Foto: Thomas Stein„Die Happy“ und die „H-Blockx“ brachten den See zum Kochen
FRANKFURT (tms) - Open Air Konzerte auf dem Strand von Badeseen sind immer etwas besonders. 10 Jahre nach den legendären Konzerten am Dürener Badesee tauchte plötzlich das Open Air an der „Sehring“ im Konzertkalender auf und es stand sofort fest, dass dieses Open Air am Badesee im Rhein-Main-Gebiet besucht werden musste. Bei solch einer Veranstaltung kommt es nicht nur auf die dort präsentierte Musik an, sondern alleine schon das für Konzerte ungewöhnliche Ambiente macht diese Open Airs so unvergesslich.
Veranstaltet wurde das Open Air im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der DLRG-Jugend Hessen. Dies spiegelte sich auch schon auf dem Parkplatz in der Nähe des Strandbades wieder, denn DLRG-Fahrzeuge aus ganz Hessen waren dort zu sehen. Wer früh zum Konzert kam, konnte sich die Zeit beim Sony Playstation Truck vertreiben. Über den Singstar-Contest konnte man sogar Zutritt zum VIP-Bereich erhalten, in dem man umsonst essen und trinken konnte. Diejenigen, die nicht sangen, konnten sich bis zur ersten Band bei um die 25°C und bedecktem Himmel in dem weitläufigem Areal mit entspannen auf dem Strand oder Baden gehen die Zeit vertreiben.
Revolverheld
Pünktlich nach Zeitplan betraten Revolverheld um 17 Uhr die Bühne. Die junge Hamburger Band, die sich schon durch Auftritte im Vorprogramm von Martin Kesici, Silbermond, den Donots und Udo Lindenberg einen Namen gemacht hat, kam die undankbare Aufgabe zuteil, das Open Air zu eröffnen.
Die meisten Zuschauer waren zwar noch auf dem Hang zwischen Bühne und Gastronomie verteilt, aber dennoch waren ein paar Leute an der Absperrung vor der Bühne. Trotz der spärlichen Kulisse spielten Revolverheld professionell auf und rockten darauf los, als spielten sie vor ausverkauftem Haus. Dennoch blieben Umstände von der Band nicht unkommentiert, aber so hatte der Auftritt auch seinen Charme und fast schon eine persönliche Note.
Fünf junge, weibliche Fans sorgten in der ersten Reihe ständig für Stimmung. Dies nahm Sänger Johannes zum Anlass, diese zum Lied „Rock ‚n’ Roll auf die Bühne zu holen. Sie positionierten sich um zwei Mikrofone, durften mitsingen und mitspringen. Ein wenig bizarr wirkte es, als sie vor den wenigen Zuschauern die „Beste Zeit deines Lebens“ sangen, aber trotzdem überzeugten sie mit ihrem straighten Rock.
In dem Set durfte auch die aktuelle Single „Die Welt steht still“ nicht fehlen, die im Moment auch den Sprung in das Musikfernsehen geschafft hat. Nach dem Auftritt kam der Sänger auch noch einmal von der Bühne herunter und klatschte alle Zuschauer in der ersten Reihe ab. Jeder Anfang ist schwer, aber Revolverheld werden bestimmt ihren Weg gehen. Im Herbst werden sie Support vom späteren Headliner Die Happy sein und auch dort bestimmt einige Fans für sich gewinnen können.
Wunder
Ursprünglich sollten Wunder das Open Air eröffnen, aber dieser Kelch ist durch die Absage von Liquido an ihnen vorüber gegangen. Das Quartett um Frontfrau Katrin Schröder existiert schon seit 1995. Ihnen gelang dieses Jahr ein erster Charterfolg mit der Single „Was uns wach hält“. Dennoch ist es Wunder bis jetzt nicht gelungen vom aktuellen Hype um deutschsprachige Bands mit Sängerin zu profitieren.
Wunder mussten vor ähnlich kärglichem Publikum spielen wie zuvor Revolverheld, doch es kam weniger Stimmung auf als bei der Band zuvor. Ungünstig war auch, dass sie mitten im Set ein Lied gespielt haben, dass Textzeilen wie „danke und auf wiedersehen“ und „ich muss jetzt gehen“ enthielt. Dies vermittelte den Publikum den Eindruck, als wäre es schon das letzte Lied. Selbst die erste und einzige Reihe lichtete sich während ihres Auftrittes. Ein paar Fans, die weiter hinten standen, zeigten sich aber solidarisch mit der Band und füllten diese Lücke wieder.
