Foto: Thomas SteinASCHAFFENBURG (tms) – Die norwegische Elektro(pop)-Band Apoptygma Berzerk war im Colos-Saal in Aschaffenburg zu Gast und begeisterte das Publikum im vollen aber nicht überfüllten Saal. Die treuen und fachkundigen Gäste machten den Eindruck als wäre es für die meisten im Gegensatz zum Autor nicht das erste Apop-Konzert, denn selbst bei Sing-along Einlagen älterer Werke waren sie sehr textsicher.
Durch die aktuelle Single „Shine on“, die auch des Öfteren im Musikfernsehen gespielt wird, hat die zu Beginn der 90er von Stephan Groth gegründete Band eine größere popmusikalische Öffentlichkeit als nur in der „Szene“. Nach zahlreichen Veröffentlichungen feierte die Band mit dem 2000er Album „Welcome to Earth“ ihren bis dato größten Erfolg und zu jener Zeit bestand die Band aus Groth, Geir Bratland (Keyboard) und Ted Skogmann (Drums). Derzeit besteht die Band neben Groth und Bratland aus Anders Odden (Gitarre), Angel Stengel (Gitarre) und Fredrik Brarud an den Drums. Anders Odden, der zwischenzeitlich die Band verlassen hatte, stieß aber pünktlich zu den Arbeiten am neuen Album „You and me against the world“ wieder dazu.
Mit dieser Besetzung ist die Band deutlich gitarrenlastiger geworden und wenn auf der Bühne als Gitarren eine Les Paul und eine Flying-V zu sehen sind, dann kann die Devise für das Konzert nur eine sein: Hier wird nicht Synthiepop gespielt, hier wird gerockt.
Die Live-Versionen sind im Vergleich zu den Studioalben viel gitarrenorientierter und somit lernt man fast jedes Lied noch einmal anders interpretiert kennen. Dies macht auch gerade den Reiz von Konzerten aus und ist spannender als eine 1:1 Adaption aus dem Studio.
Gegenüber einer klassischen Rockband hat Apop aber den Vorteil, dass durch die dance-orientierten Drums das komplette Konzert tanzbar ist und es wirklich schwer fällt, die Füße und Kopf ruhig zu halten. Mit etwas Verzögerung (dazu später mehr) startete dann um kurz nach zehn die fast zweistündige Show mit dem Kracher „Eclipse“ aus dem „Welcome to Earth“-Album als Opener. Das Publikum war von Anfang an voll bei der Sache und von der schwarz-dominierten Kleidung im Saal war nicht mehr viel zu sehen, denn im vorderen Bereich waren alle Arme in der Luft.
Nach vor allem neuen Liedern folgte bei „Starsign“ die erste Sing-along-Einlage des Abends und das fantastische Publikum in Aschaffenburg enttäuschte die Band nicht. Auch in Randbezirken (bis zur Bar) wurde lauthals mitgesungen. Da war es mir fast peinlich, dass ich bis dato das Lied nicht kannte und daher meinen Mund besser hielt.
Bei „Kathy’s Song“ verließen bis auf Groth und Bratland die Akteure die Bühne und das Publikum bekam die Möglichkeit, mal ein wenig zu verschnaufen. Gegen Ende des Liedes kam Gitarrist Stengel auf den Knien zurück zu seinem Platz. Bei dieser Show-Einlage musste ich doch an diese britische Golf-Comedy denken, die früher öfter auf DSF oder Eurosport lief. Zum Ende des Liedes folgte ihm der Rest der Band.
Die Zeit während des Konzertes verflog so schnell, dass nach dem gefühlten Eindruck gehend die aktuelle Hit-Single „Shine on“ ziemlich früh auf dem Plan stand. Wie nicht anders zu erwarten, hatte die Stimmungsamplitude an dieser Stelle ein Zwischenhoch. Wenn sich eine Band den „Reißer“ nicht für die Zugabe aufhebt, dann musste noch großartiges folgen.
Nach drei weiteren Liedern war das normale Set beendet und während der beiden Zugaben wurde mit „Non stop violence“, „Love never dies“ und „Bitch“ ausschließlich älteres Material gespielt. Auf der Playlist stand als vorletztes Lied noch „Mourn“, das Tribute to Nirvana von Groth, aber leider wurde der Song nicht gespielt.
Nach dem Abpfiff begann dann aber die zweite Show des Abends: Während die Band die Bühne verließ betrat MTV-Moderatorin Mirjam Weichselbraun eben jene. Für eine neue Show auf MTV (mehr konnte oder wollte mir auch schon während des Konzertes einer der Kameramänner nicht verraten) durfte dann ein Mädchen namens Nadine auf die Bühne und sie musste zusammen mit der gesamten Band, die dazu noch einmal zurückkam, „Shine on“ singen. Leider konnte man von ihr nicht viel verstehen und so half ihr Geir Bratland mehrmals aus.
Mit dieser weiteren Showeinlage war dann um Mitternacht herum der Abend vorüber und es hat sich definitiv gelohnt. Gute Musik, gute Performance inkl. Headbanging – das war bestimmt nicht mein letztes Apop-Konzert und ich kann es nur jedem empfehlen, der laute Gitarren und tanzbare Beats mag.
Setlist:
Eclipse
You keep me from breaking apart
Tuning in
Spiritual reality
In this together
Starsign
Deep red
Mercy kill
Kathy’s song
Lost in Translation
Burning heretic
Shine on
Love to blame
Unicorn
Until the end of the world
—
Non stop violence
Love never dies
—
Bitch


