Foto: Steffen GieringHANNOVER (mop) – Bei bescheidenen 20°C am lauen Donnerstagabend stand an der roten Ampel vorm Schwarzen Bär ein Kleinbus, gefüllt mit alternativen Jugendlichen. Doch was da aus dem Kleinbus dröhnte, machte schon ein wenig Angst. Da sangen die doch glattweg über die Verabschiedung der Logik. Ist die Jugend denn jetzt völlig durch den Wind?
Nun gut, die Passanten in gediegenem Alter denken sich ihren Teil und gehen kopfschüttelnd weiter.
Doch der eingefleischte Musikliebhaber kennt den Text natürlich. Klar, das waren diese 5 Jungen aus den Wendland, diese Atomkraftgegner, wie hießen sie denn nur!?
Klar, da kann es nur eine Band geben. Wenn dann auch noch hunderte Jugendliche, mit dem Therapeuten an der Hand, durch Hannover flitzen, ist es wieder soweit.
Madsen ist in der Stadt und will die nächste Location stürmen. Im vergangenem Jahr eroberten sie ja bereits das Musikzentrum und in der AWD Hall rockten sie als Support von Wir sind Helden.
Also rein in die kuschelig warme Location im Herzen der Stadt an der Leine. Im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Captiol drangen peinliche Stimmen aus den Boxen.
Ein wenig erinnerte das "seid ihr alle da, seid ihr gut drauf" -gequatsche an den Typen vom Autoscooter des Rummels gegenüber.
Aber die Freunde des gepflegten Musikgenres machten den kleinen Spaß mit und wussten ja, dass sie diese Einlage leider nicht umgehen konnten. "Hier sind für Euch Maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaadsen…" schallte es durch die Location und das Licht dimmte sich in ein dunkles Blau. Fünf Leute kamen auf die Bühne – mit der Ankündigung "Vielleicht" schmettert man auch schon los.
Unglaublich, wo andere Bands einige Lieder brauchen, die Massen in Fahrt zu bringen, steht das Publikum schon beim ersten Ton nicht mehr still.
Na das vermag ja ein heißer Abend zu werden. Der Fotograben war gut gefüllt, die Mädchen der ersten Reihe brachten meine Ohren zum Glühen und die Band gab alles.
Ein Blick aus dem Graben auf die Setlist versprach eine Party, die ihresgleichen suchen könnte. Und so war mit Vielleicht, Ein Sturm, Immer mehr und Goodbye Logik bereits ein Brett an die Wand genagelt, wo man im Tanzkreis der Masse ganz schön außer Atem kommen konnte. Bei "diese Kinder" war es dann soweit, dass der Schweiß von der Decke tropfte. Es gab einfach kein Halten mehr, das Set wurde durchgerissen – so wie die Leute es wollten – ohne Gnade wurde alles durchgerockt.
Sebastian Madsen bedankte sich leicht schüchtern nach jedem Song beim Publikum. Doch so schüchtern waren die Klänge die dort von der Bühne kamen nicht.
Vielleicht wollte Johannes Madsen es ja auch deswegen wagen. Er ließ sich von der Masse mitreißen und legte, während die Anderen spielten, seine Gitarre ab. Er nahm Anlauf, sprang von der Bühne ab, überflog den Pressegraben, flog über die Absperrung und hoffte dass die Masse ihn fängt und durchträgt. Doch nichts war, Platz hatte man gemacht, er landete auf dem harten Boden und verletzte sich dabei auch an der Hand.
Die Securities schienen nicht mitbekommen zu haben, dass er zur Band gehört und wollten ihn nicht wieder auf die Bühne lassen. Das wirkte leicht unprofessionell von den Sicherheitskräften. Als er es dann doch wieder auf die Bühne schaffte, sagte er nach dem Song im charmanten Hamburger Dialekt "das mit dem Fangen üben wir aber nochmal, nech…". Jenes war aber auch das Einzige, was man an diesem Abend noch üben musste. Denn stimmungsmäßig toppte das Konzert die bisherigen Hannoverbesuche der Musiker um Frontmann Sebastian.
Das Set war durchgespielt, die Band verabschiedete sich, ging von der Bühne, das Publikum bekam einfach nicht genug Madsen. Als Lohn für das Schreien haute Madsen noch 3 weitere Songs rein.
Was bleibt nach 15 Songs, 2 Liter Schweiß, 3 Bier und 14 blauen Flecken noch zu sagen? – Danke Madsen so macht selbst das Arbeiten Spaß.
Setlist:
Vielleicht
Ein Sturm
Immer mehr
Goodbye Logik
Der Moment
Diese Kinder
Du schreibst Geschichte
Warum nicht jetzt
Unsichtbar
Euphorie
Mein Therapeut und ich
Die Perfektion
Ich komme nicht mit
Panik
Rette die Welt

