Saturday, 31. July 2010

Köln, E-Werk, 07.11.2004

FRANKFURT/KÖLN (tms) - Die kanadische Sängerin Sarah McLachlan hat sich in ihrer mittlerweile 16jährigen Karriere zum ersten Mal für eigene Konzerte nach Deutschland begeben. Zuerst waren nur Konzerte in Hamburg und Köln angesetzt, aber wegen der guten Nachfrage wurde noch ein Zusatzkonzert in München gespielt. Somit war klar, dass ich das Konzert im Kölner E-Werk am 07.11.2004 besuchen musste.

Fangen wir auch bei diesem Konzertbericht mal wieder mit dem Tag als Solches an. Somit stand erst einmal die Fahrt von Frankfurt nach Köln auf dem Programm, die wegen sonstiges Staus auf Hessens Autobahnen erst um 19.00 Uhr losgehen konnte. Zum Glück habe ich vorher im Internet nachgelesen, dass Sarah McLachlan mit Vorgruppe unterwegs ist und somit sollten wir es auch rechtzeitig bis Köln schaffen. Die A3 war glücklicherweise ziemlich leer und dadurch konnten wir um 20.35 Uhr in der Nähe des E-Werkes parken. Es muss dann so um 20.40 Uhr herum gewesen sein, als wir ins E-Werk rein sind, kurz an die Bar Getränke fassen und ab in den Konzertsaal.

Die Bezeichnung "teilbestuhlt" auf der E-Werk Homepage schien mir dann doch etwas untertrieben, denn im Prinzip war der ganz Raum bestuhlt. Nur ganz am Hallenende um die Bar herum und auf der Galerie waren Stehplätze. Da wir so spät gekommen war, ist natürlich selbstverständlich, dass wir ganz hinten nach den Stuhlreihen stehen mussten. Das war aber in keinster Weise schlimm, denn auch dort war kein Gedrängel und man konnte ohne Strecken und Recken während des gesamten Konzertes die Bühne in Gänze sehen. Außerdem gab es so wenigstens auch die Möglichkeit bei dem ein oder anderen Lied gemütlich mitzuwippen.

Um 20.55 Uhr ging dann das Licht aus und somit hätte unser Timing nicht besser sein können (Just-in-time-Concert). Im Prinzip war das Konzert ein einziges Hit-Feuerwerk und gleich nach dem Intro liefen "Fallen" und "World on Fire", was ein wirklich gelungener Einstand in das Konzert war.

Das Bühnenbild bestehend aus drei Säulen und somit auch einer zweigeteilten Leinwand für die Videoprojektionen dazwischen passte perfekt in die Kulisse des E-Werkes hinein und versprühte durch die Muster- und Farbgebungen im typischen Sarah-Style eine gemütliche fast schon heimische Athmosphäre. Weiterhin war es auch etwas besonderes, dass der Drummer nicht in der Mitte sondern am linken Bühnenrand saß.

Ich denke, dass es an dieser Stelle auch legitim ist, mal ein wenig auf Äußerlichkeiten einzugehen. Im Vergleich zu den Promo-Bildern von Afterglow trägt Sarah die Haare wieder kürzer und sie sind jetzt knapp schulterlang und lockig, was ihr sehr gut steht (nur die Ohrringe hätten etwas dezenter ausfällen können). Ansonsten trug sie einfach Jeans, ein schwarz/anthrazit schimmerndes Top mit irgendwie noch etwas Spitze in Richtung Schultern. Ein nettes Accesoire dazu war auch noch so eine Art dreieckige Scherpe aus Silberplättchen um die Hüfte (das könnte Mode machen).

Zurück zum eigentlichen Konzert: Die Playlist bekomme ich nicht mehr genau zusammen, aber im normalen Programm wurden noch Titel wie Adia, Hold on, I will remember you und Fear gespielt (und natürlich noch mehr). Die Zeit verging so was vom im Flug, dass ich einfach aus Neugierde mal auf die Uhr schaute und mit entsetzen feststellen musste, dass sie schon eine Stunde gespielt war, denn dies bedeutete, dass wir schon jenseits der Halbzeit waren.

Bei Silence machte sie die nette Ansage, dass ihr Manager meinte, sie müsse das Lied unbedingt spielen, da es wahrscheinlich das einzige sei, dass das Publikum kennt. Sie konnte das auch mit einer leicht ironischen Art erzählen, denn das Pubikum hatte ihr schon vorher vermittelt, dass es nur aus richtigen Fans bestand. Vom Sound her fiel das Lied natürlich auch aus dem Rahmen, da schon mehr Beats dazu gespielt wurden, damit der Bezug zu Delerium hergestellt werden konnte.

Vor der ersten Zugabe wurde dann noch mal Richtig losgelegt und es kamen Hits wie Building a mystery und Sweet Surrender und als krönender Abschluss: Possession. Als erste Zugabe folgte dann "Ice Cream" in sehr sparsamer Instrumentierung und das war der einzige Sing-Along Teil während des Konzertes. Die erste Zugabe wurde dann mit "Stupid" abgeschlossen. Für die zweite Zugabe kam die Band nicht mehr mit auf die Bühne und Sarah spielte am Flügel "Angel", was ein perfekte passender Schlusspunkt war.

Nachdem ich jetzt Sarah McLachlan seit 1993 höre (viele, viele Stunden) war es natürlich Pflicht nach elf Jahren Wartezeit auf die erste eigene Tour durch Deutschland zu gehen. Zum einen fand ich die Song Versionen jetzt im Rahmen der Afterglow-Tour teilweise besser als auf "Mirrorball" und zum anderen war es einfach ein Genuß diese wahnsinnige Stimme einmal für fast zwei Stunden live zu hören. Es ist wirklich unglaublich, wie sie während des Singens die Gesangsart oder die Oktaven einfach so spielerisch wechselt. Faszinierend! Besonders lustig war am Ende von "Ice Cream" als sie so tat als würde ihr die Stimme versagen (so wie in der Wick Werbung) und mit dieser Einlage hatte sie die Brüller des Publikums natürlich auf ihrer Seite.

In Kritiken zum Hamburg Konzert habe ich gelesen, dass sich dort viele über den Sound im CCH beschwert haben, dass darin Sarah wundervolle Stimme teilweise unterging. Da ich nicht in Hamburg war, kann ich das nicht beurteilen, muss aber sagen, dass der Sound in Köln wirklich erste Klasse war. Ich kann mich jetzt an kein Lied erinnern (ob Ballade oder Uptempo), wo der Soundmischer irgendwie daneben gegriffen hätte. Wirklich super!

Ansonsten war es schön zu beobachten, wie Sarah doch teilweise sehr emotional auf den Applaus des Publikums reagiert hat. Man hat fast das Gefühl bekommen, dass die fast schon verlegen wurde, weil sie warhscheinlich mit so einer Euphorie nicht gerechnet hat. Der einzige Wehmutstropfen des Konzertes war die Bestuhlung, denn ohne sie wäre bestimmt noch mehr Stimmung aufgekommen. Dennoch hat das Kölner Publikum immer so lange und kräftig applaudiert, dass die Freude des Publikums definitv auf der Bühne angekommen ist.

Fazit: Es war wirklich eine gelungene Songauswahl und es war ebenfalls eine gute Mischung, wie Sarah mal nur gesungen hat oder dann auch wieder Gitarre oder Flügel gespielt hat. Die Darbietung war einfach perfekt und es war definitiv eines der besten Konzerte, die ich erlebt habe.

*****/***** (5/5) – wenn ich mal eine Wertung abgeben müsste!

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