang projeziert gefolgt von einem Foto der Monde auf der Theodor-Heuss-Brücke in Mainz stehend und gehend – im Hintergrund der Landtag, das Schloss und – gut zu erkennen – das gelbe Stadt-Schild von Mainz. Das ist eine so unglaublich einfache und wirklich gute Idee, dass man lauthals losjubeln will. Prompt sind selbst die letzten Zweifler Freunde und legen all ihre Barrieren ab. Silbermond sind jetzt in Mainz, und sie sind unsere Freunde (im Grunde ist das die Weiterführung des Stadtnamen-auf-den-Arm-schreiben-Gedankens – Chapeau!).
Silbermond verstehen es, das Publikum immer wieder anzuregen, seine Hände in die Höhe zu nehmen, mitzuklatschen, mitzusingen. Die große Show vermittelt viel Liebe zur "Improvisation", wenn hier und da im Text mal "Mainz" geschrien wird, oder "das Lied mit einem Akkord" dann lustigerweise am Ende doch noch einen Verspieler drin hat (wofür der Schlagzeuger aber extra aufs Griffbrett schauen muss, um auch wirklich einen falschen Akkord zu spielen) und er lachend zugibt "…mit fast nur einem Akkord". Das wirkt menschlich, solch ein Verspieler könnte jedem mal passieren, ein Typ wie du und ich. Wenn nach Zugaberufen diese gleiche Szene haargenau nochmal so passiert, wirkt es plötzlich undurchdacht, auf jeden Fall aber sehr verwirrend. Nur auf mich? Mag sein. Nobody's perfect.
Sicher, sich die Backe abzuwischen nach "Durch die Nacht", einem Lied, das den Monden nach eigenen Angaben sehr viel bedeutet, ist eine große Geste, die das Publikum mit tosendem Applaus beantwortet. Und nur ein wirklich böser Mensch würde hier Kalkül unterstellen. Wir Normalbürger freuen uns ob so abgrundtief ehrlicher Emotionen, die da von der Bühne schwappen und geben Sie wieder zurück auf die Bühne. Ein Wechselspiel ohne Verlierer.
Es gibt noch so viel Gutes zu berichten: Die Halle war voll, die Leute haben getobt, sind gesprungen, gehüpft, haben Feuerzeuge auf Kommando in die Höhe gestreckt, ein sehr kraftvoller Sound gepaart mit einer aufwändigen Lichtshow – Projektionen, die hier und da mal zu erkennen waren, mal ein Auge, mal weiße Punkte… Alles in allem gibt es – objektiv betrachtet – nicht viel zu kritisieren. Jeder, der sich den Monden öffnete und alles gab, hat es mehrfach zurückbekommen. Die Monde, die uns wirklich alles gaben, haben es ebenfalls tausendfach zurückgekriegt. Band und Fans werden an diesem Abend glücklich ins Bett gefallen sein und sich auf ein neues Zusammentreffen von Mainzer Fans und Silbermonden freuen. 2007, 2008? Wer weiß. Stattfinden wird es in jedem Fall. Daran lässt dieser Abend keinen Zweifel.
Setlist:
1. Das Ende vom Kreis
2. Meer sein
3. A Stückl heile Welt
4. In Zeiten wie diesen
5. Lebenszeichen
6. Durch die Nacht
7. Kartenhaus
8. Nein danke
9. Zeit für Optimisten
10. Schick LOVE
11. Das Lied mit nur einem Akkord
12. Verschwende deine Zeit
13. Symphonie
14. Wissen was wird
15. Unendlich
Zugabe:
16. Bruderduell
17. Wenn die Anderen
18. Das Beste
19. Ich wünsch dir was


