Saturday, 4. September 2010

Pfungstadt, Wiese auf dem Brauereigelände, 30.07.2006
Silbermond/Die Happy @ Pfungstadt, Wiese auf dem Brauereigelände, 30.07.2006Fotos: Thomas Stein

PFUNGSTADT (tms) - "Die Happy" und "Silbermond" waren am letzten Julisonntag die Highlights des Festes zum 175jährigen Firmenjubliäum der Pfungstädter Brauerei. Bei wechselhaftem Wetter fanden nach Angaben des Veranstalters ca. 2.700 Besucher den Weg in den Darmstädter Vorort und feierten ausgelassen in den Abend hinein.

Früher als im Programm angekündigt spielten zum Auftakt der Veranstaltung "Sex 'n' Nachos", so dass einige Besucher diese Nachwuchsband verpassten. Noch bei Sonnenschein durften dann "Blackmail" auf die Bühne, die solide Rockmusik präsentierten. Doch die meisten Fans waren den T-Shirts nach wegen der beiden Hauptacts dort und nutzten die Zeit für ein Picknick auf dem Gelände. Im Gegensatz zur Beschreibung war die Wiese auf dem Brauereigelände glücklicherweise keine Wiese, sondern ein gepflasterter Parkplatz. Aber dies sollte sich im Laufe des Abends als sehr vorteilhaft herausstellen.

Die Happy:
Kurz vor Beginn des Die Happy-Auftritts frischte der Wind auf und dunkle Wolken zogen über das Gelände. Ein Windstoß riss sogar die Stoffbahnen an der Bühnenrückwand aus den Verankerungen. So sah man nun statt einer schwarzen Fläche hohe Tannen, die die Bühne wie den Bilderrahmen eines Heimatgemäldes wirken ließ.

Pünktlich mit dem ersten Lied setzte zu allem Überfluss auch noch ein Regenschutt ein, den Sängerin Marta Jandova nach dem ersten Song mit "ihr schafft es, dass die Sängerin schon nach einem Lied nass ist" kommentierte. Auch im Wetlook im Gianna Nannini-Stil machte sie im kurzärmligen schwarzen Hemd eine gute Figur. Mit einem kurzen Sprung an der richtigen Stelle, so dass das Wasser in alle Richtungen wegspritzte, demonstrierte sie die Rutschgefahr auf der Bühne.

Mit "Bitter to better" und "Big big trouble" begann die gewohnt energiegelandene Show der Band und auch das Publikum war mit Springen und Pogo tanzen ebenfalls sofort bei der Sache. Nach vier Liedern verließ Marta die Bühne und überließ Stefanie Kloß von Silbermond für "Big boy" das Mikrofon. Dieser Frauentausch war zu erwarten, da die Band letzter Jahr beim Tourabschlusskonzert von Silbermond in Kamenz schon gemeinsam auf der Bühne standen und "Die Happy" für das Konzert sogar extra angereist waren.

Im weiteren Verlauf der Show kam das Pfungstädter Publikum sogar in den Genuss von zwei neuen Liedern. Eines davon – "Ordinary people" – hatte die Band auch schon vor ein paar Wochen in Bad Nauheim gespielt. Es ist wieder so ein Song, bei dem nach kurzer Anleitung jeder sofort mitsingen kann und dazu selbstverständlich auch ermuntert wurde.

Leider waren "Goodbye" inklusive dem Paradise-City-Klone "Take me down, to the Pfungstadt City" der Schlusspunkt des Die Happy-Auftritts. Wegen der wetterbedingten Verzögerung vor ihrem Auftritt war keine Zeit mehr für "Supersonic Speed", worauf viele Fans vergeblich warteten.

Silbermond:
Wer nach Die Happy bzw. der aktiven Arbeit mit Publikum von Marta Jandova auftritt hat es normalerweise sehr schwer, denn diese legen die Messlatte sehr hoch. Da sind ebenfalls außergewöhnliche Qualitäten gefragt und wer wäre da besser geeignet als die Silbermonde mit ihrer Sängerin und Entertainerin Stefanie Kloß.

"Warum soll es dem einen Headliner besser gehen als dem anderen" dachte indessen Petrus und so begann auch der Silbermond-Auftritt mit Regen. Diese Erfrischung wäre letzte Woche bei den Temperaturen angebrachter gewesen, aber an diesem Sonntag störte sich niemand groß daran und beide Seiten gaben lautstark "Lebenszeichen" von sich.

Nach ein paar Liedern gab es nun den Frauentausch anders herum und so räumte Stefanie das Feld für Marta. Ebenso wie vorher wurde der jeweils anderen Sängerin einer der größten Single-Hits überlassen und daher durfte Marta "Durch die Nacht" zum besten geben. Dies hatte seinen besonderen Reiz, denn ihr charmanter Akzent war auch beim Gesang zu hören.

