Thursday, 11. March 2010

Offenbach, Capitol, 07.05.2006
Silbermond (Offenbach)Foto: Thomas Stein

OFFENBACH/FRANKFURT (tms) – "Heiß, heißer, Silbermond!" Unter diesem Motto stand die Show der Silbermonde im restlos ausverkauften Capitol in Offenbach. Zwei Stunden lang galt die von der Band selbst herausgegebene Parole: Spaß haben und eine gute Zeit verbringen! Die Playlist umfasste eine ausgewogene Mischung aus ihrem Debüt-Album "Verschwende Deine Zeit" und dem neu zu präsentierenden Nummer Eins-Album "Laut gedacht", dessen Lieder auch schon in der Studioversion wesentlich rockiger klingen, als die ihres Erstlingswerkes. Dennoch legen Silbermond bei Konzerten noch einmal eine Schippe nach und sie haben nicht umsonst den Comet 2005 in der Kategorie "Bester Live Act" gewonnen.

Um kurz vor neun wurde es dunkel in der Halle und man sah nur einen großen weißen Vorhang, der die Bühne verdeckte. Nach und nach wurden verschiedene Motive darauf projiziert und die Band nutzte die Zeit, um sich dahinter zu versammeln. Sängerin Stefanie Kloß stand dabei auf Schlagzeughöhe, leuchtete mit einer Lampe von hinten an den Vorhang und fragte in die Halle „Ist da draußen irgendjemand?“. Der Vorhang fiel und das Publikum bekam, wie es ein Freund so schön kommentierte, "gleich voll auf die Ohren".

An diesem Tag konnte man sich in Offenbach gleich doppelt freuen. Zum einen haben die Kickers am Nachmittag den Klassenerhalt geschafft und am Abend beglückten Silbermond das Publikum. Ein Fußballfan, der schon vor dem Konzert von irgendwelchen Feierlichkeiten ziemlich alkoholisiert war, belästigte schon vor der Show am Eingang die Fans. Als Dank für dieses Verhalten wurde er später auch von der Security sehr freundlich, aber bestimmt, der Halle verwiesen.

Die Vorgruppe "Pasta for Pavel" aus Mainz heizte dem Publikum schon richtig ein und ließ die Vorfreude steigen. Das Publikum hat bei dieser Band schon so kräftig mitgemacht, dass man sich vom Foyer aus die Frage stellen musste, ob hier schon der Hauptact auf der Bühne war. Es waren wirklich Anheizer und die Gedanken wie "wann gehen die endlich wieder von der Bühne?" kamen gar nicht erst auf.

Mit den Openern "Lebenszeichen" und "Meer sein" setzte die Band gleich die ersten Akzente und zeigte die Marschrichtung des Abends an: "Es geht vorwärts!" Das Publikum gab von Beginn an Lebenszeichen von sich, indem es mit der Band feierte. Wie man es von Stefanie Kloß gewohnt ist, gab sie zahlreiche Anweisungen an das Publikum und exemplarisch dafür forderte sie beim zweiten Lied "lasst uns ein Meer von Händen sein" und sofort waren alle Hände im Capitol in der Luft. Dieser Anfang forderte bei manchen der jüngeren Fans in den ersten Reihe schon entsprechenden Tribut und bei "Meer sein" zog die Security schon das erste Mädchen aus dem Publikum.

Ohne Unterlass ging es mit Hits wie "Nein Danke", "In Zeiten wie diesen" oder "Immer am Limit" weiter. Unter dem Motto "Stars zum Anfassen" beglückte Stefanie ihre Fans bei letztgenanntem Lied mit dem traditionellen Stage-Diving. Später in der Show folgte auch ein neu ins Programm genommenes Stage-Diving von Johannes, der es angeblich besser kann als Stefanie, bei dem sie das Kommando am Bass übernahm.

Während "Schicke Love", das eine Parodie auf Klingelton-Abos mit selbstironischen Einlagen ist und von Schlagzeuger Andreas Nowak untermalt wurde, führte dieser eine neue Rubrik auf der Tour ein, die in Anlehnung an den Albumnamen "Laut gelacht" hieß. Hier erzählte er in Reimform etwas von einer bunten Gestalt. Für manche war es der Tiefpunkt des Konzerts, andere amüsierten sich, aber insgesamt bekamen alle ein wohlverdientes Päuschen. Nach dem Song wollte ein Fan nicht aufhören "Onkelz, Onkelz" zu rufen und auch er wurde dann kurzfristig von der Security aus dem Innenraum gebeten.

Bei "Kartenhaus" und "Das Beste", das zu den Highlights des Konzertes zählte, wurden die Feuerzeuge und Wunderkerzen gezückt. "In Zeiten wie diesen" (kleines Wortspiel) war verwunderlich, dass die klassischen Feuerzeuge zum Einsatz kam, denn wie schon U2 bewiesen hat, sind heutzutage mehr Handys als Feuerzeuge im Publikum vorhanden.

