Saturday, 31. July 2010

Köln, E-Werk, 25.04.2006

KÖLN/FRANKFURT (tms) – Auf ihrer letzten Tournee füllten sie noch Hallen mit einem Fassungsvermögen von um die 5.000 Personen, doch jetzt auf der „Sisters bite the silver bullet“-Tour werden wieder kleine Brötchen gebacken und die „Schwestern der Barmherzigkeit“ gaben sich vor 2.000 Leuten im ausverkauften Kölner E-Werk die Ehre. Bei einer Band, deren letztes reguläres Studioalbum schon 16 Jahre zurück liegt und die Wave-Szene in der zweiten Hälfte der 80er Jahre prägte, ist es aber nicht verwunderlich, dass sie immer noch eine treue Anhängerschaft mit sich ziehen. Die Zeichen der Zeit sind auch an den Fans nicht spurlos vorüber gegangen. Vor der Halle stehen nicht mehr die verrosteten Kleinwagen, sondern es reiht sich ein Mittel- bis Oberklasse-Wagen an den anderen und die Devise des Abends lautete: Holt Eure schwarzen Klamotten aus dem Schrank.

Auch das Sisters of Mercy-Mastermind Andrew Eldritch hat sich über die Jahre verändert. Die lange schwarz gefärbte Mähne ist ab und auch die Phase mit Hawaii-Hemd und verspiegelter Herzchen-Sonnenbrille ist glücklicherweise vorüber. Stattdessen betritt er mit seinen beiden Gitarristen Chris Catalyst und Ben Christo in Cargo-Pants und Fliegerjacke sowie kahl geschorenem Schädel pünktlich um 21 Uhr die Bühne des E-Werks, in dem saunaartige Temperaturen herrschten. Wie man es von den Sisters gewöhnt ist, wird während des gesamten Konzertes der Nebelmaschine keine Ruhepause gegönnt und der Rauch zog bis ins Treppenhaus am Ende der Halle, was auch nicht dazu beitrug, die Luftfeuchtigkeit zu senken.

Zum Konzert hat ein Fan in einem Forum kurz und prägnant formuliert: „In Köln gab's ein Standard-Konzert mit der Standard-Setlist, dafür aber mit extrem viel Nebel. Hier sind meine wenigen Fotos, auf denen man (aus der zweiten Reihe) halbwegs was erkennen kann.“ Von weiter hinten oder der Galerie war es wirklich schwierig, die Band zwischen dem Nebel, in dem die Lichteffekte hervorragend zur Geltung kamen, zu erkennen. Da kaum ein ruhigeres Lied gespielt wurde, gab es zum einen keine Verschnaufpause für das Publikum, zum anderen bestand dir Gefahr der Reizüberflutung durch das permanente Flackern und Blitzen der Scheinwerfer auf der Bühne.

Vor der Tour hatte Adam Pearson die Band verlassen und für ihn war Ben Christo auf der Tour dabei, dessen Gitarrenspiel doch deutlich mehr dem Metal entnommen ist und somit auch den Sound der Sisters ein wenig neu definierte. Dadurch geht aber dem typischen Sisters-Stil etwas von der Charakteristik verloren und auch passte Bens Timing an machen Ecken noch nicht ganz. Aber diese Eingewöhnungszeit muss man einem neuen Gitarristen vielleicht auch zugestehen.

Generell war der Sound in der Halle nicht gerade überzeugend. Vor allem die tiefe Stimme von Andrew Eldritch war vor einer massiven Klangwand größtenteils nur sehr schwer verständlich, aber zum Glück wussten die meisten Anwesenden was er sang.

Gerade während der ersten paar Lieder passte der Mix noch nicht. Im Laufe des Konzertes wurde es zwar ein wenig besser, aber zum größten Teil war der Sound einfach zu basslastig und undifferenziert. Neben dem Sound gab es noch andere kleinere Schwierigkeiten. „Something fast“ musste zwei Mal angefangen werden und beim Übergang von „Romeo down“ zu „Neverland“ gab es wohl Problemchen mit dem Doktor Avalanche.

Im Publikum wurden reichlich die von der Security gar nicht gerne gesehen Pyramiden gebaut. Zwischen den Songs fuchtelten sie daher immer wild mit Taschenlampen herum, aber hatten gegen die „Crowd“ keine Chance. Das letzte Mal konnte ich den Pyramidenbau bei New Model Army beobachten. Bei den heutigen Mainstream-Bands scheint das nicht mehr so populär zu sein, diese setzen dann mehr auf die Springerfraktion.

Besonders auffällig war, dass während des ganzen Konzertes kein einziges Lied vom ersten Sisters of Mercy-Album „First and last and always“ gespielt wurde. Es dominierten eindeutig die Lieder von „Vision Thing“ und „Floodland“. Angereichert wurde die Musikauswahl mit ein paar frühen Werken, die auch auf „Some girls wonder by mistake“ erschienen sind, sowie einigen neuen Liedern, die bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurden.

Aus der Setlist ragte „Slept“ heraus, denn hier griff Chris Catalyst das einzige Mal an diesem Abend zu einer akustischen Gitarre, was ziemlich überraschend war, aber durchaus in das Set passte. Doch Chris, der auf seinem Bühnenplatz ständig Old-School-mäßig nach links und rechts hüpfte, setzte noch einen weiteren erkennbaren Glanzpunkt. Zur Zugabe kam er in einem silbernen Mantel zurück auf die Bühne. Da „Something fast“ nur von den beiden Gitarristen gespielt wurde, konnten sie während des Liedes auch die Positionen tauschen, um die jeweils andere Bühnenseite kennen zu lernen. Die Show verlief ohne Punkt und Komma und es gab keine einzige Ansage oder Rede zwischen den Liedern von Eldritch. Auch gab es kaum Zeit zum ausgiebigen Applaudieren. Somit war nach rund 85 Minuten schon Schluß und man konnte sogar ein Mal „Danke“ vernehmen.

Das Publikum in Köln, das ständig mitgesungen und mitgeklatscht hat, war ebenfalls sehr gut drauf. Auch wenn ich zur unerwartet großen Moshpit ziemlich Abstand gehalten habe, ging es im Innenraum mächtig, aber friedlich zur Sache.

Setlist:
01. Crash and burn
02. Ribbons
03. Doctor Jeep / Detonation Boulevard
04. When you don’t see me
05. Flood I
06. We are the same, Susanne
07. Giving ground
08. Summer
09. Dominion
10. Slept
11. Alice
12. Anaconda
13. Romeo down
14. Neverland
15. This corrosion
—Zugabe—
16. Something fast
17. Lucretia my reflection
—Zugabe—
18. Top nite out
19. Temple of Love

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