Massive Töne
Nach Rock von Revolverheld und Pop von Wunder kamen die Massiven Töne auf die Bühne, um eine weitere Zielgruppe des Sponsors YouFM zu bedienen. Während des Auftritts begann es zu dämmern und sie waren die erste Band bei dem Festival, die es geschafft hat, den Grossteil des Publikums von ihren Liegeplätzen vor die Bühne zu bewegen.
Selbst eingefleischte Rockfans, die wegen den H-Blockx und Die Happy dort waren und vor dem Auftritt Hip Hop sehr skeptisch gegenüber standen, waren danach positiv überrascht. Die Massiven Töne haben das Publikum zum Kopfnicken und Mitmachen gebracht. Man merkte ihnen die jahrelange Bühnenerfahrung an und sie schafften es, das Publikum zu begeistern.
Vor allem beim ihren letzten Lied, der HipHop-Single 2002, „Cruisen“ kamen nachmal einige mehr von hinten nach vorne in die feiernde Menge gerannt. Auch wenn sie an diesem Abend die musikalischen Exoten unter den Bands waren, haben sie das Programm wirklich bravourös abgerundet.
Mitten im Auftritt der Töne begann es auch leicht zu nieseln, doch dies störte zum einen nicht weiter und zum anderen sollte es auch kurz vor den H-Blockx aufhören. Somit hatte die Wettervorhersage zum Glück nicht Recht, denn die angekündigten Schauer und leichten Gewitter sind ausgeblieben. Trotzdem standen wohl einige dem Wetter skeptisch gegenüber und sind wohl auch deshalb zu Hause geblieben.
H-Blockx
Pünktlich mit den H-Blockx um kurz nach 21 Uhr versammelte sich auch fast das komplette Publikum vor der Bühne. Mittlerweile waren um die 2.000 Gäste im Strandbad, das mit einer Kapazität von 10.000 angegeben wurde. Die Zuschauer, die dort waren, erlebten daher ein schon fast familiäres Konzert und Sänger Henning kommentierte die Situation damit, dass es egal sei, ob 2.000 oder 10.000 Leute da wären, ob der Funke von der Band auf das Publikum überspringe oder nicht. Der Funke ist gesprungen.
Den H-Blockx eilt bekanntlich ein Ruf als sehr gute Live-Band voraus und dieses bestätigten sie in Langen eindrucksvoll. Von Beginn an gab die Band Vollgas und ließ dem Publikum keine andere Wahl, als mitzumachen. Wenn eine Band mit „The Power“ anfängt, dann ist das zwangsläufig auch das weitere Motto der Show.
Auch wenn immer wieder Mitglieder die Band verlassen haben, ist es umso erfreulicher, dass Henning und Tim nie aufgesteckt haben und schon an ihrem nächsten Album arbeiten. Eine Auflösung von den H-Blockx wäre ein Verlust für die deutsche Musik.
Da die Band aus einem Repertoire, das mittlerweile aus fünf Alben besteht, schöpfen kann, waren auch nicht eingefleischte H-Blockx Fans mit vielen Titeln des Programms vertraut, obwohl manche im Publikum aussahen, als hätten sie noch Windeln angehabt, als H-Blockx 1993 mit „Risin’ High“ die Crossover-Hymne schlechthin in den Charts hatten. Weitere Hits wie „Leave me alone“, „The power“, „Celebrate youth“, „Move“ und „Little girl“ durften bei dem Konzert natürlich nicht fehlen. Als Intro zu „Say baby“ wurde erstmal „Wonderwall“ von Oasis zum Besten gegeben.
Zwischenzeitlich gab es mehrere Lieder lang Probleme mit dem Mikrofon bzw. dem In-Ear-Monitoring von Henning, so dass er sich oft zum Soundtechniker umschaute und das Publikum fragen musste, ob er überhaupt gehört werden könne. Da der Gesang aber mit kleineren Aussetzern beim Publikum ankam, tat dies der Stimmung auch keinen Abbruch.
