FRANKFURT/BERLIN (tms) - In der allgemeinen Kartenhektik und U2-Euphorie haben wir keine Karten für die Schalke-Arena bekommen. Auch als Restkarten dafür im Internet auftauchten war ich zu langsam, so dass ich dann zugeschlagen habe, als noch einmal Karten für Berlin aufgetaucht sind. Im Endeffekt hätte man sich den ganzen Stress sparen können, denn vor dem Olympiastadion wurden dann wegen des Überangebotes an Karten diese für einen Spottpreis verkauft.
Nachdem ich die Karten wirklich in den Händen hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer günstigen Möglichkeit, um nach Berlin zu kommen und am billigsten und stressfreisten war dann das Flugzeug. So bin ich im Donnerstag früh (8.20 Uhr) mit einem völlig ausgebuchten Flieger nach Berlin und stand gegen 10 Uhr mit meinem Gepäck am Flughafen in Tegel. Wider erwartend fährt in Berlin keine S- oder U-Bahn zum Flughafen, aber dafür gibt es den TXL Bus, der ziemlich häufig fährt. Mit ihm machte ich mich dann auch auf den Weg zum Alexanderplatz, um von dort an mit der U-Bahn zum Frankfurter Tor zu fahren. Im Nachhinein musste ich feststellen, dass mein Hotel näher an der S-Bahn Station Warschauer Strasse lag als an der U-Bahn Station, aber der Unterschied war nicht zu tragisch.
Da ich ziemlich früh im Hotel war, musste ich noch ein wenig warten, bis mein Zimmer bezugsfertig war. Um kurz vor zwölf bekam ich dann schließlich meinen Schlüssel überreicht und ging auf mein Zimmer. Dort griff ich als erstes zur Fernbedienung und war erstmal geschockt von Bildern, die aus London gezeigt wurden. Über den Mittag verfolgte ich die Berichterstattung über den Terroranschlag in London bis ich dann am frühen Nachmittag den Weg in Richtung Olympiastadion antrat. Von der Erhöhung der Sicherheitsstufe im Berliner U- und S-Bahn-Netz habe ich aber im Gegensatz zu den Fernsehberichten gar nichts mitbekommen.
Zuerst fuhr ich mit der S-Bahn durch bis Tresow, um mich dort am Bahnhof bzw. vor dem Hotel mit Michael samt Freunden zu treffen. Von dort aus ging es wieder eine Station zurück bis Pichelsberg, um von dort aus zum Olympiastadion zu laufen. Auf dem Weg dorthin gab es noch ein Bratwurst auf die Hand und anschließend setzen wir uns vor dem Stadion in einen Biergarten (Olympia Terrassen oder so ähnlich).
Um 17.30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg auf das Stadiongelände und glücklicherweise war auch der Regenschauer, der kurz vorher eingesetzt hatte, auch schon wieder vorüber. Der Web über die Merchandising-Stände komplett auf die andere Seite das Stadions brauchte auch seine Zeit und um kurz nach sechs waren wir dann auf unseren Plätzen. Die «Kaiser Chiefs» spielten bereits, aber die Ränge waren noch ziemlich leer. Sie spielten bis ca. 18.45 Uhr.
Von 19.15 bis fast 20 Uhr spielten dann «Snow Patrol», bei denen auch das Publikum schon gut Stimmung gemacht hat. Wie zu erwarten war, sollte es bis ca. 21 Uhr dauern bis U2 auf die Bühne kamen. Die Wartezeit vertrieb sich das Publikum, in dem eine Laola nach der anderen durchs Stadion ging.
Um 21 Uhr liefen die «Gladiatoren» dann ins Stadion ein und von unserem Platz auf dem Rang konnten wir sie auch schon sehr früh sehen. «Eins, zwei, drei, vier» und «Vertigo» eröffnete das Konzert. Im Innenraum sah man nur noch Arme und Hände und auch auf dem Rang blieb ab der ersten Sekunde niemand mehr sitzen. Es war wirklich eine sehr gute Stimmung im Stadion in Berlin.
