"It´s a sad song, but it has a great melody !"
HAMBURG (a.j.) - Dies´ war der Tenor des herrlichen Abends mit Cara & Band. Der Ort der Mystik nannte sich "Fabrik" und lud´ in etwa 150 andächtige Musikliebhaber von jung bis alt ein, einen herzerwärmenden, romantischen Abend zu erleben.
Viele kamen wie ich dabei alleine, man fühlte sich dadurch gleich viel mehr als Teil des Ganzen, zugehöriger als sonst. In der Mitte des kultigen Raumes wurden direkt vor der kleinen Bühne Stühle in Reihen aufgestellt, an den Seiten leicht versetzt kleinere Tribünen errichtet. Das Ambiente hatte etwas von einer sehr persönlichen Lesung.
Bier, Wein und Sekt machten ihre Runden, während sich die Sound-Techniker im Halbdunkel für den Auftritt vorbereiteten. Ich war sehr gespannt, wie Cara Dillon (geb. 1975 in Derry) und ihre recht junge Band ( um die 30 Jahre im Mittel ) die schönen Melodien ihrer zwei Alben live wohl rüberbringen würden.
Die Band bestand neben der engelsgleich singenden Cara aus dem keyboard-spielenden zweiten Kopf und Arrangeur des Folk-Projekts Sam Lakeman ( geb. 1975 in Devon ), einem Gitarristen, Drummer, Bassisten und einem jungen Allrounder an der Flute, Violine und der stets ominösen aber immerzu brilliant klingenden Uillean Pipe.
Um 21.15 Uhr gingen die letzten Lichter aus und Cara und ihre jungen Mannen schritten unter Beifall auf die Bühne…
Der Abend sollte dem Ambiente angemessen sehr lyrisch werden.
Nahezu jeder Song samt Geschichte und Inhalt wurde ausgiebig und mit viel Liebe zuvor beschrieben und dem Publikum nähergebracht.
Lieder von verlorener Liebe, von irischen Emigranten, bishin zu den Themen der anhaltenen Troubles und Geschichten der sagenumwobenen Banshee.
Eine irische Geschichtstunde, untermalt mit schönster Musik – vorgetragen im feinsten irischen Dialekt.
Cara wirkte beim Erzählen sehr charmant und ließ einen sehr interessiert, in hoher Erwartung der folgenden Songs, den mystischen, teils traurigen aber auch oft sehr romantischen Geschichten zuhören..
Dillon und die Band insgesamt kamen sehr publikumserprobt, oft charmant witzig, kein Deut unsicher, dennoch super sympathisch herüber.
Man lachte, scherzte und sprach miteinander aber auch mit dem Publikum.
Was man bei vielen Künstlern oft vermisst, fand´man an diesem Abend sehr schön wieder – die Interaktion mit dem Publikum – das Miteinander !
Klatschende und pfeifende Ovationen für von Cara angekündigte Songs wurden dankend aufgenommen, im Saal umgefallene Gläser während der Erzählungen erkannt : "Are you okay there ? Nobody move ! And everything will be fine !" [Blinzeln] , sich bei kleinen Geschenken einzelner Fans persönlich und namentlich, den Fan im Publikum suchend, bedankt und im direkten Augenkontakt angesprochen, Reihen zum unterstützenden Mitsingen aufgefordert und sanft auf traurige Songs vorbereitet : "It´s a sad song, but it has a great melody !".
Wir saßen zwar im Publikum, aber irgendwie waren wir doch mit auf der Bühne. Diese schöne Harmonie ließ uns die Band in wunderschön interpretierten Songs merklich fühlen.
Der Sound war kristallklar und nahezu perfekt auf Stimme und Instrument abgestimmt. Cara´s brilliant klare Stimme bahnte sich über unsere Ohren in unsere Herzen. Dabei fiel auf, dass Cara oft mit geöffneten Augen sang und den Leuten direkt in die Gesichter blickte. Es wirkte gelassen, vertraut aber in jedem Fall wirklich und ehrlich emotional.
Wenn der junge O´Grady an seinen zahlreichen keltischen Instrumenten ( oft mehrfach in einem Song wechselnd! ) seine schönen in den Bann ziehenden Soli spielte, schaute Cara ihm ,die Musik innerlich mitspielend, mit viel Herz und Seele dabei zu, bevor sie mit Gesang wieder mit einstieg.
Der korpulent, lässig, gemütlich und ständig rauchende Bassist beherrschte seinen E-Bass und Kontrabass mit einer derartigen Leichtigkeit, man könnte denken, er tue jeden Tag nichts anderes – der Rauch der Zigarette, die in seinem Mundwinkel klemmte, schaffte, neben der als solche schon sehr persönlichen Stimmung , im Lichtspiel eine Pub-ähnlich gemütliche Atmosphäre – die "Fabrik" wurde irisch !
