Berlin (M.M.) - Das Mega-Event des Winters schlechthin: Der Start der Welttournee der Rockgiganten Alice Cooper und Deep Purple. Sozusagen als Superschnäppchen: "Zwei zum Preis von einem".
Da wir durch unseren Radiosender vorgewarnt worden sind, begaben wir uns frühzeitig zum Konzert, so dass wir pünktlich zum Einlass um 19:30 Uhr an der Max Schmeling Halle waren. Trotz des plötzlich eingetretenen Schneefalls und der dann nur durch zwei Eingänge geöffneten Halle konnte unsere Vorfreude nicht verschneit werden. Glücklicherweise hatten die Einlasser dann doch noch Mitgefühl und öffneten weitere Türen. So stürmten auch wir in das Innere der Halle. Die Zeit reichte gerade noch um die Jacken abzugeben (für die Glücklichen, die eine hatten…) und um ein Bier zu holen. Mit dem frisch gezapften Bier in der Hand und überlegend, in welche Richtung sich unser Trupp nun bewegen sollte, erklangen in unseren Ohren urplötzlich die ersten Töne von der Bühne.
Keine zwei Minuten später stand auch schon Rock-Oldie Alice auf der Bühne und grölte ins Mikrophon. Das Entsetzen über den plötzlichen Anfang war im ganzen Publikum zu spüren. Es stand zunächst wie versteinert da und so konnten wir uns einen angenehmen Standplatz in der 20´ten Reihe ergattern. Ich muss zugeben Alice Cooper war mir zuvor natürlich durch "Poison" bekannt aber live hatte ich ihn bisher nie gesehen. Von hinten wirkte er trotz seines Alters fast sexy. Den musste ich mir doch glatt vom Nahen betrachten. Im Rhythmus des vom Kiss-Drummer Eric Singer angegebenen Beats kämpfte ich mich weiter nach vorn. Klar war ich erstaunt über die tiefen Furchen in seinem Gesicht, aber was hatte man denn erwartet? Alice legte neben seiner genialen Musik auch noch eine sagenhafte Bühnenshow aufs Parkett, schaurig und spannend zugleich. Ich will ja nicht zuviel verraten, aber wer sich gern das Blut in den Adern gefrieren lässt, der kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Es gibt verwirrte Zombies, eine öffentliche Hinrichtung eines wahren Meisters, fiese Henker, eine wütende Band und eine sensationelle Wiederauferstehung. Neben der geilen Musik wurde das Publikum reich beschenkt mit "Dirty Diamonds" von Alice Cooper und Plektren des Gitarristen (der muss die wohl in Hunderter Packs erwerben).
Diese Show zu toppen ist nun fast unmöglich und ich würde lügen, wenn ich sage Deep Purple hätten es geschafft.
Der Gitarrist hatte keine Plektren für das Publikum und versuchte dies wohl mit Gitarrensolis wett zu machen.
Deep Purple starteten nach zwei Songs sofort los bis nach ganz oben und kamen dort leider kaum wieder runter. Bei den schrillen Gitarrensoli versuchte Ian Gillan gegen anzukommen, was er auch gut schaffte aber das Micro spielte nicht ganz mit. Auch Don Airey zeigte, dass seine Orgel da locker mithalten kann. Der arme Bassist dagegen ging leider etwas unter. Dafür war legte sich Drummer Ian total ins Zeug. Ihm allein zuzuschauen machte regelrecht Spaß. Nach 6-8 Songs Höhepunktlevel wurde es allerdings etwas langweilig. Mit den einstudierten Solis (wo natürlich auch das Gitarrensolo nicht fehlte) eines jeden Künstlers kam dann zwar noch einmal etwas Abwechslung in die Sache, brachte aber das Publikum auch nicht mehr zum beben.
Dennoch war es ein ganz gelungener Abend, der mich um zwei Rockerfahrungen und Alice Cooper um allermindestens einen Fan reicher machte.

