Sunday, 26. May 2013

Frankfurt, Jahrhunderthalle, 18.03.2006

FRANKFURT (tms) – Beim Konzert in der Jahrhunderthalle agierte die ungekrönte Königin der leisen Töne ungewohnt energiegeladen – man könnte es auch schon rockig nennen. Die Jahrhunderthalle war bis auf den letzten Platz voll und im Vergleich zu reinrassigen Rockkonzerten stand das Publikum nicht so eng, so dass gerade im Innenraum die Fans wesentlich weiter in Richtung Hallenrand standen als in der Halle üblich.

Von daher war es ausgesprochen vorteilhaft, dass links und rechts der Bühne eine Videowand hing, die ausschließlich für die Konzertbilder verwendet wurden. Die komplette Bühnenrückwand verzichtete auf große Lichteffekte, aber dafür liefen dort bei manchen Liedern vollflächig Animationen und Filmszenen zur Untermalung der Lieder.

Überpünktlich um 20:55 Uhr betrat die Hauptakteurin die Bühne: Jeans, weiße Bluse, eine offen getragene Weste darüber und dazu die perfekt gelockten Haare als wäre sie auf dem Weg zu einem Fototermin. Eröffnet wurde das Konzert mit „Shy boy“ und direkt als zweites Lied folgte schon die aktuelle Hit-Single „Nine million bicycles“, die mit wunderschönen Landschaftsbildern an den der Bühnenrückwand untermalt war. Üblicherweise werden solche Songs bis zur Zugabe aufgehoben, aber durch diesen frühen Zeitpunkt innerhalb des Konzertes kamen auch die „Gelegenheitsfans“ auf ihre Kosten. Da das normale Set vor der Zugabe mit ihrem Riesenhit „The closest thing to crazy“ endete, verließen auch schon einige Personen die Halle. Dies lag aber in keinster Weise an der großartigen Performance auf der Bühne, sondern daran, dass diese „hektischen Leute“ dem üblichen Chaos an der Garderobe und auf dem Parkplatz entgehen wollten.

Den dritten Song des Abends „Blues in the night“ widmete sie wie bei anderen Konzerten der Tour dem Publikum. Nach diesem sehr klassischen Blues-Schema lud „Spider’s Web“ einfach nur zum Träumen ein. Die erste neue Coversong des Abends war „Fancy“, welches auch die bis dato schnellste Nummer des Abends war. Passend dazu entledigte sie sich ihrer Gitarre und begann auf der Bühne hin und her zu tanzen. Aber auch bei solchen schnelleren Liedern schafft sie es nicht, den mittlerweile schon perfektionierten, wehleidigen Blick abzulegen.

Nach diesem Song wurde das Publikum regelrecht ausgebremst und zu „I cried for you“ wurde es absolut still. Selbst in den hinteren Reihen fing niemand an zu reden. Auch bei diesem Konzert dokumentierte sie die geographischen Stationen ihres Lebens musikalisch und im regulären Set folgte „Belfest“ und das georgische Volkslied hob sie sich für die Zugabe auf.

Nach „Halfway up the Hindu Kush“, das wieder mit sehr schönen Bildern hintermalt war, folgte die nächste Coverversion des Abends mit dem Beatles-Klassiker „Lucy in the sky with diamonds“. Nach dem Song erzählte Katie, dass bei diesem Song immer jemand zusammenbrechen würde. Bei einem Konzert in Manchester hatte es einen Mann erwischt und daher wollte sie ihm den nächsten Song widmen, aber hatte ihn leider vergessen und verwies charmant darauf hin, dass sie für solche Fälle eine Playlist hat. Da der Mann aber wohlauf war, konnte sie dann wie in Frankfurt auch den The Cure-Hit „Just like heaven“ spielen, den sie ursprünglich für den Soundtrack des gleichnamigen Films aufgenommen hat. Auch in Frankfurt trug ein Mann seine Freundin zu diesem Zeitpunkt des Konzertes seine Freundin auf den Armen an uns vorbei. Die magische Wirkung der Musik?

Der nächste Stimmungshöhepunkt des Konzertes war „My aphrodisiac is you“, zu dem sie auch wieder ihre Gitarre ablegt. Das Hit-Feuerwerk endete damit keineswegs, denn darauf folgten ohne große Pause dazwischen die Titellieder ihrer beiden Alben „Call off the search“ und „Piece by piece“ mit anschließender Bandvorstellung.

Nun war es an der Zeit, dass Katie das Publikum mit der nächsten Coverversion überraschte. Dieses Mal fiel die Wahl auf „19th nervous breakdown“ von den Rolling Stones, aber das sollte nicht die letzte fantastische Interpretation fremder Songs für diesen Abend sein.