Johannes Stolle durfte sein Bass-Solo bei "A Stückl heile Welt" anbringen, das auf dem alten Album das konsumkritische Pendant zu "Schicke Love" auf "Laut gedacht" ist. Früher gab es Headbanging und heute wird gesprungen. Diese Tradition behielt die Band bei und während "Zeit für Optimisten" durfte das Publikum eine halbe Minute "gegen Nazis und alles Schlechte der Welt" springen.

Auch nach einem schweißtreibenden regulären Set war noch lange nicht Schluss, denn die Band kam für insgesamt zwei Zugaben auf die Bühne, mit denen sie die respektable Spieldauer von zwei Stunden erreichte. Bei "Wenn die anderen" wurden Fans mit der Anweisung "die Bretter durchzutanzen" auf die Bühne geholt und bei Symphonie setzen sich zwei Drittel des Publikums hin. Unterstützt von Anweisungen der Security erhoben sie sich aber im Laufe des Liedes wieder. Mit "Ich wünsch Dir was" wurde das Konzert schließlich beendet, was aber noch keinen Feierabend für die Band bedeutete.

Das Capitol in Offenbach ist optisch und vom reinen Ambiente her gesehen eine wunderschöne Konzertlocation, in die auch Silbermond sehr gut passt. Das Konzertvergnügen wurde aber dadurch getrübt, dass, wenn die Kapazitätsgrenze erreicht wird, die Sicht auf die Bühne, die normalerweise gerade durch die Podeste am Rand des Innenraums sehr gut sein sollte, in den hinteren bzw. äußeren Reihen nicht mehr gegeben ist. Gerade in den Säulengängen unter der Galerie wird das Konzert zu einem reinen Hörspiel. Wer sich aber erstmal durch die Menschenmengen am Rand gedrängelt hat und im Innenraum gelandet ist, konnte sich an einer wesentlich besseren Sicht erfreuen.

Die nicht übermäßig pompöse Lightshow im Capitol unterstützte die Band perfekt. Es war eine sehr dynamische Bühnenkulisse, bei der immer wieder Teile wegfielen und dafür neue Effekte bzw. Veränderungen des Licht-Setups freigegeben wurden. Dabei kamen die Szenenwechsel stets taktgenau und optimal auf die Songs abgestimmt. Dickes Lob an den Light-Operator, der hier wirklich gute Arbeit geleistet hat!

Für eine Halle in dieser Größenordnung war der Sound sehr gut. Die Line-Arrays mit jeweils 12 HiMids pro Seite waren gut abgestimmt, so dass auch Stefanies Stimme überall perfekt zu hören war. Zudem muss unter der Bühne noch einiges an Subs gelegen haben, denn die Bass-Drum war selbst bis in die letzte Reihe zu spüren. Der Sound war entsprechend eines Rockkonzertes richtig laut, aber dennoch klar und deutlich. Wer den Gehörschutz vergessen hatte, brauchte sich über ein Brummen und Summen in den Ohren am nächsten Tag nicht zu wundern.

Wie schon erwähnt, war es im mit 1800 Personen ausverkauften Capitol im Innenraum zu voll. Bei geschätzten 1500 Leuten hätten alle auch visuell etwas vom Konzert gehabt. Aber auch dieser Umstand tat der Stimmung keinen Abbruch, die von Anfang bis Ende sehr gut war. Somit hat sich das zu Beginn des Artikels beschriebene Motto bestätigt.

Vor allem die jüngeren Fans waren im Innenraum vor der Bühne zu finden und die Älteren eher hinten und auf der Galerie. Durch Präsenz der Band in den Jugendmagazinen und im Musikfersehen war die Balustrade auch zielgruppengerecht mit Plakaten von You FM, MTV und YAM dekoriert.

Nach der Show führte der Weg vieler Fans nicht nach Hause, sondern erst einmal an die Bar, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Der Innenraum war ziemlich schnell "geräumt" und die Türen wieder geschlossen, aber im Foyer oder Atrium, wie es im Capitol heißt, konnte man den Abend in Ruhe ausklingen lassen.

Wer noch ein wenig Geduld aufbrachte wurde später dafür belohnt, denn die Silbermonde fanden sich zu einer Autogramm- und Plauderstunde am Garderobentresen ein. Sie waren wirklich sehr sympathisch und vor allem haben sie auch ein wenig aus dem Nähkästchen erzählt. Wenn ihre Popularität weiter so anhält, dann dürfen wir sie das nächste Mal wahrscheinlich in der Stadthalle Offenbach oder Jahrhunderthalle begrüßen, die sie bestimmt auch schon bei dieser Tour gefüllt hätten, aber es wäre dann nicht so ein "persönlicher" Rahmen gewesen. Wer wird schon "wissen was wird".

2 Kommentare zu Silbermond
SiMo Fan THEA am 05.12.2006 um 16:53 Uhr

HEY!! SIMO FOR EVER

Vanessa am 20.12.2006 um 14:00 Uhr

Ihr habt gerockt Silbermond!
Mein Geburtstag konnte nicht besser sein =)
Die Stimmung war einfach nur gigantisch, was kann ich noch anderes sagen…wir sehen uns am 24.02.07 in Fulda!!!! *freu freu*

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