FRANKFURT (tms) - Oasis zählen wahrscheinlich zu den skandalreichsten Bands der jüngeren Rockgeschichte und regelmäßig tauchen Gerüchte bezüglich einer Trennung auf, da sich die beiden Brüder Liam und Noel Gallagher mal wieder in den Haaren haben. Um die Band ist es zwar ruhiger geworden, als in der zweiten Hälfte derImage Neunziger, in der die Britpop-Welle ihren Höhepunkt hatte. Dennoch veröffentlichen Oasis noch regelmäßig neue Alben und präsentieren diese live.
Beim gestrigen Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle hatten sie ihr 2005er Album "Don't believe the truth" im Gepäck. Auch bei diesem Album präsentieren sie sich als gekonnte "Wiederaufbereitungsanlage", nahezu bei jedem Lied erkennt man Ähnlichkeiten zu fremden oder auch ältern Oasis Liedern. Dennoch schaffen sie es immer wieder auch bereits bekanntes als typischen Oasis-Song zu verpacken.
Getreu dem klassischen Werbespruch von Persil ("Das weiß man, was man hat") blieben Oasis somit, sowohl beim Album, als auch bei der Bühnenschau, ihren eigenen Traditionen treu. Ebensowenig innovativ wie "Don't believe the truth" war auch das Konzert, denn auch hier weiß man, wenn man schon ein Konzert der Band besucht hat, was den Besucher erwarten wird. Die gesamte Band stand recht statisch auf der Bühne und Liam sang wieder in seiner unverwechselbaren, sich schräg zum Mikrofon windenden, die Hände auf dem Rücken verschränkenden Pose.
Die Songauswahl des Abends war eine gelungene Mischung aus den Liedern des neuen Albums und ihren beiden erfolgreichesten Hit-Alben "Definitely maybe" und "(What's the story) Morning glory". Aus welcher Zeit ein Lied stammte ließ sich an der Stimmung bzw. der "Aktivität" des Publikums in der ausverkauften Jahrhunderthalle ablesen. Während bei den neuen Titeln vor allem die Fans im Zentrum vor der Bühne für Stimmung sorgten, klatschte das gesamte Publikum bis in die letzte Reihe bei den Klassikern mit. Bis auf eine Reihe Fans in der ersten Reihe des Ranges bevorzugten die meisten Zuschauer dort, das Konzert im Sitzen zu verfolgen. Auch später ließen sich nur einige dazu verleiten, das Konzert im Stehen zu sehen. Andere machten es sich sogar so gemütlich, dass sie ihre Füße auf der Brüstung ablegten. Ein sehr skruiler Anblick für ein Rock-Konzert, aber abgesehen von solchen vereinzelten Ausrutschern wurde krägtigst gefeiert und "Oasis" skandiert
Im Gegensatz zu der recht statischen Bühnenshow hatte Oasis überdurchschnittliche Lightshow im Gepäck. Auf, über und hinter der Bühne wurde ein wahres Lichtfeuerwerk gezündet. Audience-Blinder, Lichtbänder, Stroboskope, etc. – fast alles bis auf eine Video-Animation kam zum Einsatz. Ebenso opulent wie die Lightshow war auch die aufgefahrene Musikanlage, die auch wesentlich größere Hallen problemlos hätten beschallen können. In einem Audio Beispiel zu einem virtuallen Gitarren-Verstärker wurde die sog. britische Einstellung (alle Regler nach rechts) vorgestellt. Oasis setzen diese grandios um.
Damit waren die besten Voraussetzungen geschaffen, dass es Oasis richtig krachen lassen konnten und sie "rockten" von Anfang an. Während "Don't look back in anger" und "Mucky fingers" überließ Liam seinem Bruder Noel das Mikrofon und verschwand wärend dieser Wechsel hinter der Bühne. Leider war auch bei einem von Noel gesungenen Lied zu beobachten, dass die Stimmung und die Reaktionen des Publikum für diesen Abend am mäßigsten waren. Liam hingegen schien an diesem Abend für seine Verhältnisse gut aufgelegt gewesen zu sein.
Interaktion mit dem Publikum war nicht vorhanden. Es gab keinen Sing-along-part und auch Ansagen durch Liam oder Noel waren kaum vorhanden. In der zweiten Konzerthälfte ließ sich Liam allerdings bei mehreren Liedern sogar dazu verleiten, die Lieder anzusagen. Mehrmals posierte er auch für die Fans und ließ in stoischer Ruhe Fotos von sich machen.
Ein absolutes Highlight und auch das Stimmungshoch an diesem Abend war der The Who Song "My Generation", der als letztes Lied gespielt wurde. Drummer Zak Starkey, der früher eben bei The Who spielte, verließ die Band, um bei Oasis zu spielen. Nebenbei sei noch bemerkt, dass er der Sohn des Beatles-Drummers Ringo Starr ist und in Johnny Marr's Band The Healers spielte. Somit schließt sich der Kreis durch ihn um die Geschichte des britischen Rock'n'Roll. Er verlieh allen Songs genau das druckvolle Element, das es benötigte, um durch den übrigen Klangteppich durchzudringen.
Nach dem Konzert waren im Foyer der Jahrhunderthalle so viele Jungs mit blankem Oberkörper zu sehen, die sich von dem Auftritt erholten wie selten in dieser Location. Auch schon während des Konzertes waren im hinteren bzw. seitlichen Bereich der Halle einige zu sehen, die nicht mehr auf den Beinen halten konnten/wollten und liegen bevorzugten. Ab und an flogen auch mehr oder weniger mit Bier gefüllte Plastikbecher quer durch das Publikum. That's true Rock'n'Roll!
Playlist:
1. Fuckin' in the bushes
2. Turn up the sun
3. Lyla
4. Bring it on down
5. Morning Glory
6. Cigarettes & Alcohol
7. The importance of being idle
8. A bell will ring
9. Acquiesce
10. Live Forever
11. Mucky Fingers
12. Wonderwall
13. Champagne Supernova
14. Rock 'n' Roll Star
Zugabe:
15. Guess god thinks I'm abel
16. The meaning of soul
17. Don't look back in anger
18. My generation (The Who-Cover)

