Saturday, 31. July 2010

Hockenheim, Hockenheimring, 12.08.2006

FRANKFURT (tms) – Im Rahmen seiner Welttournee begeisterte am Samstag der englische Sänger und Entertainer Robbie Williams auf dem Hockenheimring beim ersten seiner beiden Konzerte gut 90.000 Fans. Das bunt gemischte Publikum bekam eine, im wahrsten Sinne des Wortes, große Show geliefert – 110 Minuten Unterhaltung pur.

1,6 Millionen verkaufte Tickets an nur einem Tag für seine Europatournee bescherten Robbie Williams einen Eintrag im „Guinness Buch der Rekorde“. Deutschland war mit den 13 Konzerten nicht unerheblich an diesem Erfolg beteiligt und somit gab er sich Mühe, seine Deutschkenntnisse, vor allem aus der Fäkalsprache, bei jeder Gelegenheit anzubringen. Sein Lieblingswort des Abends war „Scheiße“, dass er auch vom Publikum kollektiv brüllen ließ, sowie sein seit Jahren verwendeter Lieblingsspruch: „Alles fit im Schritt!“ mit der dazugehörigen Geste.

Auch andere Sprüche waren einstudiert, doch bemerkenswert war die Erkenntnis von Robbie Williams, dass er von der Kulisse der von den Besucherzahlen größten Veranstaltung beeindruckt war und einräumte, dass er nicht sagen kann, dass es so etwas noch einmal geben würde. Von daher sei er froh, dass er in Zukunft behaupten kann: „I did it.“ Diese selbstherrliche Art kennt man bei ihm und genau solche überheblichen Texte erwartet man schließlich auch. Image ist alles.

Kurz vor Beginn der Show unterhielt sich das Publikum ein wenig selbst und ließ auf der Tribüne mehrere La Olas entlang wandern und stimmte sich auf den Auftritt ein. Der Zeremonienmeister erschien zum Auftakt der Show unterstützt von Flammen und einigen Raketen auf einem verlängerten Bühnenteil inmitten des Publikums und eröffnete den Abend mit „Radio“. Während „Rock DJ“ trug er eine Deutschlandfahne mit sich herum, die später dekorativ über den Mikrofonständer gehängt wurde. Nachdem er sich warmgesungen und warmgetanzt hatte, warf er sein nun überflüssiges rotes Halstuch als kleines Gastgeschenk ins Publikum.

Zum Mitsingen wurde das Publikum das erste Mal bei „Tripping“ aufgefordert, doch die Beteiligung war nicht lautstark, wie zu erwarten war. Dafür erreichte die Stimmung bei „Monsoon“ den ersten Höhepunkt und die Hände waren bis in die letzten Reihen in der Luft. Zudem bekam er einen Slip auf die Bühne geworfen und ganz proletenhaft wie er sich gerne gibt, roch er auch noch daran.

Kurz vor Halbzeit der Show stellte er Teile der Band vor, zu der die Titelmelodie der Fernsehserie „A-Team“ gespielt wurde. Nach dieser Aktion holte er seinen besten Freund Jonathan Wilkes auf der Bühne, mit dem er zusammen „Me & my shadow“ und „Strong“ sang. Zwischen den Liedern sangen sie mit gekünstelt hoher Stimme kurz „Staying alive“ an. Während dieses Gastspiels zelebrierte Robbie seine Leidenschaft für den Fussball. Zwei Mini-WM Bälle titulierte er als „Robbie’s Balls“ und mit der Ansage „Who wants to lick Robbie’s balls?“ begann der Weitschusswettbewerb zwischen ihm und Jonathan, bei dem er auf einen Zwischenstand von 10:10 ausgleichen konnte.

Bei „Strong“ sollte das Publikum mitsingen und über den Videofeed lief wie bei einem Teleprompter der Liedtext mit. Leider stimmte die Synchronisation zwischen Gesang und Text nicht und der Text hing der Musik hinterher. Zwischendrin wurde zwar versucht durch Vorspulen die Musik wieder einzuholen, aber richtig gepasst hat es bis auf wenige Textzeilen während des gesamten Liedes nicht.

Das Publikum schaffte vor „Back for Good“ sogar den Ablauf der Show positiv zu stören. Während der Ansage zu dem Lied wollte Mr. Williams gerade etwas über ein Mädchen mit gelbem Shirt in den vorderen Reihen sagen, da begann die Tribüne laut „Deutschlaaaand, Deutschlaaaand“ zu skandieren. Daraufhin brach er seine Rede ab und summte „´54, ´74, ´90, 2006“. Die Zuschauer setzten gesanglich ein und der Schlagzeuger unterstützte die Aktion mit einer monotonen Bassdrum. Nachdem zwei bis drei Mal der Refrain komplett durchgesungen war endete dieses kleine Zwischenspiel.

