FRANKFURT (tms) - Was erwartet man von einer 63jährigen Rock-Legende live auf der Bühne? Bei einer Diskographie, die schon allein als Solo-Künstler um die 30 Werke beinhaltet und dazu noch die Werke von „Velvet Underground“ kommen, ist es zum einen schon schwer, einen Überblick über sein Werk zu haben und zum anderen kann aus einem riesigen Repertoire geschöpft werden. Somit war es für mich ein Konzert, bei dem ich so wenig Musik des Interpreten kannte, wie selten zuvor. Auf jeden Fall hoffte ich darauf, Klassiker wie „Walk on the wild side“ oder „All tomorrow’s parties“ vom „Velvet Underground & Nico“ Album zu hören.
Stattdessen wurde fast schon neu aufgemacht B-Ware präsentiert. Zu den Liedern, die gespielt wurden zählten:
* Adventurer
* The promotion
* My house
* Guilty
* Blue mask
* Mad
* Slip away
* Time rocker
* Talking book
* Vanishing point
* Guardian Angel
* Perfect day
Als Begleitband engagierte Lou Reed folgende erstklassige Musiker:
* Jane Scarpantoni (Cello)
* Frank Saunders (Bass)
* Mike Rathke (Gitarre)
* Tony Smith (Schlagzeug)
Das Konzert war eine ständige Berg- und Talfahrt zwischen ganz fragilen Tönen (vor allem die Werke aus dem „The Raven“ Konzeptalbum) und brachialen Klangwänden aus verzerrten Gitarren. Bei einem Lied habe ich mal mitgezählt und kam auf ganze drei Akkorde. Dies ist ja nichts Außergewöhnliches (Drei Akkorde für eine Halleluja), aber die ersten 3-4 Minuten bestanden nur aus einem Akkord bis doch noch ein wenig Abwechselung einsetzte. Minimalismus in Reinkultur wie man ihn heute fast nur noch in Produktionen elektronischer Musik findet.
Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob es an der Akustik der Alten Oper, unserer Sitzposition oder Lou Reed selbst lag. Auf jedem Fall waren die Lyrics und die Ansagen zwischen den Liedern teilweise gar nicht zu verstehen.
Zum Glück ist auf die älteren Herrschaften Verlass: Um kurz nach acht ging das Konzert fast pünktlich, aber dafür ohne Vorgruppe, los. Den Status der Rock-Legende erkannte man auch daran, dass so viele Fotografen wie ich selten zuvor in der Alten Oper gesehen habe, sich während der Foto-Viertelstunde vor der Bühne getummelt haben. Leider war das Konzert nach fast exakt zwei Stunden (inklusive einer Zugabe) vorüber. Wie man an den zögerlichen Bewegungen des Bühnenpersonals erkennen konnte, wussten diese nach der Zugabe selbst nicht, ob es noch eine weitere Zugabe geben würde. Obwohl das Publikum weiter ohne Unterlass nach einer weiteren Zugabe verlangte, ging trotzdem irgendwann das Licht an und die Zeitreise war abrupt beendet.

