Wednesday, 10. March 2010

Frankfurt, Alte Oper, 28.10.2006
PASS Late Year Benefiz 2006 @ Frankfurt, Alte Oper, 28.10.2006Foto: Thomas Stein

FRANKFURT (tms) – Unter dem Motto „Hessen unerhört“ fand gestern Abend in der Frankfurter Alten Oper das PASS Late Year Benefiz 2006 statt. Vornehmlich Künstler aus der Rhein-Main-Region sorgten an diesem außergewöhnlichen Abend dafür, dass insgesamt 20.000 € bedürftigen Kindern in der Region zu Gute kamen.

Zum vierten Mal seit 2003 fand dieses Benefizkonzert statt und stand in diesem Jahr unter dem Motto „Hessen unerhört“ ganz im Zeichen von „Musik aus Rhein-Main“. Das Konzerte bewies eindrucksvoll, dass die Region ein so breites musikalisches Spektrum beheimatet, so dass es keiner internationalen Größen bedarf, um ein sehr abwechselungsreiches Programm auf die Beine zu stellen.

Eröffnet wurde der Abend von der "Funky Style Coalition", die fester Bestandteil des PASS Late Year Benefits sind und mit zwölf Vollblutmusikern „Funk vom Feinsten“ spielen. Die Lead-Gitarre spielte Gerhard Rienecker, Vorsitzender der Geschäftsleitung der PASS Consulting Group. Seine Liebe zur Musik ist bestimmt auch ein Grund, warum es diese Veranstaltung überhaupt gibt – uns Musikfans soll es Recht sein.

Nach nur einem Lied betrat der Conferencier des Abends Olaf Mill die Bühne. Der Entertainer, Komiker, Musiker und Schauspieler könnte dem einen oder anderen noch in seiner Funktion als Frontmann der Band „Flatsch“, der „Groben Junggesellen“ oder Badesalz bekannt vorkommen. Vor diesem Hintergrund war es nicht verwunderlich, dass er umgehend mit der „Ich mag’ kein Handkäs’“-Persiflage auf den Boomtown Rats Klassiker „I don’t like mondays“ glänzte.

Newcomer findet man üblicherweise im Vorprogramm. Da es an diesem Abend kein Vorprogramm gab, begann Sebastian Hämer den Abend nach der zuvor beschriebenen Einleitung. Begleitet vom Omnia String Orchestra gab der neueste Spross der 3p-Famillie seinen Sommerhit „Sommer unseres Lebens“ zum Besten. Leider sang er im Anschluss nur noch seine aktuelle Single „Nur mit Dir“. Dieser Soulstimme, die gerne mit Xavier Naidoo verglichen wird, hätte man gerne länger zugehört. Das ist dann wohl der Preis des Newcomers.

Im folgenden Abschnitt begleitete die „Funky Style Coalition“ Ron Williams, Schauspieler und Entertainer aber auch Soul-Sänger von internationalem Format . Auf die Bühne führte ihn Bonita – einigen bekannt aus der "TV Total"-Kampagne SSDSGPS – im Steve Wonder-Stil. Im Laufe des Abends hat sich die Augenweide auf jeden Fall in die Herzen der Zuschauer gesungen. Zum Abschluss dieser aus drei Songs bestehenden Darbietung gab es den Joe Cocker-Klassiker „Unchain my heart“, der die Sympathien des Publikums garantierte.

Nun wurde es Zeit für Deutschlands erfolgreichste Rapperin: Sabrina Setlur. Für die gebürtige Frankfurterin war es ein Traum in der ehrwürdigen Alten Oper auf der Bühne zu stehen. Leider sang sie nur drei Lieder. Ihr Set begann mit ihrer letzten Single „Baby“, im Anschluss gab sie „Liebe“ – ihrem Beitrag zum Grand Prix-Eurovisionsvorentscheid. Ihren größten Hit „Du liebst mich nicht“ sang sie erklärtermaßen nicht aufs Publikum bezogen. Auch sie wurde vom Omnia String Orchestra begleitet und es war schön, die Songs mit einem richtigen Orchester begleitet zu hören, da Moses Pelham und Martin Haas bei ihren Studioproduktionen ebenfalls gerne Streicherklänge einsetzen. Dieses Mal aber eben nicht aus dem Sampler sondern „live on stage“. Nach diesem kurzen Auftritt steigt auf jeden Fall die Vorfreude auf ihr neues Album, das in 2007 erscheinen soll. Sie hat zumindest versprochen, dass wir sie nicht los sind.