Mit «I will follow» und «Electric Co.» folgten zugleich zwei Klassiker aus der Frühzeit der Band, bei denen sich die Stimmung von einem Höhepunkt zum nächsten bewegte. Auch die Band schien locker drauf zu sein, denn während «I will follow» setze sich Bono gemütlich an den Bühnenrand und wechselte seine Schuhe oder ließ so neu binden. «Elevation» unterbrach die alten Hits kurz bis es dann mit «New year’s day» weitergehen konnte. In Anspielung an das Live8 Konzert am 02.07.2005 sang Bono bei «Beautiful day» noch den Refrain von «Sgt. Pepper’s Lonely Hears Club Band».
Danach lief das Konzert in einer riesen Party einfach weiter ab, bis mit «Sunday bloody Sunday» der nächste richtige Hammer kam und Bono wieder mit Augenbinde an der Drum stand. Den Song «Running to stand still» widmete die Band dann den Opfern und angehörigen des Terroranschlages in London vom Vormittag und in dem Lied gab es auch ein Snippet von «Amazing grace». Mit «Pride», «Where the streets have no name» und schlussendlich «One» beendeten sie das «normale» Set und gingen das erste Mal von der Bühne.
Vor «One» schilderte Bono die Situation der Menschen in Afrika und proklamierte die Forderungen von Live8. Er verwies auch auf den G8-Gipfel und erklärte, dass am folgenden Tag die mächtigsten Männer der Welt die Möglichkeit hätten, den Schuldenerlass sowie die Entwicklungshilfe voranzutreiben. Bei den Live8-Forderungen applaudierte das Publikum noch heftig, doch als Bono erklärte, dass wenn Bundeskanzler Schröder zum Held werden würde, wenn er die Forderungen mit umsetzen würde, war der Applaus doch wesentlich verhaltener.
Wie auch schon bei den anderen Konzerten der Tour bestand der erste Zugabenblock aus «Zoo Station», «The Fly» und «With or without you», wobei Bono am Ende von «Zoo Station» immer «Zoo Bahnhof» sang. Entweder war das Publikum mit «The Fly» nicht so vertraut oder der ersten eindreiviertel Stunden Konzert hatten schon Spuren hinterlassen, denn der Innenraum tat sich schon etwas schwer, die Hände in die Höhe zu bekommen.
Der zweite und letzte Zugabenblock bestand dann aus «All because of you», «Yaweh», einem Happy Birthday-Ständchen und zum Finale noch einmal «Vertigo». Bei «Vertigo» sang Bono als Erinnerung an die Ramones «Rockaway Beach» und «Gabba Gabba Hey». Somit war das Konzert gegen 23.10 Uhr vorüber und ich war darüber auch ganz froh, da ich schon ein wenig fertig war (der Tag war mit 5.15 Uhr aufstehen auch schon ziemlich lang).
Nach dem Konzert dauerte es fast eine Stunde bis wir einmal ums Olympiastadion herum gegangen waren und den Weg bis zur S-Bahn Station in Pichelsberg hinter uns gebracht hatten. Es war aber trotzdem eine gute Idee zu dieser Station zu gehen, denn so konnte ich um 0.03 Uhr in einen fast leeren Zug einsteigen. An der der nächsten Station «Olympiastadion» stiegen die anderen Konzertbesucher zu und das maximale Fassungsvermögen des Zuges wurde erreicht oder gar überschritten. Somit dauerte es auch keine fünf Minuten bis den Fenster beschlugen.
Glücklicherweise leerte sich der Zug nach und nach und somit wurde mit Fahrt von Station zu Station immer entspannter und die Luft wurde auch zunehmend wieder besser. Um ein Uhr war ich dann glücklich wieder im Hotel angekommen und so konnte ich nach 20 Stunden endlich an der Matratze horchen.
Playlist:
Vertigo
I Will Follow
The Electric Co.
Elevation
New Year's Day
Beautiful Day
I Still Haven't Found What I'm Looking For
All I Want Is You
City Of Blinding Lights
Miracle Drug
Sometimes You Can't Make It On Your Own
Sunday Bloody Sunday
Bullet The Blue Sky
Running To Stand Still
Pride (In The Name Of Love)
Where The Streets Have No Name
One
Zugabe #1:
Zoo Station
The Fly
With Or Without You
Zugabe 2:
All Because Of You
Yahweh
Happy Birthday
Vertigo

