Saturday, 4. February 2012

Mainz, Frankfurter Hof, 05.12.2005
Melanie C @ Frankfurter Hof, MainzFoto: Thomas Stein

FRANKFURT/MAINZ (tms) – Was erwartet man von einem Konzert von einer Künstlerin deren momentan größter Hit das Titellied zu einer Telenovela ist und hitparadengerecht von Guy Chambers und Enrique Iglesias geschrieben wurde? Glücklicherweise kannte ich ja neben dieser Hit-Single auch das komplette aktuelle Album „Beautiful Intensions“, das Melanie Chisholm auf ihrem eigenen Plattenlabel „Red Girl Records“ herausgebracht hat und folgendes Motto beherzt hat: Mehr Gitarre als früher! Somit hoffte ich natürlich mehr auf ein Rock-Konzert als eine Pop-Show.

Allein die Ausstattung auf der Bühne ließ meine Hoffnungen schon in Erfüllung gehen. Akustische und elektrische Gitarren en Masse – das klassische Equipment für ein Rockkonzert. Der Größe der Location angepasst gab es auch keine Projektionen, Videoleinwände oder ähnliches und selbst auf einen Banner an der Bühnenrückwand wurde verzichtet.

Pünktlich auf die Minute (wie sollte es in Mainz auch anders sein) betrat Mel C um 21 Uhr in in-Stiefel-gesteckte Jeans und einem lila-blauen Satin-Top die Bühne. Gleich zu Beginn spielte sie von zwei akustischen Gitarren begleitet „Beautiful intensions“, das ich wie auf dem Album eher mit E-Gitarren erwartet hätte. Auch die weiteren Lieder am Anfang der Show wurden mehr oder weniger akustisch begleitet und stammten alle aus dem gleichnamigen Album.

Nach diesem ersten Block folgten mit „Northern Star“, „Yeh yeh yeh“, „Go“ und „Ga Ga“ ein Block aus Liedern ihrer ersten beiden Alben „Northern Star“ und „Reason“. Dabei griffen auch beiden Gitarristen in die elektrisch verstärkten Saiten und somit klangen die Songs wesentlich rockiger als auf den Alben, in denen nur so eine Alibi-Pop-Gitarre zu hören ist. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Songs live on Stage ganz neue Qualitäten entwickeln können – sie kommen einfach viel intensiver und druckvoller daher.

Während „You’ll get yours“ wurde wieder einmal die beliebte Instrumentierung mit einer E- und einer akustischen Gitarre gewählt. In diesem Lied verließ Mel C auch die Bühne und überließ die Bühne ihrer Band. Leider ging das Gitarren-Solo (zumindest an meiner Position zu der Zeit) ziemlich unter, da im Mix Schlagzeug und Bass zu laut waren.

In einem schwarzen Oberteil mit heller Wildlederweste kam die 31jährige zu „You will see“ zurück auf die Bühne und hatte ein T-Shirt aus der Gesäßtasche hängen wie einst Morrissey Blumen. Im Question & Answer-Bereich auf Mel C’s Homepage kann man folgenden Satz nachlesen: „I get really nervous before gigs and during the first couple of songs. [...] Then the adrenaline starts pumping and it feels great!“

Dies bestätigte sich auch beim Konzert in Mainz und sie schaltete für die weiteren Songs noch mal einen Gang hoch. Von nun an ließ sie sich richtig von der Musik treiben, machte Luftsprünge und schwang ihre Mähne in bester Metal-Manier. Daran konnte man erkennen, dass es wirklich IHRE Musik ist, die sie auf der Bühne mit Leib und Seele verkörpert. Nach dem Lied ist sie hinter den Köpfen des Publikums vor mir abgetaucht und hat noch etwas mit dem T-Shirt gemacht, das anschließend als Wurfpost den Weg zu einem glücklichen Fan im Publikum fand.

Bei „Never be the same again“ wurden wieder zwei akustische Gitarren ausgepackt und bei diesem Lied animierte sie auch das Publikum zum Mitklatschen und das ließ Mainz sich nicht zwei Mal sagen und machte gut mit. Auch gab es jetzt den ersten und einzigen Sing-along-Part und gerade die südeuropäischen Fans in der ersten Reihe machten kräftig mit (das taten sie eigentlich von Beginn des Konzertes an). Das Hitfeuerwerk ging anschließend mit „When you’re gone“ und „Going down“ weiter und endete in „Next best superstar“.

Die geschätzten 500 Fans im ausverkauften Frankfurter Hof feierten sie auch entsprechend. Mel C bauchpinselte das Publikum auch, denn sie sagte, dass es die Show von ihren bisherigen Deutschlandkonzerten bei der Tour mit dem lautesten Publikum war. Somit waren beide Seiten zufrieden und auch die Band schien bei guter Laune gewesen zu sein, denn in einem ruhigen Teil während „Next best superstar“ zeigte der eine Gitarrist einem Fan im Publikum noch die „lange Nase“. Nach diesem Lied war dann auch schon Schluss mit dem regulären Set.

Wie nicht anders zu erwarten, folgte in der Zugabe ihre aktuelle Single „First day of my life“ und den krönenden Abschluss des Konzertes bildete „I turn to you“. Das Lied begann sie zunächst wieder mit reiner Akustik-Begleitung im Unplugged-Stil. Darauf folgte die Vorstellung der Band und dann ging das Lied mit treibenden Dance-Beats unterlegt noch einmal richtig los. Nach 75 intensiven Minuten war das Konzert zu Ende.

Fazit:
Andere Stars werden mit zunehmendem Alter eher ruhiger, aber nicht so Mel C: Sie dreht hingegen immer mehr auf und aus dem einstigen „Sporty Spice“ wäre jetzt das „Rock Spice“ geworden, wenn es die Band noch geben würde. Ähnlich wie Robbie Williams hat auch sie es in meinen Augen geschafft, aus dem Schatten ihrer Girlgroup-Vergangenheit herauszutreten. Hoffentlich geht sie diesen Weg weiter und war nicht das letzte Mal bei uns auf Tour. Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall voll erfüllt.

Playlist

* Beautiful intensions
* Here & now
* Better alone
* Northern Star
* Yeh yeh yeh
* Go
* Ga Ga
* Don't need this
* You'll get yours
* You will see
* Never be the same again
* When you're gone
* Going down
* Next best superstar
Zugabe:
* First day of my life
* I turn to you

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