…oder eine Frau ist mit The Cure „on the road again“
Foto: Uwe SchottFRANKFURT/KIRCHHEIM/BONN (tms, mkr) - Auch wenn die meisten jetzt durch den Untertitel der Überschrift verwirrt wurden, wird dies aufgelöst und besten fangen wir gleich mal damit an. Katie Melua betrat pünktlich um 20:15 Uhr die Bühne auf dem Museumsplatz in Bonn und begann mit dem Klassiker „On the road again“. Das Publikum, das erstaunlicherweise sehr gemischt war, ging vom ersten Moment mit und auch das war für diese Art der Musik ziemlich untypisch. Während eines Solo-Parts schüttelte sie ihre gewellte Mähne fast schon in Headbangermanier. Dies wurde auch während des dritten Titels konsequent durchgezogen als sie mit „Crawling up the hill“ einen ihrer Lieblingssongs spielte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits das gesamte Publikum mit ihrer Stimme, die in ein elfenhaftes Kleid wie aus einer Fabelgeschichte gehüllt war, in ihren Bann gezogen. Um beim Thema Stimme zu bleiben, muss man attestieren, dass Katie Melua ihr „Instrument“ in Perfektion einzusetzen weiß. Ein Unterschied zwischen live und Studio war kaum zu erkennen, so klar war ihr Stimme an diesem Tag und auch das von ihr typische Langziehen bestimmter Töne meisterte sie mit Bravour. Dazu kommt ihre unglaubliche Begeisterung für die einzelnen Songs und man konnte sehr deutlich sehen, dass sie sich in ihnen direkt „verloren“ hat. Dies machte einen großen Faszinationsfaktor dieses Konzertes aus und es ist immer etwas besonderes, wenn Künstler wie Katie Melua in ihren Songs aufgehen, was zu einer ganz eigenen Stimmung bei Konzerten führt.
Katie ist nicht unbedingt eine Künstlerin, die den großen Dialog mit dem Publikum sucht. Stattdessen lässt sie lieber ihre Songs sprechen, aber zwischendrin überraschte sie das Publikum, in dem sie von einem Fahrradausflug am Vormittag in Bonn erzählte. Vor „My Aphrodisiac is you“ merkte Katie an, dass sie normalerweise bei diesem Lied das Publikum zum Mitklatschen animieren würde, dies aber in Bonn nicht nötig sei, da die fachkundigen Zuhörer dies sowieso schon machten.
Die Songauswahl war eine Mischung aus fast dem kompletten Debut-Album „Call off the search“ und dem am 26.09.2005 erscheinenden neuen Album „Piece by piece“, wobei viele der neuen Songs dem interessierten Publikum schon von der Live-DVD „On the road again“ bekannt waren. Zu den neuen Songs zählten „On the road again“, Spider’s web“, „Piece by piece“, „I cried for you“ und auch die neue Single „9 Million Bicycles“.
Bestimmte Stationen ihres Lebensweges wurden an diesem Abend musikalisch dokumentiert. Ihrem Geburtsland Georgien zollte sie mit dem Volkslied „Chemo Tsitsi Natela“ Tribut und in Erinnerung an ihre Zeit in Nordirland spielte sie „Belfast (Penguins & Cats)“.
Ein Überraschungsmoment lieferte sie nach ca. einem Drittel des Konzertes mit einer Cover-Version des The Cure Klassikers „Just like heaven“, wobei sie dem Lied in ihrer Interpretation eine ganz eigene Note verlieh, was nur die Qualität des Originals und ihrer Bearbeitung unterstreicht. Doch an diesem Abend sollte es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass The Cure durch eine Interpretation von Katiel Melua geehrt wurden. Nach ca. zwei Drittel des Konzertes folgte noch „Love cats“ bei dem das Publikum erneut mitklatschte, da nicht viele Lieder gespielt wurden, die zum Mitklatschen geeignet waren.

Foto: Uwe Schott
In diesem Zusammenhang muss angemerkt werden, dass die Stimmung auf dem Museumsplatz während des gesamten Konzertes sehr gut war. Dies ist umso verwunderlicher, da die Musik von Katie Melua eher eine Assoziation zu bestuhlten Konzertsälen wie dem Großen Saal der Alten Oper nahe legt als eine Open Air Bühne.
Gegen halb zehn war das eigentliche Set beendete und Katie samt Band verließen die Bühne. Als erste Zugabe wurde „I put a spell on you“ gespielt, bei dem zunächst ein Musiker der Band nach dem anderen mit einem Solo auf die Bühne kamen, bis dann schlussendlich Katie mit dem Gesang dazu stieß. Während diesem Lied konnten sich alle Musiker an ihren Instrumenten noch einmal so richtig austoben und anschließend verabschiedete sich die Band für diesen Abend. Zurück blieb nur Katie Melua mit ihrer akustischen Gitarre, um mit dem neuen, sehr ruhigen und getragenen Song „I cried for you“ das Konzert zu beenden. Dieser Song bildete einen gelungen Abschluss für ein gelungenes Konzert.
Normalerweise bleibt von einer Vorgruppe nicht viel im Gedächtnis bzw. es wird auch i.d.R. der Vorgruppe nicht viel Aufmerksamkeit gewidmet, doch bei diesem Konzert sollte dies anders sein:
Aus organisatorischen Gründen waren wir erst um 19:00 Uhr auf dem Parkplatz neben dem Museumsplatz angekommen. Als wir auf dem Weg vom Parkplatz zum Open Air Gelände waren hörten wir schon ruhige, angenehme Musik spielen. Da Konzerte auf dem Museumsplatz um 22:00 Uhr vorüber sein müssen, war klar, dass die Vorgruppe schon auf der Bühne stand.
Beim Betreten des Geländes war der Museumsplatz schon komplett gefüllt und das gesamte Publikum hörte dem ziemlich akustischen Set (die Bassdrum war oder sah aus wie eine Bananenkiste) der hübschen Sängerin auf der Bühne zu. Nach jedem Lied bekam sie so viel Beifall, dass die Frage nahe lag, ob dies überhaupt die Vorgruppe sei. Nachdem sie ihr Set beendet hatte (sie muss mind. 45 Minuten gespielt haben), forderte das Publikum sogar noch eine Zugabe von ihr. Freundlicherweise durfte sie sogar noch für einen weiteren Titel zurück auf die Bühne.
In der Umbaupause kam die uns bis dato noch unbekannte Sängerin sogar noch einmal zum Publikum und gab in den Fans in der ersten Reihe Autogramme. Einer dieser Fans stand später für kurze Zeit direkt vor uns und auf der Autogrammkarte konnten wir den Namen „Ira Losco“ lesen. In der Zwischenzeit haben die Nachforschungen ergeben, dass sie 2002 beim Eurovision Song Contest den 2. Platz für Malta (ihre Heimat) belegt hat.
Die Wartezeit auf Katie Melua verging bei gutem Wetter in Bonn ziemlich schnell und das Publikum wurde vom Kamerateam bei Laune gehalten. Zwischendrin wurde ein sich küssendes Pärchen aus der Menge mit dem Untertitel „nochmal“ auf den Videowalls gezeigt. Als sie dann irgendwann gemerkt hatten, dass sie auf den Leinwänden waren wurde der nächste Kuss mit dem Untertitel „guuuuuut“ kommentiert.
EURO/Konzertminute:
38,30 EUR/95 Min. = 0,40 EUR/Min.