Zu „On the road again“ wechselte sie von Gitarre zu Tamburin und begann, das Publikum einzubinden, in dem sie es zum Klatschen aufforderte. Die Stimmung in der Halle war jetzt auf dem Höhepunkt und verlor auch nichts an Intensität als es mit „Crawling up a hill“ weiterging.

Ein absolutes Highlight des Abends sollte der nächste Song werden. Einleitend bemerkte sie fast selbstironisch, aber sehr charmant, dass der Song einer ihrer Lieblingshits in den 90ern gewesen ist als sie noch viel jünger war. Es folgte das One-Hit-Wonder „Spaceman“ von Babylon Zoo, das damals durch eine Werbung für Levi’s Jeans bekannt wurde und der Kopf dahinter, Jas Mann, in einem Interview einmal erzählte, dass er nie Jeans tragen würde. Dies war wirklich eine wunderbare Interpretation des Songs und ein Grund mehr, warum man sich auf die neue Live-DVD freuen sollte.

Wie oben schon erwähnt endete das reguläre Set mit „The closest thing to crazy“. Die Zugabe begann mit dem „Mockingbird Song“ und auch wenn sie es etwas „cheesy“ (kitschig) fand, integrierte sie in diesen Song den einzigen Sing-Along-Part des Abends ein. Die Stimmung war immer noch sehr gut und mit dem georgischen Volkslied sowie „Faraway Voice“, die sie beide nur mit ihrer Gitarre spielte, klang der Abend sehr leise aus.

Zu meinem Nachbarn sagte ich noch, dass sie so ein Konzert doch nicht mit so einer ruhigen Nummer beenden könne und eigentlich noch ein Hit wie „Lovecats“ folgen müsste. Doch – sie konnte es und nach 1:40 Stunden war das Konzert vorüber.

Es war ein großartiges Konzert von ihr und es war eine sehr gute Akustik in der Jahrhunderthalle. Auch die Lautstärke in der Halle war perfekt, denn auch ohne Ohrenstöpsel war es nicht zu laut, sondern eben genau richtig. Wie schon im letzten Jahr hat Katie Melua wieder einmal mit sehr schönen und gut ausgewählten Coverversionen das Konzert bereichert, so dass es auch für den eingefleischten Fan immer noch Überraschungsmomente gibt.

Setlist:
01. Shy guy
02. Nine million bicycles
03. Blues in the night
04. Spider’s web
05. Fancy
06. I cried for you
07. Belfast
08. Halfway up the Hindu Kush
09. Lucy in the sky with diamonds
10. Just like heaven
11. Thankyou, Stars
12. My aphrodisiac is you
13. Call off the search
14. Piece by piece
15. 19th nervous breakdown
16. On the road again
17. Crawling up a hill
18. Spaceman
19. The closest thing to crazy
— Zugabe —
20. Mockingbird song
21. Georgischer Folksong
22. Faraway voice

3 Kommentare zu Katie Melua
der Franzose am 19.03.2006 um 20:21 Uhr

hi thomas!

sehr schöner bericht, bin ich ja nicht anders von dir gewohnt. ich war schon sehr früh da, kurz vor 17:00 Uhr war ich vor der halle. da waren sie noch die absperrungen der eingänge am aufbauen. später dann in front of stage, rechte seite. es hat mir wunderbar gefallen, katie ist einfach spitze. neben mir ist, bei der ansage zu 'I cried for you' eine ältere dame zusammengebrochen. habe sie dann mit ihrem mann zusammen, über die absperrung zu einem security mitarbeiter, gehoben. dieser hat sie dann in den san-bereich getragen. der kreislauf hat wohl nicht mitgemacht oder vielleicht der rockige song 'fancy' wurde nicht von ihr erkraftet. naja, ich hoffe es geht ihr gut…
der höhepunkt des konzerts war für mich ganz klar 'faraway voice'…und dabei die atmosphäre.

bin nach dem konzert noch was im vorraum der jahrhunderthalle herumspaziert. hab ausschau nach dir gehalten, war micha auch da?? leider hab ich euch nicht gefunden…ich hätte gewettet euch bei einem der ausschanktheken zu finden :)

hast du fotos gemacht? ich hoffe wir sehen uns im sommer!

gruss us kölle,
sascha

Thomas Stein am 20.03.2006 um 00:39 Uhr

Ja, ich war auch regelmäßig an der Ausschanktheke. Schade, dass wir uns nicht gesehen haben, aber das nächste mal in Köln oder Bonn bestimmt.

Thomas Stein am 20.03.2006 um 08:50 Uhr

Soweit ich es überblicken kann, hier mal die Presseschau für das Konzert:

Frankfurter Rundschau:

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=829681&sid=df750408e2e448e3db8206b4b32421f3

Frankfurter Neue Presse:

http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=2846429

Wiesbadener Tagblatt:

http://www.wiesbadener-kurier.de/feuilleton/objekt.php3?artikel_id=2313050

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