Man soll zwar aufhören, wenn es am schönsten ist, aber Zugaben sind bei Konzerten immer willkommen. Somit bildete als zweites Lied der Zugabe die Coverversion von „Ring of fire“ dann den wohl schon traditionell gewordenen Abschluss des Auftrittes der H-Blockx. Mit dem Schlusspfiff der H-Blockx begann zeitgleich das Original von Johnny Cash von Band als Kehrausmusik und die nächste und letzte Umbaupause für diesen Tag sollte kommen.
Die Happy
Die Organisatoren hatten den Zeitplan wirklich gut im Griff und er geriet nur ganz am Ende bei Die Happy ins Wanken. Mit nur einer Viertelstunde Verspätung betraten Thorsten (Gitarre), Ralph (Bass) und Jürgen (Schlagzeug) die Bühne und rockten von der ersten Sekunde richtig los. Nachdem dieses erste Feuerwerk gezündet war, gab sich auch Marta die Ehre und sie begannen gleich mit dem Hit, der ihren Durchbruch bedeutete: „Supersonic Speed“ und dieser Titel sollte auch Programm sein.
Da das Adrenalin Open Air eines der letzten Festivals in diesem Jahr ist, war es auch das letzte Mal für Die Happy, dass sie dieses Live-Set spielen würden und bildete den Abschluss ihrer Open Air Saison. Da sie das Set den Sommer über gespielt haben, waren auch nicht viele Lieder ihres vor zwei Wochen erschienen neuen Albums „Bitter to better“im Programm. Daraus wurden die neue Single „Big big trouble“ und „Blood cell traffic jam“ gespielt. Inwieweit das Publikum mit dem neuen Material vertraut war oder nicht, war nicht zu erkennen, da es von Anfang bis Ende voll bei der Sache war.
Nachdem das Adrenalin das erste Mal so richtig gestiegen war und sie eine schnelle Nummer nach der anderen gespielt hatten, durften sich die Band und das Publikum bei einem ruhigeren Zwischenspiel erholen, bei dem die Band sich im Stile eines Unplugged-Konzertes mit akustischen Gitarren bewaffnet auf Barhockern niederließ. Es wurde ein Medley gespielt, dass in einem Sing-Along-Part bei „Slow day“ endete.
Die ruhigere Phase währte aber nicht allzu lange und es wurde unaufhörlich weiter gerockt. In dem Programm durften natürlich Hits wie „Go for it“, „Not that kind of girl“ oder „Big boy“ nicht fehlen.
Bei einem Konzert von Die Happy ist es nahezu unmöglich, sich der Energie und Freude, die die charismatische Marta Jandova auf der Bühne ausstrahlt, zu entziehen. Die gute Laune und der Spaß an der Musik sind einfach ansteckend. Sehr erfrischend sind auch ihre kleinen Ansprachen zwischendrin. Der von ihr erklärte Unterschied zwischen Blättern und Sand sollte an dieser Stelle außen vor bleiben.
Es muss so gegen 0:30 Uhr gewesen sein, als das Konzert vorüber war und die Konzertbesucher machten sich zufrieden durch den dunklen Wald wieder auf den Weg nach Hause.
Fazit:
Aus Sicht der Fans war das Adrenalin Open Air ein voller Erfolg. Viele Fans waren wahrscheinlich auch froh, dass es nicht so voll war und somit niemand wirklich weit weg von der Bühne stehen musste. Außerdem wird das Konzert allen Besuchern in Erinnerung bleiben, denn Konzerte an außergewöhnlichen Orten, wie in diesem Fall am Badesee, bleiben einfach in Erinnerung.
Inwieweit es für den Veranstalter, die DLRG-Jugend, ein Erfolg war, weiß ich leider nicht und das wird wahrscheinlich auch erst der Kassensturz ergeben, aber wenn nur um die 2.000 Gäste dort waren, ist dies sehr fraglich. Trotzdem wurde das Publikum vom DLRG Sprecher mit der Ansage verabschiedet, dass man sich im Jahr 2006 wieder sehe. Ich bin davon überzeugt, dass wenn es ein nächstes Mal gibt, viele der Fans von gestern wieder dort sein werden, da es einfach außergewöhnlich ist.
Hoffentlich gibt es ein nächstes Mal, denn die Rhein-Main-Region hat einfach ein regelmäßiges Festival verdient und bei einem Einzugsgebiet mit mehr als 5 Millionen Menschen sollten sich einfach mehr Musikfans mobilisieren lassen.


