Foto: Thomas SteinFRANKFURT (tms) – In der Schweiz gehören Lunik fast schon zu den Nationalhelden, doch hier in Deutschland ist die Band leider noch nicht allzu weit bekannt. Die „Eroberung“ des großen Nachbarn begann Ende letzten Jahres mit der Veröffentlichung ihres 2003 erschienenen Albums „Weather“ und drei Clubgigs in Deutschland. Im Frühjahr dieses Jahres folgte dann eine ausgiebigere Tournee im Vorprogramm von Liquido ( wir berichteten ) und jetzt sind sie auf ihrer ersten eigenen Deutschland-Tour. Passend dazu ist auch am 28.10.2005 ihr sensationelles Live-Album „Life is on our side“ hierzulande erschienen.
Damit soll es aber auch genug sein mit dem Gerede über die Herkunft der Band, obwohl dies auch immer gerne für Vergleiche herangezogen wird (z.B.: „Toblerone unter den Schweizer Gruppen“). Gute Popmusik kennt keine Grenzen und ihre musikalische Bandbreite von sehr getragenen Liedern aus der Triphop Vergangenheit bis hin zu fröhlich leichten Nummern, ohne dabei in die Banalität der meisten Hitparadenproduktionen zu verfallen, macht den Reiz dieser Band aus.
Der Konzertabend begann sehr ungewöhnlich: Auf der Bühne war nur das Equipment von Lunik zu sehen und eine Nachfrage an der Abendkasse bestätigte die Vermutung. Zu meiner Freude und wahrscheinlich der Freude aller Werktätigen spielte Lunik an diesem Abend ohne Vorgruppe. Dieser „Kaltstart“ führte dazu, dass es zunächst noch ein wenig Berührungsängste gab und sich der Großteil des Publikums nicht so richtig nach vorne traute. „Sentimento“ war ein gelungener Opener und danach animierte Sängerin Jael in ihrer charmanten Art das Publikum ein wenig näher zu treten „und das nächste Lied ist eigentlich perfekt dazu, um aufzustehen und nach vorne zu kommen und ein bisschen mit den Beinen zu wackeln und dem Hintern zu wackeln“. Gesagt, getan und „Go on“.
Mit „New day“, „Waiting“ und „Summer’s gone“ folgte ein recht ruhiger Teil bis dann schließlich das Publikum endgültig mit dem luftig lockeren „The most beautiful song“ aus dem Globi-Soundtrack in den Bann der Band gezogen und nicht mehr losgelassen wurde. Bei vielen Konzerten gibt es solch einen Eisbrecher und dieses Lied ist so schön, dass es jeden Gletscher zum schmelzen bringen würde.
Von nun an bis zur Zugabe wurden ausschließlich Lieder aus dem „Weather“ Album gespielt, wobei es immer wieder ein Genuss ist, „Backup“ live zu hören. Bei den langsameren Liedern griff Jael zur akustischen Gitarre und bei den schnelleren wuselte (wu|seln – sich schnell bewegen; geschäftig hin und her wimmeln) sie auf der Bühne herum. Mit beeindruckend viel Liebe, Herz und Leidenschaft spielte die Band das Konzert und hoffentlich können die Konzertfotos einen Eindruck davon geben. Wer es nicht glaubt, soll sich einfach auf einem der weiteren Konzerte der Tour davon selbst überzeugen. Mit der schnellsten und rockigsten Nummer „You won’t Stop me“ wurde dieser erste Teil des Konzertes beendet.
Die Zugabe begann mit „Other side“ von ihrem ersten Album, bei dem fast nur Jacob und Jael beteiligt waren. Die Überraschung des Abends folgte danach mit dem allerersten Lunik Song „Rumour“. Der Anfang war noch „normal“, doch dann endete das Lied in einer mit Dancebeats untermauerten infernalen Klangwand. Mit „Mastermind“ von ihrem zweiten Album „Ahead“ verließ die Band erneut die Bühne.
Sie kamen aber für „Slide“ noch einmal zurück, das auch von einzelnen aus dem Publikum lautstark gefordert wurde. Da man in der ersten Reihe, die auch ein wenig Respektabstand zur Bühne hielt, um der Band nicht direkt auf den Füßen zu stehen, die Setlist mitlesen konnte, bleibt die Frage: Warum wurde bei der zweiten Zugabe nicht noch „Prisoner“ gespielt?
Insgesamt war die Setlist aber ein gelungener Querschnitt der bisherigen Lunik Alben. Ich hätte mich noch sehr über „So on“ und „Static“ gefreut, aber diese Lieder tauchen vielleicht bei einer der kommenden Tourneen wieder auf der Playlist auf.
Playlist
Sentimento
Go On
New day
Waiting
Summer's gone
The most beautiful song
Back up
Her name
Through your eyes
Weather
You won't stop me
Zugabe #1:
Otherside
Rumour
Mastermind
Zugabe #2:
Slide