Durch die persönliche Verbindung des Veranstalters zur Funk-Musik wurde es vor der Pause wieder Zeit für die „Funky Style Coalition“. Im Rahmen des ungefähr halbstündigen Sets kam das Publikum in den Genuss genau des Liedes, das der ursprüngliche Sänger George Michael bei seinem Konzert am vergangenen Mittwoch in Frankfurt nicht gespielt hatte: „Papa was a Rolling Stone“. Am heutigen Abend waren Ron Williams und Ron White die Sänger. Komödiantisch prüfte Ron Williams, ob er sich gewaschen hat, da er offensichtlich eine andere Hautfarbe als die Rolling Stones hat. Die übrigen Lieder dieses Abschnittes sangen Ron White und Bonita, beide präsentierten sich dabei als erstklassige Vokalartisten .

Nach diesen ersten zwei Stunden des Abends gab es eine wohlverdiente Pause von 30 Minuten. „Ur-Hessisch“ sollte es im Folgenden weitergehen: Henni Nachtsheim mit Band. Der eine Teil von Badesalz und Ex-Mitglied der Rodgau Monotones glänzte neben der Musik mit humoristischen Einlagen vor und zwischen den Songs. Da sein Solo-Album in Zusammenarbeit mit Ali Neander entstanden ist, wurde solide Rock-Musik präsentiert, die mit Violinenelementen aus dem Irish-Folk garniert war. Allein seine Ansagen brachten das Publikum eins ums andere Mal zum Lachen und den Abschluss seines Auftritts bildete seine Hymne für die Frankfurt Lions. Es fällt zwar schwer, sich die Alte Oper als Eissporthalle vorzustellen – der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch.

Wenn der ganze Abend unter dem Hauptthema Hessen stand, zu denen Matthias Beltz einst sagte, dass ihr größter Nachteil ist, dass sie nur von Deutschen umringt sind, dann durfte die wahrscheinlich hessischste Band Hessens nicht fehlen: Die Rodgau Monotones.

Auch sie wurden vom Omnia String Orchestra begleitet, doch die Band an sich war bis dato am lautesten, so dass leider von dem Orchester bis auf bei „Ganz egal“ kaum etwas zu hören war. Ansonsten gaben sie ihre Gossenhauer „Ei gude wie“, „St. Tropez am Baggersee“ zum Besten. Für „Mein Freund Harvey“ musste an solch einem Abend selbstverständlich das Ex-Mitglied Henni Nachtsheim reaktiviert werden.

Dank der Aufforderung durch Kerstin Pfau musste sich das Publikum zu „Frag mich nett“ aus seinen Sitzen erheben. Solch ein Lied eignet sich auch nicht dazu, dies im Sitzen zu erleben. Einigen Leuten merkte man die Erleichterung sichtlich an, dass sie sich endlich zur Musik mehr Bewegungsfreiraum hatten. Nachdem das Eis gebrochen war, durfte die Hymne schlechthin – „Erbarme, die Hessen kommen“ – nicht fehlen. Auch wenn viele bei typischen Frankfurter-Witzen an diesem Abend scheinbar nicht allzu gut mit der Frankfurter Kulturgeschichte vertraut waren – bei diesem Lied konnte das Publikum die erste Strophe vollständig mitsingen. Den krönenden Abschluss des Monotones-Set bildete „Volle Lotte“.

Nach dieser Kür folgte noch einmal die Pflicht. Zum einen wurden die Gewinner der Tombola gezogen und zum anderen wurden Schecks an die beiden Kinder-Hilfsorganisationen überreicht.

Zum „Grande Finale“ versammelten sich noch einmal alle Musiker des Abends auf der Bühne, und die „Funky Style Coalition“ mit Bonita als Sängerin spielten auf. Nach nur einer Strophe von „Music was my first love“ verabschiedeten sich alle nichtaktiven Akteure von der Bühne. Da auch die Beleuchtung eingeschaltet wurde, entpuppte sich das Lied als „Auslaufmusik“ für Künstler und Publikum.

Bei solch einem Line-Up wäre zu wünschen gewesen, dass das wirklich alle Künstler an diesem Lied in einer 5-10 Minuten-Version mitgewirkt hätte, aber über was will man sich nach dreieinhalb Stunden fantastischer Musik beschweren: Ein wenig Gejammer auf hohem Niveau ist immer im Rahmen der Möglichkeiten, aber eigentlich war es ein perfekter, gelungener Abend.

Vielen Dank an die PASS Consulting Group, dass in Frankfurt solch eine Veranstaltung stattfinden konnte und dass dieses Jahr der Fokus auf den lokalen Künstlern lag. Die Region hat halt mehr zu bieten als Banken und den Flughafen.

Der Erlös der Veranstaltung und Tombola wurde zu gleichen Teilen an das Frankfurter Kinderbüro und das Kinderheim Aschaffenburg übergeben. Beide Projekte helfen Kindern, deren „Eltern nicht in der Lage sind, sich zuverlässig um sie zu kümmern“. Sie wollen so „Straßenkinderkarrieren“ verhindern. Mit dem "Late Year Benefiz" engagiert sich die PASS Consulting Group im kulturellen, sozialen und humanitären Bereich und kommt der gegenseitigen Verpflichtung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft nach.

Schreibe einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>