Foto: TiboloFRANKFURT (tms) – Schon auf dem Weg zur Jahrhunderthalle wurde deutlich – heute Abend findet etwas Großes statt. Als wir zur üblichen Zeit gegen 20 Uhr in Höchst ankamen, wurden wir von einer Autoschlange fast bis zur Autobahnabfahrt in Empfang genommen. Vor der Halle war der erste Parkplatz schon besetzt und der zweite wurde vier Autos vor uns geschlossen. Trotzdem ergatterten wir noch einen „VIP-Parkplatz“ direkt vor der Halle. Dies ließ schon einmal darauf schließen, dass das Publikum eher älter sein würde.
Durch diese ungeplante Verzögerung haben wir die Vorgruppe verpasst und hatten auch sonst nicht mehr viel Zeit vor dem Beginn des Hauptacts. Pünktlich um 21 Uhr betraten A-ha die Bühne und legten gleich mit der aktuellen Single „Celice“ los. Darauf folgten mit „Move to Memphis“ und „Stay on these roads“ ältere Werke, nach denen Magne das Publikum kundenfreundlich auf Deutsch begrüßte. Das weitere Konzert war eine bunte Mischung aus alten Hits und den Liedern aus dem neuen Album „Analogue“.
An dieser Stelle muss das Frankfurter Publikum ausdrücklich gelobt werden: Sowohl die alten als auch die neuen Songs wurden bejubelt und während des gesamten Konzertes wurde kräftig mitgesungen. In den hinteren Reihen wurde bei ruhigeren Liedern gerne mal ein Schwätzchen gehalten und somit hätte die Musikanlage auf ein paar mehr db eingestellt werden können. Dennoch hat der Sound in der Jahrhunderthalle mal wieder sehr gut gepasst und ich war nur froh, dass das Konzert nicht in der Festhalle war. Bei A-ha kommt es schließlich auch auf die leisen Töne an und ihre Musik ist wesentlich filigraner, bei der eine brachiale „britische Einstellung“ fehl am Platz gewesen wäre. Ich denke, dass an dieser Stelle eine Abhandlung über die musikalische Qualität der Band außen vor bleiben kann.
Auch wenn A-ha in den letzten Jahren öfter mal auf Tour waren, habe ich es gestern zum ersten Mal auf ein Konzert der Band geschafft. Beeindruckt von der Darbietung war es ein Fehler, die Band nicht schon einmal früher gesehen zu haben und im August nicht nach Oslo zum kostenlosen Open Air gefahren zu sein.
Besonders beeindruckend war, wie Morten Harket unterstützt durch seine Gestik so viel Leidenschaft in den Gesang bringt. Leider schien er Probleme mit dem In-Ear-Monitoring gehabt zu haben, denn er hat die ganze Show über an seinen Ohrstöpseln herumgebastelt. Zum Glück war es nicht so schlimm wie beim Live8 Konzert in Berlin und im Publikum bekam man dies auch nur optisch mit.
Ein absolutes Highlight war dann „Hunting high and low“ aus ihrem gleichnamigen Debut-Album aus dem Jahre 1985. Hier durfte das Publikum mitsingen und es tat es so gut und so lange, dass Morten (sichtlich selbst überrascht) gar keine Hilfestellungen mehr geben musste. Mein Nachbar kommentierte die Situation und die Stimmung nur mit dem Wort „Gänsehaut“ und dabei konnte es einem auch nur kalt den Rücken runterlaufen. Fast fließend ging es dann auch schon in „Take on me“ über.
Obwohl ich eigentlich erst in der Zugabe damit gerechnet hatte, war dann „The Living Daylights“ das letzte Lied des regulären Sets und auch hier hat das Publikum kräftigst mitgesungen, mitgeklatscht und einfach gut gefeiert. Wahrscheinlich war jetzt auch die Zeit gekommen, wo auch der letzte auf dem Rang aus dem Sessel gesprungen ist (zumindest ich konnte von unten niemanden mehr sitzen sehen). Fast ebenso furios ging es dann aber auch in der Zugabe weiter, denn mit „Analogue“ und „The Sun always shines on TV“ folgten auch direkt noch zwei Uptempo-Nummern.
Leider war dann nach „Dark is the night“ und nach ca. 110 Minuten Spieldauer das Konzert auch schon vorüber. Die Lightshow war ebenfalls sehr ansprechend und die komplette Bühnenrückwand war gespickt mit Lichteffekten. Teilweise erinnerte die Hintergrundbeleuchtung an den Matrix-Code. Sie war genau richtig dimensioniert und ab und zu waren ganz trickreiche Effekte zu sehen. Videoanimationen oder auch eine Leinwandübertragung wäre bei dem Konzert und der Hallengröße auch nicht angebracht gewesen.
Auch wenn die Tour unter dem Namen „Greatest Hits“ lief, hätten noch ein paar mehr alte Klassiker wie „Cry wolf“ oder „Touchy“ gepaart mit neuen Klassikern wie „Minor earth, major sky“ oder „Forever not yours“ gespielt werden können. Durch die gespielte Setlist hätte die Tour besser „Analogue-Tour“ genannt werden sollen.
Wenn ich jetzt schon bei den kritischen Punkten bei diesem sehr guten Konzert bin, dann fand ich, dass „Dark is the night“ ein wenig zu ruhig für ein letztes Lied war. Das ist aber Geschmackssache über die sich trefflich streiten lässt.
Playlist
* Celice
* Move to Memphis
* Stay on these roads
* The weight of the wind
* Cosy Prisons
* Manhattan skyline
* Scoundrel days
* Keeper of the flame
* Hunting high and low
* Take on me
* Holy ground
* crying in the rain
* Sommer moved on
* I call your name
* The living daylights
Zugabe:
* Analogue
* The sun always shines on TV
* Dark is the night
Total running time: 110 Minuten


