Foto: Thomas SteinDARMSTADT (tms) – Mit „Zwischen Himmel und Erde“ der Kölner Band Klee steht seit August die dritte „schrille Rille“ – O-Ton Sängerin Suzie – in den Plattenläden. Zeitlich passend starteten sie gestern in der Centralstation in Darmstadt ihre gleichnamige Tour. Was liegt zwischen Himmel und Erde? Luft. Zwei Stunden lang präsentierten Sie ihre luftig-leichten Pop-Songs, die mitunter zum Träumen einluden und wenig Platz für Schwermut ließen.
Ebenso unterhaltsam wie die Musik an sich waren an diesem speziellen Abend auch die verbalen Einlagen zwischen den Songs. Die Band schien sich in Darmstadt sehr heimisch zu fühlen. Sängerin Suzie Kerstgens bekundete während des Konzertes, dass es in der Centralstation fast wie im Wohnzimmer sei. Daher wurde zwischen den Songs innerhalb der Band und mit dem rund vierhundertköpfigen Publikum in familiärer Atmosphäre diskutiert, dass die Pausen länger waren als mancher Song und zwangsläufig die rhetorische Frage „Habt ihr genügend Zeit mitgebracht?“ folgen musste.
An „Zu anderen Ufern“ und der aktuellen Single „Die Stadt“ schloss sich die erste längere Rede an. Es wurde der 6:0 Zwischenstand des EM-Qualifikationsspiels zwischen Deutschland und San Marino durchgegeben und das Verhältnis von Fußball und Populärmusik mit dem zwischen Pfeffer und Salz verglichen. Das Stichwort „Salz“ brachte Suzie noch dazu ein Märchen zu erzählen, das wiederum die grandiose Überleitung zum Thema „Liebe“ und dem nächsten Song „Tausendfach“ war.
Vor „Mit Deinen Augen“ wurde das Publikum durch den Begriff „Idötzchen“ verwirrt, da dieser im südhessischen Sprachgebrauch nicht verankert ist. Abhilfe schuf die Erklärung "ABC-Schütze" und es folgte die Live-Premiere von „Mit Deinen Augen“ vor einem Publikum. Als Dankeschön für den gelungenen Einstand wurde eine Schultüte an das Publikum verschenkt.
Spätestens jetzt war klar, dass wer sich so offen, ehrlich, ungestellt und unverkrampft auf der Bühne präsentiert, dem ist die Sympathie des Publikums sicher und das sind die besten Voraussetzungen für einem gemeinsamen schönen Abend. Nachdem die Sängerin Suzie nun warm gesungen hatte, entledigte sie sich auch ihres Kleides bzw. überlangen Pullovers, um sich im schulterfreien Strech-Outfit zu präsentieren. Was ihr "am-Mikrofon-hängen" lasziver machte, als es vorher schon war.
Nachdem die vorherigen Überleitungen in fast endlose Geschichten ausarteten und man Ansgt hatte, dass sich Suzie im Mikrokabel verfängt, reduzierte sich diese zwischen „Zwei Fragen“ und „Unsere Liebe“ auf die eine ironische Frage: „Spielen wir noch mal, heute?“ Zum Song „Lichtstrahl“ passend bestand die Bühnenbeleuchtung über weite Teile des Liedes nur aus zwei Handstrahlern, deren Lichtstrahlen Suzie durch die Halle gleiten ließ.
Die Geschichten zwischen den Songs wurden zwar in der zweiten Konzerthälfte weniger, aber waren nicht minder lustig. Zwischen „Dieser Fehler“ und „Nicht immer aber jetzt“ legte sich Suzie mit dem Rücken auf die Bühne und hielt sich bei der Ansage das Mikrophon mit den Füßen über den Kopf. Diese Aktion war als Protest geplant, da ihr für das folgende Lied eine Windmaschine verwehrt wurde. Bevor das Lied aber beginnen konnte, forderte sie einen Fan aus dem Publikum zu einem Bierjungen heraus, den sie zur Freude aller gewann.
Vor „Über mir die Sterne“, das das letzte Lied vor der Zugabe war, wurde in der Zwischensequenz ausführlich das Leben auf Tour und Tourbus thematisiert, so dass kaum Fragen offen blieben und die Fantasie durch die Vorstellung von „Suzie mit 14 Männern“ angeregt wurde.
Während der Zugabe wurde auf Wunsch des Publikums kundenfreundlich die geplante Playlist geändert und „Erinner Dich“ aufgenommen. Diesen Song bezeichnete Suzie als Wurm-Version, da sie beide Arme in ihr bereits beschriebenes Oberteil steckte. Begleitend dazu erklärte sie, dass über solche Aktionen in den Medien berichtet werden würde, da Klee „niemandem weh tun würden“.
Richtig, Klee tut niemandem weh, aber dafür versüßen sie einem den Abend mit wunderschönen Melodien, geistreichen Texten und einem Gefühl von Leichtigkeit. Genau die richtige Mischung, um die Alltagssorgen hinter sich zu lassen. Wie es sich für Konzerte gehört, präsentierten sie ihre Lieder nicht ganz so brav und glatt wie auf den Tonträgern, sondern die Gitarren werden etwas rauer gespielt und auch das Schlagzeug kommt wesentlich druckvoller rüber. Im Küchenjargon würde man sagen, dass es Pop mit einer Brise Rock war.
Nach der ca. zweistündigen Show, deren musikalische Nettoleistung bei ca. 75 Minuten lag, wurde um Mitternacht das Publikum glücklich in die Nacht entlassen. Direkt nach dem Abpfiff standen Teile der Band auch schon am Merchandise-Stand zum persönlichen Gespräch bereit.