„Come undone“ lud noch einmal zum Mitsingen an und zur Freude der älteren Fans endete das Lied in „Walk on the wild side“ von Lou Reed. Mit „Feel“ endete das reguläre Set vor der Zugabe.

Die Pause bis zur Zugabe dauerte wesentlich länger als bei anderen Konzerten, da Robbie Williams sich erst noch umziehen und auf den obersten Bühnenteil klettern musste. In einem Korb, „Let me erntertain you“ singend, ließ er sich wieder auf die Bühne herab. Die komplette Mannschaft zog sich währenddessen um und alle kamen in adidas-Klamotten zurück auf die Bühne, um dann für „Rudebox“ bereit zu sein. Von daher verwandelte sich die Zugabe zu einer Werbeveranstaltung, die sehr viele Fans für übertrieben hielten.

Gegenüber frühen Konzerten der Tournee wurde „A place to crash“ aus der Setlist gestrichen und stattdessen wurde während der Zugabe die neue Single „Rudebox“ gespielt. Eigentlich war ebenfalls zu erwarten, dass das Konzert mit „Angels“ enden würde, da man dieses abschließende Highlight via SMS für sein Handy und den Computer bestellen konnte. Überraschend wurde aber noch „Kids“, das eigentlich ein Duett zwischen ihm und Kylie Minogue war, angehängt und war ein gelungenes Lied zum Abschluss.

Die Bühne mit einem äußeren Lichtkranz in Form einer aufgeblähten Blätterteighaube inmitten des Motordroms bot eine eindrucksvolle Kulisse für die bis ins Detail durchgestylte Licht- und Lightshow, bei der zu jedem Lied Bilder, Videos und Animationen gezeigt wurden. Da das Konzert nach den Regenschauern im Vorfeld erst um kurz nach 21 Uhr begann, war es schon dunkel genug, so dass von Anfang an die visuelle Unterstützung der Musik voll zur Geltung kam. Die Übergänge der verschiedenen Lichteffekte waren außerordentlich gut gelungen und auf den Videowänden wurden Motive vom Periodensystem bis hin zu Alpenlandschaften gezeigt.

Nicht nur das Licht sondern auch der Sound war auf höchstem Niveau. Die Lautstärke war der Örtlichkeit bestens angepasst, so dass je nach Geschmack das Konzert sowohl mit als auch ohne Gehörschutz genossen werden konnte.

Ein Event in dieser Größenkategorie lebt aber nicht nur alleine von dem Konzert an sich, sondern zu dem Erlebnis gehören auch die Staus bei der An- und Abfahrt, die Parkplatzsuche, Orientierungsschwierigkeiten, Schlangestehen beim Einlass und den gastronomischen Einrichtungen, etc. Auch in diesen Bereichen konnte der Abend alle Kriterien erfüllen.

Welcher Solo-Künstler, wenn nicht Robbie Williams, sollte in den nächsten Jahren in der Lage sein, solch ein Spektakel zu wiederholen und die Massen derart zu den Konzerten zu ziehen. Eine Ausnahmeerscheinung.

Setlist:
1. Radio
2. Rock DJ
3. Tripping
4. Monsoon
5. Sin sin sin
6. Millenium
7. Make me pure
8. Me & ny shadow (with Jonathan Wilkes)
9. Strong (with Jonathan Wilkes)
10. Back for good
11. Advertising space
12. Come undone
13. Feel
Zugabe:
14. Let me entertain you
15. Rudebox
16. Angels
17. Kids

2 Trackbacks zu Robbie Williams
am 13.08.2006 um 20:18 Uhr
Robbie Williams in Hockenheim... Wie bereits angekündigt war gestern nun wahrscheinlich das größte Spektakel der diesjährigen Konzertsaison: Robbie Williams auf dem Hockenheimring. Wie es sich für ein Konzert mit 90.000 Besuchern gehört hat es ca. vier St...
am 09.03.2010 um 15:08 Uhr
[...] Natürlich wird ein solches Verhalten nicht toleriert, genauso wenig wie solch eine Aussage. Robbie Williams wurde als verantwortungslos dargestellt, da er immerhin ein Weltstar ist und bestimmt für [...]
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