Saturday, 19. May 2012

Darmstadt, Centralstation, 08.02.2006

TAKE ME DOWN TO THE DARMSTADT CITY

Die Happy @ Centralstation, DarmstadtFoto: Thomas Stein

FRANKFURT/DARMSTADT (tms) – Diesen Konzertbericht werde ich ungewöhnlicherweise mit etwas Geographischem beginnen. Hessen scheint für die Band ein gutes Pflaster zu sein, denn in eben in der Centralstation wurde auch im Dezember 2003 die Live & Alive DVD von Die Happy aufgenommen. Außerdem konnte am Langener Waldsee der Fluch des letzten Konzertes nach eigenem Bekunden der Band gebannt werden. Nun waren sie wieder hier in der Gegend und Marta musste während des Konzertes anmerken, dass man sich in Darmstadt immer betrunken fühlt, obwohl sie noch gar nichts getrunken hatte. Es ist doch einfach schön, wenn das Publikum eine Band berauschen kann. Somit war auch die wichtigste Vorraussetzung für ein gutes Konzert gegeben: Die Band und das Publikum waren gut drauf.

In doppelter Hinsicht war es mein zweites Konzert: Es war mein zweites Die Happy Konzert (für fünf hatte ich schon Karten) und es war das zweite in der Centralstation. Nach den Erfahrungen bei New Model Army dachte ich nicht, dass ich ein großer Freund dieser Halle werden würde, aber Die Happy haben mich eines besseren belehrt. Die Bühne war größer, denn Marta braucht schließlich auch einen gewissen Aktionsradius, und es war nicht „batschkappmäßig“ überfüllt. Bei einem fast ausverkauften Konzert sollte wenigstens dem Publikum in manchen Ecken Platz zum Leben bzw. verschnaufen gelassen werden. Aus dieser Sicht war das Konzert gestern perfekt.

Nach diesem kleinen Exkurs aber wieder zurück zum musikalischen Teil: Um 21 Uhr kam als Vorgruppe die schweizerische Band Disgroove auf die Bühne, die mit Gitarre, Bass und Schlagzeug straighte Rockmusik spielten, ein Hören der CD sollte man in Betracht ziehen.

Fast pünktlich kamen um 22 Uhr Die Happy auf die Bühne und eindreiviertel Stunden rockiges Vergnügen konnten beginnen. Die Playlist enthielt erwartungsgemäß viele Titel des aktuellen Albums „Bitter to better“, aber auch alte Hits wie „Supersonic Speed“, „Slow day“ oder „Big boy“ durften natürlich nicht fehlen.

Einen besonderen Reiz bei Die Happy macht die Interaktion zwischen Marta und dem Publikum aus. Bei fast jedem Lied animiert sie die Menge mitzumachen oder mitzuklatschen und es wird wie bei wenigen anderen Bands einfach gemeinsam gefeiert. Es soll ja auch so mundfaule Bands geben, die vielleicht ein oder zwei Mal während eines gesamten Konzertes ein „Thank you“ über die Lippen bringen. Zum Glück ist dies bei dieser Band nicht der Fall und sowohl Marta als auch Thorsten machten diverse Ansagen, die sozusagen das Salz in der Suppe sind.

Als Überleitung zwischen „Get up“ und „Inside“ meine Marta, dass Bands mit einer Frau in der Band schon eine zu viel wäre und die Band damit verflucht sei. Zum Glück ist sie aber in der Band und erfreut das Publikum mit solch augenzwinkernden Aussagen. Diese Männer- und Frauenklischees griff sie auch bei der Überleitung zu „I am“ auf. Zunächst ging es um die Launen von Frauen vor, während und nach ihrer Periode und als Seitenhieb zum Schluss der Ansage meinte sie, dass die Männer in der Band in dieser Hinsicht viel schlimmer seien. Darauf streckte Ralph während des Liedes als Retourkutsche ihr die Zunge heraus und bekam dafür von ihr mit dem Handtuch den Mund abgewischt. Warum bringe ich so eine Anekdote vom Konzert? Ganz einfach: Sie spiegelt den Spaß der Band beim Spielen wieder, der sich dann wiederum auf das Publikum überträgt.

Als letztes Lied vor der Zugabe gab es dann „Blood Cell Traffic Jam“ und vor Beginn eben jener machte Thorsten Werbung für deutsche Bands und da vor allem Revolverheld, die Die Happy im Herbst auf ihrer Tour begleitet haben und heute Abend beim Bundesvision Song Contest antreten werden. Das erste Lied der Zugabe war „Slow day“ und in Ehrung guter deutscher Bands spielten sie mit Gesang von Thorsten „Little Girl“ von den H-Blockx. Während dieses Liedes saß Martha bei Jürgen, dem „schönsten und besten Schlagzeuger der Welt“, und filmte mit einer Handycam das Geschehen auf der Bühne und legte diese auch beim Anfang von „Supersonic Speed“ nicht aus der Hand.

Aus den bei den Konzerten gefilmten Aufnahmen will die Band auch einen Film machen, den es auf deren Homepage hoffentlich bald zum Download geben wird.

Der zweite Zugabenblock bestand dann aus dem 80er Klassiker „Maniac“ und „Stranded“. Da sich Marta während des Konzertes über die Bar in der zweiten Etage der Galerie ausgelassen hatte, bekam sie dann zum großen Finale, bei dem auch noch ein Gruppenfoto mit dem Publikum im Hintergrund geschossen wurde, von der gastronomischen Abteilung einen Cocktail überreicht.

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