Interaktivität wird bei Silbermond groß geschrieben und so darf sich das Publikum immer einen Song wünschen, den die Band dann versucht zu spielen. In Pfungstadt fiel die Wahl auf Alanis Morissettes "Ironic", das nicht zum ersten Mal der Wunschsong war. Dadurch brauchte die Band nicht lange, um sich auf den Song einzustellen und auch Stefanie war von der ersten bis zur letzen Zeile textsicher.

Damit wenigstens ein paar Fans in den Genuss von "Stars-zum-Anfassen" kamen, drehte Steffi bei "Wissen was wird" ihre obligatorische Runde Crowd Surfing durch – besser gesagt – über die vorderen Reihen. In der Ankündigung zu dieser Aktion erkundigte sich Stefanie, wie viele der Anwesenden schon einmal bei einem Silbermond Konzert gewesen seien und es meldeten sich weit über die Hälfte per Handzeichen. Die Debütanten konnten sich im Laufe des Abends, dass dort nicht eine "Schmuse-Band wie Silbermond" sondern eine mittlerweile eine musikalisch gestandene Rockband auf der Bühne stand.

"Symphonie" wies eine gewisse Situationskomik auf. Offensichtlich sang das Publikum nicht ganz so laut mit, wie es die Band erwartete, doch die Zeile "und ich steh' hier im Regen" gröhlten fast alle mit, so dass es gegenüber dem übrigen Text deutlich herausstach.

Zum Finale holte die Band 16 Fans aus dem Publikum auf die Bühne, die mit der Band zu "Wenn die anderen" die super Stimmung des ganzen Abends voll bestätigten und wild mit der Band feierten.

Fazit:
Mit Die Happy und Silbermond standen in Pfungstadt zwei Rockbands auf der Bühne, die mit Frontfrauen gesegnet sind, die wie wenig andere das Publikum animieren und in die jeweilige Show integrieren können. Genau dieses Miteinander und die Abkehr vom reinen Präsentier-Konsumier-Prinzip ist wahrscheinlich neben der ständigen Präsenz auf den Bühnen eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Abgesehen von den beiden Regengüssen, die wegen der bereits erwähnten Bodenbeschaffenheit nicht in eine Schlammschlacht ausuferten, war es ein äußerst gelungener Abend und das wichtigste Ziel von solchen Veranstaltungen wurde erreicht: Alle hatten eine gute Zeit!

Die Kapazität des Geländes hätte auch für 1000 zusätzliche Gäste ausgereicht, doch so war der Platz angenehm gefüllt, aber nicht unangenehm überfüllt. Somit war es zumindest für das Publikum eine erfolgreiche Premiere eines Open Airs in Pfungstadt. Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei dem Zuschauerinteresse auch für die Veranstalter gelohnt hat, dass es nicht eine einmalige Veranstaltung gewesen ist.

Playlist Silbermond:
1. Lebenszeichen
2. Meer sein
3. A Stückl heile Welt
4. In Zeiten wie diesen
5. Durch die Nacht (Gesang: Marta von Die Happy)
6. Wunschlied
7. Nein danke (Bass-Solo)
8. Kartenhaus
9. Immer am Limit
10. Zeit für Optimisten
11. Das Beste
12. Schick LOVE
13. Verschwende deine Zeit
14. Symphonie
15. Wissen was wird (Stagediving Stefanie)
—Zugabe #1—
16. Wenn die Anderen
17. Unendlich
—Zugabe #2—
18. Ich wünsch dir was

1 Kommentar zu Pfungstadt Open Air
Andreas Bieber am 09.08.2006 um 19:48 Uhr

Also ich war zum ersten mal auf einem Silbermond Konzert und eigentlich hab ich mich die ganze Zeit nur auf Symphonie gefreut.. und da hab ich absolute Gänsehaut bekommen. Der Regen hat kein bischen gestört und die Party war HAmmer.

Im Endeeffekt war Die Happy auch sehr schön und die letzen drei einhalb Stunden vor der Heimfahrt waren so toll, das mann traurig nach hause ging und sich dachte "Schade schon vorbei)

Allen viel Spaß auf den Events von Silbermond!!!°!

1 Trackback zu Pfungstadt Open Air
am 28.05.2007 um 16:58 Uhr
[...] Jahaha, das kommt davon, wenn man auf der Brauereiwebsite keine Anfahrtskizze hat.   Aber die ÖPNV-Anbindung der Brauerei ist tatsächlich auch nicht so dolle: Konzertende 22.20 Uhr, der P-Bus fuhr aber um 22.19 zum etwa 2 km entfernten Bahnhof Eberstadt. Aber selbst wenn man vorher geht, fährt dort unerwischbar um 22.21 die stündliche Regionalbahn nach Frankfurt einen vor der Nase weg. Also den Zug um 23.21, d.h. eine Stunde nach dem Konzert sitzt man im Zug Richtung Frankfurt. Somit ein Fall fürs Auto. Nur: Zu einem Brauereifest kommt man doch nicht mit dem Auto. Da hat Thomas ja recht.   Nachtrag 2.8.2006: Thomas’ Konzertbericht ist auch online. [...]
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