Der noch sehr (!) jung wirkende Sam Lakeman an dem Piano, stets einen Ear-Monitor tragend und in seinen Harmonien verfangen, zauberte herrliche Klänge hervor, die Cara´s Stimme wunderschön mitsich trugen.
Bevor ich in Song-Details gehe, nehme ich mal vorweg, daß die Band live sehr überzeugend agierte. Auch wenn sie insgesamt sehr lässig und wohlgemerkt "nur optisch" kleinmusikalisch, fast kammerartig "wirkte", schaffte sie einen enorm satt klingenden Klang. Wunderschöne Arrangements, innovativ aber traditionell zeitlose Melodien erfüllten den Raum, einfach brilliant und noch (!?) besser als die Studioversionen.
Auch wenn es jetzt sehr klischeehaft klingt – diese Iren haben die Musik einfach im Blut !
Die musikalischen Highlights waren sich die Songs "Black Is The Colour", welchen Cara als oft von u.a. Mary Black besungenen Traditional vorstellte, "There were roses", der 2. Zugabe nach einem frenetischen Applaus (nur mit Sam am Keyboard), bei der Cara uns zuvor den Refrain "There were roses, roses. There were roses. And the tears of the people ran together!" ( einem traurigen Titel über den stetigen Nord-Irland-Konflikt )beibrachte und uns zum Mitsingen aufforderte, was die ersten Reihen auch andächtig taten. Der kleine Saal hatte plötzlich etwas kirchliches aber besonnen-warmes ansich.
Aber auch die 1. Zugabe "The Emigrant´s Farewell" war beachtlich, besonders, als zum ersten mal am Abend der gesamte Chor am Ende des Songs einstieg, was im wahrsten Sinne des Wortes wirklich etwas wuchtig Chorales ansich hatte. Eine enorme Baßstimme, wo ich nicht weiss, wem sie zuzuordnen war – mein Tipp fällt auf den Bassisten oder dem "Allrounder" O`Grady [Blinzeln] – brachte den Saal zum Beben. Der harmonisch perfekt abgestimmte Gesang brachte einem Gänsehaut – schön, dass sie diesen Song bis zum Schluss aufgehoben haben, so war es ein herrlich überraschender Effekt !
Am Ende des Konzertes so gegen 22:50 Uhr gab es dann Standing Ovations – eine Beifallsbekundung für die tolle Musik, aber auch für den Charme den diese Band an diesem Abend hervorbrachte.
Ein Beispiel dafür (es gab viele!) ist zum Beispiel, als Cara von einer Geschichte anfing, die sich ein paar Tage zuvor in Dresden ereignet hatte. Sie unterbrach, weil sie O`Grady die Story überlassen wollte, der aber saß schon wieder in Position mit seiner Uillean Pipe auf seinem Stuhl (Anmerkung : das Umschnallen ist mit einem gewissen Aufwand verbunden : Knieschoner arretieren, Armbinde umschnallen, in die richtige Position stellen etc.) – dieser aber sprang freudig auf, während Cara kurz lustig überleitete "man stelle sich vor, man müsse das ganze Leben damit herumlaufen!", und erzaehlte dann mit aller Sorgfalt und Zeit die kleine nette Anekdote :
In Dresden wollte die Band nämlich nochmal kurz vom Hotel aus einen Abstecher in die Innenstadt machen und erkundigtre sich beim Hotelier nach dem öffentlichen Nahverkehr. Dort sagte man Ihnen, dass die Busse und Züge 24 Stunden am Tage fahren … "nur" beiläufig erwähnte man nach mehrmaligem Nachfragen, dass das aber nicht für die Nacht gelte – man war irritiert *schmunzel* – kleine Situationskomik, die zeigt, dass die Band aus dem Leben entspringt, das macht sie so sympathisch !
Ich jedenfalls habe an diesem Abend sehr viel Spass gehabt und mich richtig wohl gefühlt, fast familiär in diesem kleinen Kreise.
Ich wünschte mir, dass ich Cara und ihre Band sehr bald wieder in solch kleiner Lokation erleben darf, wenn es geht am gleichen Ort und Stelle. Auch wenn ich ihnen den grossen Erfolg von Herzen wünsche, Ihre Stärke liegt in gerade diesen kleinen persönlichen Gefilden.
Ich werde dieses Konzert sicher immer in Erinnerung behalten, und sollten sie später grosse Hallen füllen, dann bin ich froh, dass ich dieses hier miterleben durfte – eine Harmonie die man selten erlebt !
Note : 1
(a.j.)
Dieser Beitrag wurde ins freundlicherweise von Lonereviewer.de zur Verfügung gestellt.

